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Adam & Eva
Der Heros und die Urmutter- & Liebes-Göttin – 24. Dezember

Adam und Eva
vor der Vertreibung/Delogierung
Hans Baldung gen. Grien, 1507

Galleria degli Uffizi Firenze
 

Also das hat noch gefehlt! Angebliche Kelten-Seiten, die sich auf Adam und Eva berufen!? Alles was Recht ist! Die Inanspruchnahme der Eisenzeit, oder von Hallstatt A, B, C – oder war es a, b, c, oder A-I, B-II, C-III...? Geschenkt! Doch jetzt auch noch Adam und Eva einspannen! Da hört sich doch – bei aller Toleranz gegenüber diversen Auswüchsen der Keltomanie – der Obsthandel (ob Apfel oder Granatapfel) doch endgültig auf! Oder etwa nicht?

Das Christentum ist doch ganz sicher nicht in den keltischen Ostalpen entstanden. Nein, wirklich nicht! Doch die zur „Missionierung” unserer keltischen Ahnen notwendige Uminterpretation keltischen Glaubens hat nicht zufällig massenhaft Parallelen mit der Ausrottung anderer auf Muttergottheiten basierenden Hochkulturen im Namen Christi, der sich darin trotz aller jüdischen Abstammung vermutlich selbst nicht wieder erkannt hätte!

Zur Not fangen wir also mit unserer hintergründigen Aufklärung sogar noch weit vor Adam und Eva an! Denn nicht nur der Widerpart des Gottessohnes, der christliche Teufel hatte eine Großmutter, sondern auch Urmutter Eva! Und das Tolle daran: Die kam justament aus dem heutigen Irak!

Göttliche Wurzeln im Irak
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Als zwischen Euphrat und Tigris vor vielen Jahrtausenden die Sumerer lebten – denen wir übrigens die Tageseinteilung in 24 Stunden, zu je 60 Minuten, zu je 60 Sekunden, und die Kreiseinteilung in 360 Grad verdanken! – da glaubten die Vorvorfahren Saddam Husseins (die von Bush und Co. waren vermutlich noch nicht ausgebrütet) an eine Mutter-, Mond- und Liebesgöttin, die sie Iahu, die erhabene Taube nannten und auch mit einer Taube symbolisierten, einem Vogel, dem bis heute große Lüsternheit und Paarungsbereitschaft nachgesagt wird.

Für den göttlichen Akt der Paarung hatte Iahu, mythologische Vorgängerin von Mutter- und Liebesgöttinnen wie der babylonisch-assyrischen Ishtar, der vorderasiatischen Aphrodite und der palästinensischen Jehwa, nach ihrer obligaten „Urschlange” einen Sohngeliebten und Heros Namens Jerubaal oder Jahwe. Als Jahwe wurde der sumerische Heros schließlich zu einem palästi-nensischen Atmosphäregott, der schließlich in einem weiteren Schritt unter Anmaßung weiblicher Titel und Kompetenzen in patriarchaler Zeit zum jüdischen absoluten Vatergott Jahwe/Jehova mutierte!

Doch zurück zu den viel älteren Muttergöttinnen und Ahninnen Evas: Vor Jahwe regierte im palästinensischen Himmel Jehwa (auch Heba oder Hebe), selbst eine Erd- und Schöpfergöttin nach klassischem Urmütter-Muster. Sie schuf die Welt und alles Leben aus sich selbst heraus. Sie wohnte in einem Obstgarten-Paradies. Und an Stelle eines Mannes begleitete sie zuerst die Urschlange Jam, die im Laufe der Zeit durch einen Heros und Sohngeliebten ersetzt wurde, der den von ihr abgeleiteten Namen Abdi-heba oder Adam trug. Beider Hauptkultort war Jerusalem.

Ja, hier können wir sagen „Es werde Licht”! Nun beginnt es zu dämmern, und wir sind mit den aufgezählten Schauplätzen, Namen und Attributen genau auf dem richtigen Weg: Aus Urmuttergöttin Iahus „Nachfolgerin” Jehwa ging einerseits Urmutter Eva hervor – und aus ihrem Heros Abdiheba unser Adam, der ach so arme verführte erste Mann! Andererseits schufen sich die Patriarchen der Juden zur Rechtfertigung des eigenen Machtanspruch aus Jehwa ihren einen, allmächtigen, allwissenden usw. „Gottvater”, der die Urmutter als Eva „entsorgt” und aus ihrem Paradies vertreibt. - Wobei er sich aber die Taube behält, die dann in der christlichen Version nicht zufällig an der „Zeugung” des Sohnes beteiligt ist!


Adam & Eva im Paradies, Jakob de Backer, Groeningemuseum Brügge

Damit könnten wir zum Thema Adam & Eva und ihrem bemerkenswerten Festtag am 24. Dezember eigentlich Schluss machen. Doch ginge uns dann noch ein Glied ab. Da nämlich mit der beschrieben palästinensisch, jüdisch, „urchristlichen” Macho-Konstellation in keltischen Landen – trotz vorangegangener „Romanisierung” der städtischen Oberschicht – kein „Staat” zu machen war, setzte die römisch-katholische Staatskirche, auf eine eigene, eine „christianisierteVariante der Muttergöttinnen-Verehrung.

Ersatz-Muttergöttin Maria
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In den ehemals keltischen Ländern ließ sich zum Ersatz der hier noch immer in vielen Gestalten verehrten Muttergöttinnen nicht mehr auf Urmutter Eva bauen, die in jüdisch-christlicher Interpretation in Umkehrung der Naturgesetze aus ihrem Heros hervorgegangen (geboren) worden sein soll, um Erkenntnis, Kinder und Unheil in die Welt zu bringen. An ihrer Stelle setzte man(n) – neben diversen weiblichen „Heiligen” – lieber auf die entsexualisierte zentrale „Ersatz-Muttergöttin”, die „GottesmutterMaria, deren legendärer Lebenslauf in Begleitung der Frauen um Jesus just in Ephesos, dem Hauptkultort der omnipotenten kleinasiatische Muttergöttin Artemis, geendet haben soll, wo gerade Österreichs Archäologen mit besonderem Eifer graben.

Auch dahinter steckt systematische Überwindung der Konkurrenz: Die von Maria in Ephesos symbolisch „überwundene” Artemis war ursprünglich eine Göttin gewesen, die tatsächlich der Muttergöttinnen-Trinität der Kelten - den Drei Bethen - in wichtigen Aspekten verblüffend ähnlich war. Sie war ähnlich Wilbeth die Weiße Göttin, die Jagd- und Mondgöttin, deren Wagen von einem Hirschgespann gezogen wurde. Artemis war aber insbesondere auch die große Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin nach Art der Ambeth. Und sie war schließlich wie Borbeth die Göttin des Todes und der Wiedergeburt!

Was im Einflussbereich der ehemals keltischen Galater Kleinasiens funktionierte, das sollte nun wohl auch bei den europäischen Nachfahren der Kelten klappen. In Ephesus wurde der Grundstein gelegt und Maria im Jahre 431 per Konzil höchst offiziell zur Theotokos, zur Gottesgebärerin – also Gottes Mutter! – erklärt. Auf dieser Grundlage ließ sich die Zukunft der Kirche auch in anderen Ländern mit dominantem Frauenkult bauen!

 
Mit ihrem Sohn Jesus war Maria - die „bessere Eva” - schließlich ein wesentlicher Teil in einem zugkräftigen Gespann, das mit etwas Fantasie als „Ersatz” der bisherigen Konstellation der Muttergöttin Rigani/ Ambeth mit ihrem Sohngeliebten und Heros Esus durchgehen konnte.

Urmutter Eva
hatte mit der „entsexualisierten” ka-tholischen Variante der göttlichen Mutter zwar weitgehend ausgedient. Doch als Ahnfrau sitzt sie noch heute zu Weihnachten genau vor der Geburt Jesus durch Maria! – Die Variante mit einer Mutter der Gottesmutter namens Anna (vgl. Ambeth oder Anabeth!) kam erst später über die gallische Bretagne in die Alpen! Wenn´s wieder so weit ist, denken Sie am 24. Dezember trotz aller Hektik daran, dass das Urmutter Evas Tag ist, der Tag der Frauen insgesamt – und die „Nacht der Mütter”, in der sich die keltische Rigani auf den Weg machte, ihren Sohn Cernunnos zu suchen, um ihn per Heiliger Hochzeit in die Sommergestalt des Esus zurück zu verwandeln!

Bild: Eva, Hans Baldung Grien, 1524, Szépmuvészeti Múzeum Budapest

  Kurzsteckbrief: Adam & Eva ^
Namenvarianten:   Abdiheba & Heba, Jerubaal/Jahwe & Jehwa
Festtermin:   24. Dezember
Namensdeutung:   Mensch & Urmutter
Symbole:   Urschlange, Taube, (Granat-) Apfel
Mythol. Funktion:   Ureltern, Urmutter und Heros
Parallelen zu:   Iahu, Ishtar, Aphrodite, Artemis, Rigani, Anna
Zugeh. Bethe(n):   Wilbeth/Katharina, Ambeth/Margaretha, Borbeth/Barbara
Alpine Verbreitg.:   Beginn des 15. Jh.

Buchtipps:     ^
  Heide Göttner-Abendroth
Die Göttin und ihr Heros

Heilige zwischen Mythos und Legende
München (Verlag Frauenoffensive) 1997
 
       
  Theodora Jenny-Kappers
Muttergöttin und Gottesmutter in Ephesos

Von Artemis zu Maria
Zürich (Daimon) 1986
 
       
  Otto Holzapfel
Lexikon der abendländischen Mythologie

Freiburg (Herder) 2002
 

© Georg Rohrecker

Update: 02.12.2008

 

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