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> Kelten-Erbe > Heiligengestalten
> Heiligengestalten A
> Achatius
Achatius
Himmlischer Einpeitscher fürs
letzte Gefecht - 22. Juni
Marter
des Achatius auf dem Berg Ararat
got. Wandmalerei (um 1400)
an der südlichen Langhauswand
der ehem. Wallfahrts- und
Minoritenkirche Bruck an der Mur |
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Achatius
(gr. für „Der Unschuldige”), einer der verdächtig
vielen ostalpinen „Nothelfer der Sterbenden”,
die in der Regel allesamt irgendwie mit der dunklen Borbeth
verbunden sind, gehört zu jenen wenigen Heiligengestalten, an denen
unsere keltischen Ahnen eigentlich weitgehend unschuldig sind. Der ideologische
„Auftrag” bestand bei seiner ursprünglichen Propagierung
nämlich nicht in der Ersetzung eines keltischen Heros. Es ging
vielmehr darum, massenhaft barbarische Helden des „christlichen
Abendlandes” zum „Totalen Krieg”
gegen Heiden und „Andersgläubige”,
zu den mörderischen und religiös völlig wertlosen „Kreuzzügen”
zu mobilisieren. Doch in die Schar der ostalpinen „Nothelfer”
kam Achatius genau zu jener Zeit, zu der mit diesem bunten Haufen die
letzten „Großangriffe” auf die in
den ostalpinen Gebirgstälern hartnäckig verbliebenen
Kelten-Heroen und ihre „ketzerischen” Anhänger geblasen
wurden!
Achatius, der vermutlich im 13. Jahrhundert durch die Dominikaner,
den zur Ketzer-Bekehrung bzw. -Vernichtung gegründeten Predigerorden,
als himmlischer Einpeitscher blutiger „Glaubenskämpfe”
erfunden worden war, brauchte als passendes „Idol” der blutrünstigen
Kreuzritterschar eine bombastisch angelegte Legende, die ihm auch prompt
verpasst wurde. Nach dieser soll diese Kunstfigur der legendäre
Söldnerführer einer kleinasiatischen Riesenschar
von Kriegern gewesen sein, die sich für den lukrativen Endsieg
taufen ließ. Zur Heiligenschar wurde die blutrünstige Kriegermeute
(die unhistorische Masse der „Zehntausend Märtyrer”)
weil sie darauf unter Kaiser Hadrian (117 – 138)
am Heiligen Berg Ararat massakriert, zuerst in fürchterliche
Dornen gejagt und anschließend gekreuzigt worden sein soll, unter
jenem Gipfel, an dem einst Noah nach der Sintflut mit seiner Ache gelandet
war. (Kein Wunder, dass nach 10.000 Kreuzen auf dem Ararat kein Baum
mehr stand!)
Um die etwas geringere Zahl an Kreuzrittern mit Achatius Hilfe zu ihren
eigenen Massakern gegen die große Zahl der „Ungläubigen”
anzuspornen, galt der edle Ritter im Einsatz für den „totalen”
– aber seit Kirchenvater Augustinus „gerechten”
– Krieg gegen die Ketzer und andere erklärten
„Feinde” des „Christentums”, als Patron gegen
Todesangst und Zweifel. Wobei letztere besonders
dort hätten aufkommen können, wo es nicht allein galt, das
„Heilige Land” den bösen Moslems und Juden mit Mord
und Totschlag zu entwinden, sondern nebenher auch noch das christliche
Oströmische Reich zu Gunsten Venedigs im Blutrausch zu liquidieren.
Bei uns wurde dieser seltsame „Kettenhund” der „Domini
Canes” (dt. Spürhunde des Herrn, wie die Dominikaner
wegen ihrer Rolle in der Inquisition auch genannt wurden) erst im 15.
Jahrhundert eingeführt, als Ergänzung der bereits
etablierten Seelenbegleiter unter den „Nothelfer” und als
damals besonders in Salzburg und Tirol beliebter Patron der Sterbenden
- um sie davor zu bewahren in Todesangst zu zweifeln und in den „alten”
Glauben der Ahnen zurück zu fallen. Wie viele andere „NothelferInnen”
- inkl. dem Bethen-Ersatztrio K+M+B
- kam Achatz als „Mitbringsel der Kreuzzüge”
zu uns. Entgegen früheren Jahrhunderten wird der Sterbe-Patron
allerdings im Zeitalter medialer weltweiter Präsenz diverser Sportheroen
bis in die entlegensten Alpentäler kaum mehr als männlicher
Vorname gewünscht. Da seien die Kevins und Patricks vor, die allerdings
auf diese Art auch keine keltischen Wurzeln mehr haben!
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Kurzsteckbrief:
Hl. Achatius |
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| Namenvarianten: |
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Achatz, Acacius,
Akakios, Agatus |
| Festtermin: |
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22.
Juni, 31. März (orth.) |
| Namensdeutung: |
|
Gott
hält (hebr.), Der Unschuldige (gr.) |
| Symbole: |
|
Dornenast,
Dornenkrone |
| Mythol.
Funktion: |
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Nothelfer
gegen Zweifel und Todesangst, Sterbebegleiter |
| Parallelen
zu: |
|
Dagda, Hermes, Christophorus,
Michael |
| Zugeh.
Bethe(n): |
|
Borbeth/Barbara |
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Verehrungsorte: |
|
Bruck/Mur,
Morzg, Murau, Ramingstein, Schladming |
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Alpine Verbreitg.: |
|
Mitte
des 15. Jh. > Nothelfer |
| >Buchtipp: |
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Georg
Rohrecker
Kelten - Götter - Heilige
Mythologie
der Ostalpen
Wien (Pichler)
2007 |
|
©
Georg Rohrecker
Update:
31.05.2008

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