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Agnes
Lämmchen oder feurige Jungfrau? - 21. Jänner

Hl. Agnes
Johann von Schraudolph (1842)
Bayerische Staatsgemäldesammlung
 

Von wegen „Lämmchen” (lat. agna, dt. Schaflamm). Hinter der heutigen Patronin der Jungfrauen und Gärtner steckt alles andere als ein Baby-Schaf! Agnes ist eine dürftig bis gar nicht verkleidete Variante der keltischen Göttinnen-Trinität, die auch unter den Namen Brigantia und Brigid verehrt wurde – letztere bis heute zum Termin des keltischen Frühlingsbeginns am 1. Februar, bekannt als „Imbolc”, dem uralten Licht- und Reinigungsfest, das mit der Geburt der Lämmer und der Laktation der Mutterschafe zusammenfällt. (Agnes ist 10 Tage früher dran!)

Die katholische Legende sollte aus dem Symbol Agnes zwar eine christliche Heilige machen, doch wird mit ihr buchstäblich mehr enthüllt als verhüllt! Kaiser Kon-stantin, der große Mörder und Kriegsverbrecher, der sich im 4. Jahrhundert „nach Christus” die machtbewussten Teile des christlichen Klerus zu seiner wichtigsten ideologischen Waffe schmieden ließ, kümmerte sich auch angelegentlich um eine passende Heerschar anHeiligen”. Mutter Helena ließ er bei einer „fact-finding-mission” im „Heiligen Land” neben dem Kreuz Christi prompt „Geburts-Kronzeugen” in Form der „Hl. Drei Könige” finden. Und Töchterlein Konstantia machte sich in Rom nützlich, fand dort brav das Grab einer Märtyrerin Agnes (Die [durch Feuer] Gereinigte) und stiftete darüber mit Papas Kohle die Kirche Sant'Agnese fuori le mura.

Um eine passende Legende der Reinen kümmerte sich schon Beamtensprössling und „Kirchenvater” Ambrosius (339 – 397), der in Mailand (kelt. Mediolanum) residierende römische Statthalter, der dort 374 zum römisch-katholischen Bischof gekürt wurde, bevor er noch getauft ward. Im Gegensatz zu ihrem Förderer Ambrosius soll Agnes dafür gleich zwei Taufen erlebt haben. Zuerst gabs für Agnes die „normale” Wasser-Taufe und mit 13 Jahren auch noch eine Feuer-Taufe. Da war Agnes bereits so schön, dass sie vom Sohn des damaligen Römischen Präfekten heiss begehrt wurde. Als sie diesen nicht erhörte, ließ er sie dafür zwar nackig in ein Freudenhaus verschleppen, doch Engel kleideten die keusche Jungfrau in ein Kleid von Licht.

Als das verliebte Präfektensöhnchen sich im Bordell neuerlich an Agnes heran macht, fällt er zwar tot um, doch die fromme Agnes betet ihn zu neuem Leben. Zum Dank dafür lässt sie der Wiederauferstandene zwar wegen Hexerei ins Feuer werfen, doch was später den „christlichen” Hexenjägern gelingt, bleibt den „heidnischen” versagt: Fräulein Agnes übersteht ihre Feuertaufe unbeschadet. Erst das Henkerschwert in der Kehle befördert sie endlich in die Gemeinschaft der katholischen Heiligen, wo sie bis heute ungeniert diverse „heidnische” Symbole auf sich vereint.


Marter der Hl. Agnes, got. Fresko von 1414 in der Kirche St.Katharina in Mitterdorf bei Kaltern

Das Feuer der Agnes weist nicht nur auf das „Ewige Feuer” der irokeltischen Göttinnen-Trinität Brigid hin, das in Kildare weiter unterhalten wurde, als ihr alter Kultplatz schon längst in ein christliche Kloster umfunktioniert worden war - und sie selbst zur Äbtissin mutierte. Das Feuer der Erkenntnis brennt rundum. Nicht nur das lateinische Wort für die Erkenntnis, Erleuchtung, agnitio erleuchtet den Hintergrund von Agnes. Noch näher zu den „heidnischen” Wurzeln führt der Vergleich mit Agni, dem vedischen (altindischen) Gott der Herd- und Opferfeuer, dessen mythologisches Reittier der Schafbock - also der Widder - war, der in den Ostalpen bis heute zu bestimmten „heiligen Zeiten” an bestimmten Heiligen Plätzen geopfert wird. (Vgl. > Brauchtum > Widderopfer) Agni ist auch das Sanskrit-Wort für das Feuer selbst!

Insgesamt ist Agnes eine verniedlichte/verharmloste vorchristliche Ur-Mutter-Göttin mit all ihrer geballten Energie und Potenz.


  Kurzsteckbrief: Hl. Agnes ^
Namenvarianten:   Agnesa, Agneta, Ignes, Inès
Festtermin:   21. Jänner
Namensdeutung:   Die (durch Feuer) Gereinigte, Erhellte, Weis(s)e
Symbole:   Lamm, Feuer
Mythol. Funktion:   Patronin der Kinder, Gärtner, Jungfrauen, Heirats-Orakel
Parallelen zu:   Brigid, Diana, Rachel, Agni
Zugeh. Bethe(n):   Wilbeth/Katharina
Verehrungsorte:   Rom, Ravenna, Korpitsch/Finkenstein, Mauterndorf, Salzburg, St.Michael/Lungau, Schönberg/Kamp, Völkermarkt
Alpine Verbreitg.:   Beginn des 14. Jh.

© Georg Rohrecker

Update: 24.03.2009

 

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