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> Kelten-Erbe > Heiligengestalten
> Heiligengestalten A
> Agnes
Agnes
Lämmchen oder feurige Jungfrau?
- 21. Jänner
Von
wegen „Lämmchen” (lat. agna,
dt. Schaflamm). Hinter der heutigen Patronin der Jungfrauen und Gärtner
steckt alles andere als ein Baby-Schaf! Agnes ist eine dürftig
bis gar nicht verkleidete Variante der keltischen Göttinnen-Trinität,
die auch unter den Namen Brigantia und Brigid
verehrt wurde – letztere bis heute zum Termin des keltischen Frühlingsbeginns
am 1. Februar, bekannt als „Imbolc”, dem
uralten Licht- und Reinigungsfest, das mit der Geburt der Lämmer
und der Laktation der Mutterschafe zusammenfällt. (Agnes
ist 10 Tage früher dran!)
Die katholische Legende sollte aus dem Symbol Agnes
zwar eine christliche Heilige machen, doch wird mit ihr buchstäblich
mehr enthüllt als verhüllt! Kaiser Kon-stantin,
der große Mörder und Kriegsverbrecher, der sich im 4. Jahrhundert
„nach Christus” die machtbewussten Teile des christlichen
Klerus zu seiner wichtigsten ideologischen Waffe schmieden ließ,
kümmerte sich auch angelegentlich um eine passende Heerschar
an „Heiligen”. Mutter Helena ließ
er bei einer „fact-finding-mission” im „Heiligen Land”
neben dem Kreuz Christi prompt „Geburts-Kronzeugen” in Form
der „Hl. Drei Könige”
finden. Und Töchterlein Konstantia machte sich in Rom
nützlich, fand dort brav das Grab einer Märtyrerin
Agnes (Die [durch Feuer] Gereinigte) und stiftete darüber
mit Papas Kohle die Kirche Sant'Agnese fuori le mura.
Um eine passende Legende der Reinen kümmerte sich schon Beamtensprössling
und „Kirchenvater” Ambrosius (339 –
397), der in Mailand (kelt. Mediolanum) residierende römische Statthalter,
der dort 374 zum römisch-katholischen Bischof gekürt
wurde, bevor er noch getauft ward. Im Gegensatz zu
ihrem Förderer Ambrosius soll Agnes dafür gleich zwei Taufen
erlebt haben. Zuerst gabs für Agnes die „normale” Wasser-Taufe
und mit 13 Jahren auch noch eine Feuer-Taufe. Da war
Agnes bereits so schön, dass sie vom Sohn des damaligen Römischen
Präfekten heiss begehrt wurde. Als sie diesen nicht erhörte,
ließ er sie dafür zwar nackig in ein Freudenhaus verschleppen,
doch Engel kleideten die keusche Jungfrau in ein Kleid von Licht.
Als das verliebte Präfektensöhnchen sich im Bordell
neuerlich an Agnes heran macht, fällt er zwar tot um, doch die
fromme Agnes betet ihn zu neuem Leben. Zum Dank dafür lässt
sie der Wiederauferstandene zwar wegen Hexerei ins Feuer
werfen, doch was später den „christlichen” Hexenjägern
gelingt, bleibt den „heidnischen” versagt: Fräulein
Agnes übersteht ihre Feuertaufe unbeschadet. Erst
das Henkerschwert in der Kehle befördert sie endlich in die Gemeinschaft
der katholischen Heiligen, wo sie bis heute ungeniert diverse „heidnische”
Symbole auf sich vereint.

Marter
der Hl. Agnes, got. Fresko von 1414 in der Kirche St.Katharina in Mitterdorf
bei Kaltern
Das Feuer der Agnes weist nicht nur auf das „Ewige Feuer”
der irokeltischen Göttinnen-Trinität Brigid
hin, das in Kildare weiter unterhalten wurde, als ihr
alter Kultplatz schon längst in ein christliche Kloster
umfunktioniert worden war - und sie selbst zur Äbtissin mutierte.
Das Feuer der Erkenntnis brennt rundum. Nicht nur das lateinische Wort
für die Erkenntnis, Erleuchtung, agnitio
erleuchtet den Hintergrund von Agnes. Noch näher zu den „heidnischen”
Wurzeln führt der Vergleich mit Agni, dem vedischen
(altindischen) Gott der Herd- und Opferfeuer, dessen
mythologisches Reittier der Schafbock - also der Widder
- war, der in den Ostalpen bis heute zu bestimmten „heiligen Zeiten”
an bestimmten Heiligen Plätzen geopfert wird. (Vgl. > Brauchtum
> Widderopfer) Agni
ist auch das Sanskrit-Wort für das Feuer selbst!
Insgesamt ist Agnes eine verniedlichte/verharmloste
vorchristliche Ur-Mutter-Göttin mit all ihrer
geballten Energie und Potenz.
| |
Kurzsteckbrief:
Hl. Agnes |
^ |
| Namenvarianten:
|
|
Agnesa, Agneta,
Ignes, Inès |
| Festtermin: |
|
21.
Jänner |
| Namensdeutung: |
|
Die
(durch Feuer) Gereinigte, Erhellte, Weis(s)e |
| Symbole: |
|
Lamm,
Feuer |
| Mythol.
Funktion: |
|
Patronin der Kinder, Gärtner, Jungfrauen, Heirats-Orakel |
| Parallelen
zu: |
|
Brigid,
Diana, Rachel, Agni |
| Zugeh.
Bethe(n): |
|
Wilbeth/Katharina |
|
Verehrungsorte: |
|
Rom,
Ravenna, Korpitsch/Finkenstein, Mauterndorf, Salzburg, St.Michael/Lungau,
Schönberg/Kamp, Völkermarkt |
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Alpine Verbreitg.: |
|
Beginn
des 14. Jh. |
©
Georg Rohrecker
Update:
24.03.2009

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