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Auferstehung erstrangiger Kulturschande!
Der Heilige Biberg wird dank VwGH-Urteil restlos zerstört!

Wissen Sie was Diabas ist? Nein? Aber was Kulturschande ist, wissen Sie schon! Und, dass im Zeichen des (Raubtier-) Kapitalismus Profit vor Gemein-nutz geht, wissen Sie vielleicht auch! Nun, in Saalfelden im Salzburgerland wird z.B. seit 1927 mit dem Pinzgauer Biberg mustergültig vorgemacht, wie es geht, mit der unwiederbringlichen Zerstörung unserer gemeinsamen kulturellen Wurzeln zugleich massenhaft Schande und Profit anzuhäufen!

Dazu die Fakten: Diabas ist ein Gestein vulkanischen Ursprungs, das u.a. zu netten Pflastersteinen verarbeitet wird, über die munter Räder und Rubel rollen können. Der Biberg bei Saalfelden wiederum ist ein kleiner Berg mit großer Geschichte. Er war zur Zeit unserer keltischen Ahnen ein berühmter Heiliger Berg und ein wichtiges Kultzentrum der vorchristlichen Pinzgauer, der Ambisonten, die sich einst (16/15 v. Chr.) stolz aber erfolglos der Okkupation durch römische Truppen wiedersetzten.

Das Todesurteil über den Biberg wurde allerdings nicht in dem anschließenden halben Jahrtausend Römischer Besetzung gesprochen, sondern erstmals 1927, als aus dem Heiligen Berg der Kelten ein profitabler Steinbruch zur Gewinnung von Diabas gemacht worden ist. Doch damit nicht genug, feierte das Todesurteil kürzlich schändliche Auferstehung. Der österreichische Ver-waltungsgerichtshof hat es für den Rest des Kulturdenkmals letzt-instanzlich erneuert und damit endgültig gefällt.


Ausschnitt aus den Salzburger Nachrichten vom 28. März 2006

Schön zwar, dass sich um den Biberg zumindest ein - von den vorherrschenden Profitinteressen erwartungsgemäß abgeschmettertes - Umwelt-Bewusstsein regte. Mit dem Geschichts-Bewusstsein hapert es allerding noch ordentlich! Das ist jedoch nicht Angelegenheit des hohen Verwaltungsgerichtshofs, sondern Sache der Nachfahren jener Ambisonten, deren stolzer Name sich bis heute in den Bezeichnungen Pinzgau und (im restlichen) Biberg auf Deutsch zurechtgestutzt erhalten hat! - Auch dazu noch ein paar Fakten:

Seit der Biberg, der Kultmittelpunkt der kelt. Ambisonten, in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts zum Steinbruch umfunktioniert wurde, kümmerte sich kaum jemand um seine herausragenden kulturhistorische Bedeutung. So fanden am Heiligen Berg niemals ernsthafte archäologische Untersuchungen statt. (Da liegen doch Kleinasien, Nordafrika usw. viel näher!?) Ja man kann überhaupt von Glück reden, dass zumindest wenige aber bedeutende Funde aufmerksamer Steinbrucharbeiter vom Biberg den Weg in den Fundus des Salzburger Museums Carolino Augusteum fanden. Das herausragende Prachtstück - das auf einen ungleich größeren Schatz von europäischer Bedeutung schließen läßt - ist jedenfalls der so genannte Hirsch vom Biberg.

Der Hirsch vom Biberg ist eine kaum elf Zentimeter hohe Bronzestatuette aus dem 2. oder 1. vorchristlichen Jahrhundert, die 1942 auf dem Biberg bei Saalfelden gefunden wurde. Die Figur stellt einen Hirsch dar, der dabei ist sich aufzurichten. Der (Rot-) Hirsch (cervus elaphus) war bei den Kelten das Symboltier des Anderswelt-He-ros Cernunnos, dem das kostbare Figürchen vermutlich einst am sym-bolischen Stammeszentrum der Ambisonten, am Heiligen Biberg ge-opfert worden ist. Die gewählte Haltung weist deutlich auf die keltische Glaubensvorstellung der irdischen (!) Auferstehung oder Wiedergeburt hin, die den Seelen der Verstorbenen nach einem temporären Aufenthalt in der paradiesischen Anderswelt winkte.
 
Hirsch vom Biberg, Bild: © Salzburg Museum

Aber das ist halt schon lange her! Hauptsache wir kümmern uns heute um die obligate Buddlerei in Ephesos, wo seit 1895 mehr akademische Lorbeeren - samt sonnigen Tagen - zu holen sind, oder um Bibracte im französischen Burgund, wo Cäsar nach vollendeter Kelten-Abschlachterei im Winter 52/51 seine Kommentare über den Gallischen Krieg zu schreiben begann - mit deren Weisheiten wir bis dato unsere klassische Bildung und unsere Kenntnisse über die eigenen Vorfahren nachweisen - oder um Destinationen am atlantischen Ende der Welt!

Cernunnos, Heros des Wachstums und der (vorchristlichen) Auferstehung, hilf über Deinen Berg hinweg, dass uns vielleicht doch noch das verlorene und verkaufte Selbstbewußtsein, der Kontakt zu den eigenen Wurzeln, wieder nach wächst, wie Dir einst jährlich das stolze Geweih!


 

Bunte Ablenk-Link-Tipps:

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© Georg Rohrecker

Update: 11.06.2008