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Bartholomäus
Der verwegene Sohn der Erd- und Meereswellen - 24. August

Hl. Bartholomäus
Konrad Witz, c. 1435
Heilspiegelaltar, Außenseite

Kunstmuseum Basel
 

Wo der Bartl den Most (Obstwein) holt, ist in Österreich nicht nur in den Bezirken Amstetten, Melk und Scheibbs, dem eigentlichen „Mostviertel”, ein offenes Geheimnis - und die Ankündigung, es sonst jemandem zu zeigen eine Drohung. Das Wissen um den seltsamen Namenspatron, der hinter dem Bartl steckt, um den Hl. Bartholomäus (dt.: Der Verwegene, Sohn des Furchenziehers - Festtag: 24. August) selbst ist dazu bei weitem nicht ähnlich stark verbreitet. So wie er vielfach dargestellt wird, mit der eigenen Haut auf dem Arm oder auch nur mit dem großen Messer, würde man dem Schutzpatron von Frankfurt und Pilsen wohl kaum Most (oder Pilsner) aus- oder einschenken! (Sogar für die Wasser-Betten-Station wäre es bei dem Kerl offensichtlich zu spät!)

Der am Ende hautlose Bartl sah natürlich nicht immer so schrecklich aus, und unser Thema ist ja auch nicht seine äußere Erscheinung, sondern das Darunter und Dahinter! Darum bringen wir erst einiges auf die Reihe, bevor wir ihm noch „unter die Haut” blicken, und dabei das dem angeblichen Apostel in Westeuropa umgehängte keltische Erbe aufdecken. Jedenfalls dürften hinter der Kunstfigur des Bartholomäus und seiner verworrenen Geschichte offensichtlich recht verschiedene Rollen und Ansprüche verborgen sein, mit denen sich seine mythologische Funktion erklären läßt.

Beginnen wir mit den Legenden zu Bartholomäus an der Geburtsstätte des Christentums im Nahen Osten: Dort soll auch er als Bar-Tholmai (angeblich hebr. für „Sohn des Tholmai”, des „Furchenreichen”) geboren worden sein. Nach seiner „Lehrzeit” als einer der legendären Zwölf Apostel, soll er sich später aufgemacht haben, um noch weiter gen Osten bis nach Indien zu missionieren! In Armenien beendete er schließlich sein Leben entweder durch Kreuzigung, durch Enthauptung oder durch Enthäutung – weshalb er von den mittelalterlichen Künstlern des christlichen Abendlandes zur Identifikation seine Haut über den Arm gehängt bekam und makabererweise auch zum Patron der Gerber, Lederarbeiter, Handschuhmacher, Schuster, Schneider und Metzger erkoren wurde. (Dann doch lieber per elektronischem „Fingerprint” im Reisepass identifiziert werden!)

Um 580 sollen dann Bartls Knochen in Armenien gefunden und auf eine umständliche Reise gen Westen – zuerst auf die Vulkaninsel Lipari, vor der Nordküste von Sizilien – geschickt worden sein, um Jahrhunderte später über Benevent schließlich um 838 nach Rom zu gelangen, wo genau auf jener Tiberinsel, auf der 291 v. Chr. die kultisch verehrte Aesculapius-Schlange (Symbol des Heiler-Heros Asklepios/ Äskulap, mythologischer Sohn des Apoll) gelandet sein soll, bis heute das Krankenhaus San Bartolomeo steht. (Bartholomäus sollte offenbar in Rom noch als Häuflein Knochen jenen Job machen, den in Irland der Hl. Patrick besorgte: Stadt und Land von der Ur-Schlange der „heidnischen” Mutterreligion zu „befreien”!) Von Rom ging dann im 13. Jh. noch eine passende Hirnschale auf ihre vorläufig letzte Reise nach Frankfurt am Main ab, wo sie heute zum Domschatz gehört.

Der Wellen-/Furchen-Reiter aus dem fernen Westen
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Das sind wir schon weit weg vom Nahen Osten biblischer Zeit. Und doch führt uns Bartl noch viel weiter in den fernsten Westen – Sie ahnen es!? – bis ans Ende der damals bekannten Welt! Und wen treffen wir da in seiner irokeltischen Ausgabe?


Seite des Lebor na hUidre
 
Tatsächlich! Es gibt einen Bar-Tholan (irokelt. für „Meer-Welle”), auch Partholon, der nach dem „Buch der Eroberung Irlands” (aus Sizilien kommend!) lange vor Patrick die Fomorier unter ihrem legendären Anführer C. Gri Gen-Chos („Ohne Fuß” = Schlange!) besiegt und dann mit seinen Ochsen erstmals Irland pflügt und die ersten Furchen zieht! Das „Buch der Eroberung” war übrigens ein wichtiger Teil des „Buches der dunklen Kuh” (Book of the Dun Cow / Lebor na hUidre), das deshalb so hieß, weil die wertvolle Handschrift aus der Haut(!) der Kuh von St. Cirian gefertigt worden sein soll, die einst im Kloster Clonmacnois aufbewahrt worden war und jedem, der darauf starb den direkten Zugang zum Paradies verschaffte!

Genug der „Indizien”?! Vermutlich kommt der in den Ostalpen etablierte Bartholomäus, unser Schlangen- und Dämonenvertreiber gar nicht aus dem Nahen Osten, sondern schlicht und einfach von den Christianisierungsversuchen irokeltischer Missionare vom anderen Ende der Welt! Jedenfalls sitzt der Bartl, der (von wegen Most) übrigens auch ein Patron der Bauern, Hirten und Winzer(!), der Schweine (Saubartl) und Rinder ist, bei uns überall dort, wo es galt, dominante „heidnische” Kultstätten zu überwinden, deren „Dämonezu bannen bzw. auszutreiben! - Ganz scheint es ihm und seinen Protagonisten allerdings nicht gelungen zu sein, ist doch sein Festtag, der 24. August, der Haupttermin der altenHexenfeste”!


  Kurzsteckbrief: Hl. Bartholomäus ^
Namenvarianten:   Bartel, Bartli, Möbius, Mies, Jeremias, Meus, Bartsch
Festtermin:   24. August
Namensdeutung:   Sohn des Furchenziehers, der Verwegene, Meereswelle
Symbole:   Messer, abgezogene Haut, Feigenbaum, Buch
Mythol. Funktion:   Teufelsaustreiber, Besessenenheiler, Tier- & Weinpatron
Parallelen zu:   Ägydius, Cyriakus, Erasmus, Vitus
Zugeh. Bethe(n):   Borbeth/Barbara, Wilbeth/Katharina
Verehrungsorte:   Frankfurt, Köln, Berchtesgaden (Königsee), Bramberg, Golling, Juden-burg, Landl/Liezen, Mauterndorf, Mureck, Ranten, Saalbach
Alpine Einführg.:   Mitte des 14. Jh.

>Buchtipp:      ^
  Sylvia & Paul F. Bothheroyd
Keltische Mythologie von A bis Z

Heilige zwischen Mythos und Legende,
Wien (Tosa) 2004.
 

© Georg Rohrecker

Update: 03.08.2008