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> Heiligengestalten B
> Bartholomäus
Bartholomäus
Der verwegene Sohn der Erd-
und Meereswellen - 24. August
Wo
der Bartl den Most (Obstwein) holt, ist in Österreich
nicht nur in den Bezirken Amstetten, Melk und Scheibbs, dem eigentlichen
„Mostviertel”, ein offenes Geheimnis - und die Ankündigung,
es sonst jemandem zu zeigen eine Drohung. Das Wissen um den seltsamen
Namenspatron, der hinter dem Bartl steckt, um den Hl. Bartholomäus
(dt.: Der Verwegene, Sohn des Furchenziehers - Festtag: 24. August)
selbst ist dazu bei weitem nicht ähnlich stark verbreitet. So wie
er vielfach dargestellt wird, mit der eigenen Haut
auf dem Arm oder auch nur mit dem großen Messer, würde man
dem Schutzpatron von Frankfurt und Pilsen wohl kaum Most (oder Pilsner)
aus- oder einschenken! (Sogar für die Wasser-Betten-Station wäre
es bei dem Kerl offensichtlich zu spät!)
Der am Ende hautlose Bartl sah natürlich nicht immer so schrecklich
aus, und unser Thema ist ja auch nicht seine äußere Erscheinung,
sondern das Darunter und Dahinter! Darum bringen wir erst einiges auf
die Reihe, bevor wir ihm noch „unter die Haut”
blicken, und dabei das dem angeblichen Apostel in Westeuropa umgehängte
keltische Erbe aufdecken. Jedenfalls dürften hinter
der Kunstfigur des Bartholomäus und seiner verworrenen
Geschichte offensichtlich recht verschiedene Rollen und Ansprüche
verborgen sein, mit denen sich seine mythologische Funktion erklären
läßt.
Beginnen wir mit den Legenden zu Bartholomäus an der Geburtsstätte
des Christentums im Nahen Osten: Dort soll auch er
als Bar-Tholmai (angeblich hebr. für „Sohn
des Tholmai”, des „Furchenreichen”) geboren worden
sein. Nach seiner „Lehrzeit” als einer der legendären
Zwölf Apostel, soll er sich später aufgemacht
haben, um noch weiter gen Osten bis nach Indien zu missionieren! In
Armenien beendete er schließlich sein Leben entweder durch Kreuzigung,
durch Enthauptung oder durch Enthäutung
– weshalb er von den mittelalterlichen Künstlern des christlichen
Abendlandes zur Identifikation seine Haut über den Arm gehängt
bekam und makabererweise auch zum Patron der Gerber, Lederarbeiter,
Handschuhmacher, Schuster, Schneider und Metzger erkoren wurde. (Dann
doch lieber per elektronischem „Fingerprint” im Reisepass
identifiziert werden!)
Um 580 sollen dann Bartls Knochen in Armenien gefunden und auf eine
umständliche Reise gen Westen – zuerst auf die Vulkaninsel
Lipari, vor der Nordküste von Sizilien –
geschickt worden sein, um Jahrhunderte später über Benevent
schließlich um 838 nach Rom zu gelangen, wo genau
auf jener Tiberinsel, auf der 291 v. Chr. die kultisch verehrte Aesculapius-Schlange
(Symbol des Heiler-Heros Asklepios/ Äskulap, mythologischer Sohn
des Apoll) gelandet sein soll, bis heute das Krankenhaus
San Bartolomeo steht. (Bartholomäus sollte offenbar
in Rom noch als Häuflein Knochen jenen Job machen, den in Irland
der Hl. Patrick besorgte: Stadt und Land von der Ur-Schlange
der „heidnischen” Mutterreligion zu „befreien”!)
Von Rom ging dann im 13. Jh. noch eine passende Hirnschale auf ihre
vorläufig letzte Reise nach Frankfurt am Main
ab, wo sie heute zum Domschatz gehört.
| Der
Wellen-/Furchen-Reiter aus dem fernen Westen |
|
Das
sind wir schon weit weg vom Nahen Osten biblischer
Zeit. Und doch führt uns Bartl noch viel weiter in den
fernsten Westen – Sie ahnen es!? – bis ans Ende
der damals bekannten Welt! Und wen treffen wir da in seiner irokeltischen
Ausgabe?

Seite
des Lebor na hUidre |
|
Tatsächlich! Es gibt einen Bar-Tholan (irokelt.
für „Meer-Welle”), auch Partholon,
der nach dem „Buch der Eroberung Irlands” (aus Sizilien
kommend!) lange vor Patrick die Fomorier unter ihrem legendären
Anführer C. Gri Gen-Chos („Ohne Fuß”
= Schlange!) besiegt und dann mit seinen Ochsen
erstmals Irland pflügt und die ersten Furchen
zieht! Das „Buch der Eroberung” war übrigens
ein wichtiger Teil des „Buches der dunklen Kuh”
(Book of the Dun Cow / Lebor na hUidre),
das deshalb so hieß, weil die wertvolle Handschrift aus
der Haut(!) der Kuh von St. Cirian
gefertigt worden sein soll, die einst im Kloster Clonmacnois
aufbewahrt worden war und jedem, der darauf starb den direkten
Zugang zum Paradies verschaffte! |
Genug
der „Indizien”?! Vermutlich kommt der in den Ostalpen
etablierte Bartholomäus, unser Schlangen- und Dämonenvertreiber
gar nicht aus dem Nahen Osten, sondern schlicht und einfach von den
Christianisierungsversuchen irokeltischer Missionare
vom anderen Ende der Welt! Jedenfalls sitzt der Bartl,
der (von wegen Most) übrigens auch ein Patron der Bauern, Hirten
und Winzer(!), der Schweine (Saubartl) und Rinder ist, bei uns überall
dort, wo es galt, dominante „heidnische” Kultstätten
zu überwinden, deren „Dämone”
zu bannen bzw. auszutreiben! - Ganz
scheint es ihm und seinen Protagonisten allerdings nicht gelungen zu
sein, ist doch sein Festtag, der 24. August, der Haupttermin
der alten „Hexenfeste”!
| |
Kurzsteckbrief:
Hl. Bartholomäus |
^ |
| Namenvarianten: |
|
Bartel, Bartli, Möbius,
Mies, Jeremias, Meus, Bartsch |
| Festtermin: |
|
24.
August |
| Namensdeutung: |
|
Sohn des Furchenziehers,
der Verwegene, Meereswelle |
| Symbole: |
|
Messer, abgezogene
Haut, Feigenbaum, Buch |
| Mythol.
Funktion: |
|
Teufelsaustreiber,
Besessenenheiler, Tier- & Weinpatron |
| Parallelen
zu: |
|
Ägydius,
Cyriakus,
Erasmus, Vitus |
| Zugeh.
Bethe(n): |
|
Borbeth/Barbara,
Wilbeth/Katharina |
|
Verehrungsorte: |
|
Frankfurt,
Köln, Berchtesgaden (Königsee), Bramberg, Golling, Juden-burg,
Landl/Liezen, Mauterndorf, Mureck, Ranten, Saalbach |
|
Alpine Einführg.: |
|
Mitte des 14.
Jh. |
| >Buchtipp: |
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|
Sylvia
& Paul F. Bothheroyd
Keltische Mythologie von A bis Z
Heilige zwischen Mythos und Legende,
Wien (Tosa) 2004. |
|
©
Georg Rohrecker
Update:
03.08.2008

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