Statistics

Die Kelten Österreichs Druiden - Wilde Frauen - Andersweltfürsten ErlebnisWandern Tennengau Georg Rohrecker ErlebnisWandern Rund um Salzburg
 
Keltenerbe in den
Heiligengestalten
- Auswahl -

Home > Kelten-Erbe > Heiligengestalten > Heiligengestalten C > Cyriakus

Cyriakus
Nothelfer der Besessenen, Lichtpatron & Exorzist - 8. August

Hl. Cyriacus
heilt die Diokletian Tochter Artemia
Mathis Nithart Gothart (Grünewald), 1509-11

Städel Museum Frankfurt/Main
 

Cyriakus („dem Herrn gehörig”) ist wie Achatius, Christophorus und Vitus ebenfalls ein „Nothelfer der Sterbenden”, der für den mühsamen Job, an Stelle des Dagda, Cernunnos und Lug(h) treten zu müssen auch geköpft worden sein soll. Mit Bartholomäus und Vitus teilt er sich das Einsatzgebiet der Teufels-austreiber und Besessenenheiler. Cyriakus soll um 300, zur Zeit des berühmt berüchtigten Kaisers Diocletian, Diakon (Gehilfe) des römischen Bischofs Marcellinus gewesen sein. Zur selben Zeit hatte ein dummer Teufel von Diocletians Tochter Artemia Besitz ergriffen – dumm deshalb, weil er verriet, dass ihn nur Cyriakus vertreiben könne! Tatsächlich soll darauf der kaiserliche Christenverfolger nach dem frommen Diakon gerufen haben, der die Kaisertochter nicht nur heilte, sondern auch gleich noch zur Christin taufte! Zum Dank dafür schenkte Diocletian dem Cyriak ein Haus samt passendem Bassin für die damals bei den Christen übliche Erwachsenen-Taufe.

Solche Wundertätigkeit spricht sich natürlich schnell herum. Und weil auch der König von Babylon (heute Han al-Mahawil, südlich von Bagdad) gerade eine besessene Tochter hatte, kam Cyriak schon lange vor den Amis zum Vertreiben des Bösen in den Irak, wo er nicht nur die Prinzessin heilte, sondern gleich noch „viel Volks” taufte. Zurück in Rom konnte er allerdings sein neues Haus samt Tauf-Pool nicht recht genießen, weil Diocletian nach Dalmatien in Pension gegangen war und Mitkaiser Maximian nicht davor zurück schreckte, den armen Cyriakus um einen Kopf kürzer machen zu lassen.

Die Köpferei, die auf einen starken Lichtaspekt hinweist, teilt Cyriak u.a. mit den Nothelferkollegen Blasius, Christophorus und Dionysius. Doch die Höhepunkte der Cyriakus-Legende sind selbst voller Anspielungen auf die „Überwindung” vorchristlicher Lichtkulte. Hinter der Kaisertochter Artemia steckt natürlich Artemis, die ursprüngliche skythische Sonnengöttin aus Ephesus, die die Griechen der Antike zur „Schwester” ihres Sonnengottes Apollon machten. Was Cyriaks „Auslandeinsatz” im Irak betrifft, stellen wir fest, dass in Babylon das Haupt-heiligtum des Heros der Muttergöttin Ishtar, Marduk, stand, dessen Name mit „Jung-Stier der göttlichen Sonne” zu übersetzen ist.

Und Cyriaks Festtag, der 8. August – also eine Woche nach dem 1. August oder Lugnasad –, weist deutlich auf seine Rolle in ehemals keltischen Ländern hin: Die mühsame Vertreibung des Lichtheros der Kelten Lug. Zwar soll dieser seltsame Patron und Teufelsaustreiber Cyriakus schon mancherorts im 8. Jahrhundert sein Wesen getrieben haben, etabliert werden konnte er in den Ostalpen allerdings erst im 15. Jahrhundert. Einen Aspekt des späten Nothelfers der Sterbenden und der Besessenen wollen wir zum Schluss nicht unerwähnt lassen: In der Pfalz ist Cyriakus auch Patron des Weinbaus, dem die ersten Trauben geopfert werden! – Das hat aber sicher weniger mit teuflischer Besessenheit als mit dem Geist weiser Inspiration zu tun!


  Kurzsteckbrief: Hl. Cyriakus ^
Namenvarianten:   Kyriakos, Quiricius, Cyriak
Festtermin:   8. August (16. März)
Namensdeutung:   Dem Herrn gehörig
Symbole:   Drache, Teufel, Kaisertochter
Mythol. Funktion:   Nothelfer der Sterbenden, Teufelsaustreiber, Viehpatron, Weinpatron, Wetterheiliger
Paralellen zu:   Lug, Achatius, Bartholomäus, Blasius, Christophorus, Dionysius, Vitus
Zugeh. Bethe(n):   Borbeth/Barbara
Verehrungsorte:   Ancona, Altdorf/Elsass, Bamberg, Haidkirchen im Krappfeld, Hohenthurn, Pfarrwerfen
Alpine Einführg.:   Mitte des 15. Jh. > Nothelfer

> Buchtipp:     ^
Georg Rohrecker, Kelten - Götter - Heilige   Georg Rohrecker
Kelten - Götter - Heilige

Mythologie der Ostalpen
Wien (Pichler) 2007 - Erscheint im September
 

© Georg Rohrecker

Update: 30.12.2007

 

SITEMAP