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Die Heiligen Drei Könige
Weder heilig, noch 3, noch Könige, noch K+M+B! – 6. Jänner

Drei Könige, Epiphanie
Hieronymus Bosch, 1475-80

Philadelphia Museum of Art
 

Die Geschichte, dass da weder Heilige, noch drei, noch Könige vor rund zweitausend Jahren nach Bethlehem kamen, ist ja nicht mehr besonders neu. Im „Evangelium nach Matthäus”, mit dem das so genannte Neue Testament redaktionell beginnt, ist lediglich die Rede davon, dass „Sterndeuter (Magier) aus dem Osten” gekommen seien (Mt 2, 1-12), von denen auch keine Namen genannt werden. Geschenkt! Schließlich ist auch der Name des Verfassers des Matthäus-Evangeliums gar nicht wirklich bekannt! – Aber das beschäftigt uns an dieser Stelle gar nicht, wo wir doch schließlich den Verbindungen zum keltischen Erbe, der für die Christianisierung notwendigen Kompatibilität mit demselben, nachspüren.

Da geht es schon eher um die in die Welt gesetzten Vorstellungen von „heiligen” und „göttlichen” Trinitäten! Und diesbezüglich tat sich im 3. Jahrhundert nach Christi Geburt schon der Theologe Origines aus Alexandria (185 – 254) hervor, der seine hellenistische Philosophie von der Dreiteilung des Menschen (Körper-Geist-Seele) auch auf die legendären Magier des Matthäus-Evangeliums übertrug, bevor ihn ein eigenes Konzil mit Lehrverbot belegte, dem sich Origines allerdings durch Abwanderung entzog. Was den eigenen Körper betrifft, soll sich der Mann übrigens selbst kastriert haben, um nach Art der Kybele-Priester verstümmelt besonders heilig leben zu können!

Die Mutter des späteren Kaisers Konstantin, Helena, war zwar als ehemals britische „Animierdame” aus anderem Holz bzw. Fleisch und wurde auch heilig. Doch dafür fand sie anlässlich einer speziellen Fact-finding-mission für ihren „frommen” Sohn und seine neue „christliche” Hauptstadt Konstantinopel neben dem Holz-Kreuz Christi u.a. auch die Reliquien der drei Magier von Bethlehem.

Als weiterer Experte machte sich Cäsarius von Arles (470 – 542), seit 513 römisch-katholischer Metropolit Galliens, einschlägig „verdient”: Er erklärte die legendären Drei zu Königen, die dann bis ins 9. Jahrhundert endlich mit den heute bekannten Namen Kaspar, Melchior und Balthasar ausgestattet wurden.

Ihre begehrten „Reliquien” sollen – so lautet zumindest die fromme Propaganda seit den Karolingern - schon bald nach Kaiser Konstantins Tod von der oströmischen Metropole Konstantinopel in die weströmische Mailand gebracht worden sein, wo sie schließlich von Kaiser Friedrich Barbarossa geraubt und seinem Kanzler Rainald von Dassel, Erzbischof von Köln, geschenkt wurden, auf dass dieser engagierte Kleriker und Soldat seinen prächtigen Dom am Rhein damit schmücke!

Raub und Etikettenschwindel für einen guten Zweck?
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Dass die Anfangsbuchstaben des weit gereisten Trios „K+M+B” mit denen der, in den Ostalpen seit bald 1000 Jahren allgegenwärtigen, Frauen-Trinität Katharina+Margaretha+Barbara ident sind, ist natürlich kein Zufall. In beiden Fällen ging es um den heute leicht durchschaubaren Versuch, die bis weit ins zweite nachchristliche Jahrtausend tief verehrte, uralte keltische Bethen-Trinität endlich durch katholische Alternativen zu ersetzen.

Das unfruchtbare Bemühen wird trotz versuchter Verschleierung letztendlich gerade in den Namens-Spielen und Initialen-Deutereien sichtbar! Wie die schwarze Barbara, die weiße Katharina und die rote Margaretha mit ihren Vorfahrinnen Borbeth, Wilbeth und Ambeth bis in die Symbolfarben übereinstimmen, so war Kaspar der schwarze Schatzmeister, Melchior der weiße König des Lichts und Balthasar der „christianisierte” rote Belsazar oder Baal(!), der Stierheros der syro-phönikischen Kuhgöttin und Herrin des Himmels Anath, mythologische „Schwester” der fruchtbaren keltischen Ana-beth oder Ambeth!

Die eifrigen Sternsinger können ja nichts dafür – und bei den „kirchenoffiziellen” ist ihre Geldspende sicher trotz aller Umdeutung gut angelegt!: K+M+B oder C+M+B bedeutet weder Kaspar, Melchior und Balthasar, oder gar, dass Christus das Haus segnen möge. Unsere keltischen Ahnen beschworen den Schutz ihrer göttlichen Frauentrinität der Drei Bethen mit drei symbolischen Kreuzen über der Tür – vermutlich so: X X X! Und als das Schrifttabu nicht mehr galt und auch die „Nothelferinnen” Katharina, Margaretha und Barbara eingeführt waren eben: K+M+B, mit dem dritten + über dem zentralen M! (Mehr dazu unter Drei-König-Brauchtum)


  Kurzsteckbrief: Hl. Drei Könige ^
Namenvarianten:   Kaspar (Gaspard, Jasper), Melchior, Balthasar
Festtermin:   6. Jänner
Namensdeutung:   Schatzmeister, Lichtkönig, Fürst des Glanzes
Symbole:   Gold, Weihrauch, Myrrhe (klass. Mithras-Opfer)
Mythol. Funktion:   Lichtbringer, Weise
Parallelen zu:   Apollon, Belenus, Cernunnos, Dagda, Lug, Zarathustra
Zugeh. Bethe(n):   Wilbeth/Katharina, Ambeth/Margaretha, Borbeth/Barbara
Verehrungsorte:   Mailand, Köln, Elmen (T), Lermoos, Nassereith
Alpine Verbreitg.:   Mitte des 14. Jh.

Buchtipps:     ^
Georg Rohrecker, Kelten - Götter - Heilige   Georg Rohrecker
Kelten - Götter - Heilige

Mythologie der Ostalpen
Wien (Pichler) 2007 - Erscheint im September
 
       
  Sigrid Früh
Der Kult der Drei Heiligen Frauen

Märchen, Sagen und Brauch
Bern (edition amalia) 1998
 
       
  Lore Kufner
Getaufte Götter

Heilige zwischen Mythos und Legende
München (Verlag J. Pfeiffer) 1992
 
       
  Erni Kutter
Der Kult der Drei Jungfrauen

Eine Kraftquelle weiblicher Spiritualität neu entdeckt
Norderstedt (Books on Demand) 2003
 
       
  Inge Resch-Rauter
Unser Keltisches Erbe

Flurnamen, Sagen, Märchen und
Brauchtum als Brücken in die Vergangenheit

Wien (Teletool) 1994
 
       
  Hans Christoph Schöll
Die drei Ewigen

Eine Untersuchung über germanischen Bauernglauben
Jena (Diederichs) 1936 (bei S. Früh - s.o. - abgedruckt)
 

© Georg Rohrecker

Update: 06.03.2008

 

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