Home
> Die Kelten >
Häufige Fragen > Eisen
Welche Rolle spielte Eisen
bei den Kelten?
Die
ostalpinen Kelten schufen das beste Eisen der Antike
Der historisch
nachweisbare erste Gebrauch von Eisen fand zwar im
sogenannten Nahen Osten zwischen Kleinasien, dem Irak
und Ägypten statt. Doch wurde dieses Eisen noch nicht gezielt hergestellt,
sondern fiel als Nebenprodukt (z.B. bei der Bronzeherstellung)
an, das noch kaum praktische Bedeutung hatte. Im 13. Jahrhundert vor
Christus begann der allmähliche Übergang von der Bronze- zur
Eisenzeit, die gekennzeichnet war von der Herstellung eiserner Werkstücke
anstelle ehemals bronzener.
So sehr es von Anatolien über Mesopotamien
bis an die Ufer des Nils in Sachen Eisen-Erzeugung und -Verarbeitung
historische „Pionierleistungen” gegeben haben mag: Den technologischen
Höhepunkt erreichte die Eisenverarbeitung um die Mitte des letzten
Jahrtausends in den Ostalpen, wo sich die Metallurgie
– frei von den innovationsfeindlichen Fesseln der Sklavenarbeit
– bereits seit der Bronzezeit weit günstiger entwickeln konnte,
als in vielen anderen Teilen der damals bekannten Welt.
Aus der ostalpinen Sicht schloß zwar wirtschaftlich um
1250 v. Chr. an die Bronzezeit ursprünglich eher eine
Art „Salz-Zeit” an, doch erlaubt die damalige
Weiterentwicklung der - schon bei der Gewinnung und Verarbeitung des
Kupfers - hervorragenden Metallurgie durchaus auch die (vereinfachende)
Gleichsetzung der frühen Eisenzeit mit der frühkeltischen
Hallstattzeit, deren Schwelle ebenfalls um 1250 v. Chr. angegeben
werden kann! (Daran ändert auch das ZDF nichts, das am 8.1.2006
in einer Staffel der Terra-X-Serie behauptete, das Norische Eisen sei
eigentlich ein außerirdisches Geschenk des inferioren Chiemgau-Komet
gewesen, der um 500 v. Chr. über dem Chiemsee explodiert sei!)

Kelt.
Waffen aus Förk, LM
Klagenfurt |
Das
Norische Eisen unserer Ahnen erreichte zuletzt
stahlähnliche Güte und wurde schließlich
zum begehrtesten Werkstoff der Antike, und zum wichtigsten Rüstungsgut
der Militärmaschinerie des Römischen Imperiums - was
in den keltischen Ostalpen sowohl zu einer Verlagerung
vom Handelsgut Salz zum Eisen, als auch zu einer Verlagerung
der kulturellen Dominanz von der Alpennordseite zu den norischen
Eisen-Zentren des Südens führte. |
Diese Zentren der keltischen Eisenproduktion und des Metallhandels zogen
insbesondere keltoromanischen Großhändler aus Aquileia,
der Metropole der seit 190 v. Chr. römischen Provinz Gallia cisalpina
an, die sich u.a. im keltischen Oppidum auf dem heutigen Magdalensberg
niederließen. Über diese römischen Vorposten betrieb
dann nicht zuletzt Julius Cäsar, ab 58 v. Chr.
Prokonsul der Gallia Cisalpina, die Aufrüstung
seiner aus vier staatlichen und zwei - später vier - (illegalen)
privaten Legionen bestehenden Armee mit Waffen aus Norischem Eisen,
um noch im selben Jahr seinen Gallischen (Privat-)
Krieg anzuzetteln, den er im Jahr 52 v. Chr. mit der
Kapitulation der Gallier unter Vercingetorix nach der Schlacht bei Alesia
extrem gewinnbringend abschließen konnte.

Späte
Rache: Das Ende des Gallischen Krieges bei Alesia im Comic - ©
Egmont
Ehapa Verlag
Die - quasi mit den eigenen Waffen geschlagenen - Kelten Galliens verloren
Millionen Menschen. Cäsar gewann aus dem Krieg
ein astronomisches Vermögen. Seine (fremdfinanzierte) Investition
in Norisches Eisen hatte sich für ihn ausgezahlt.
©
Georg Rohrecker
Update:
04.02.2007
