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Eustachius
Eustachius
Der fruchtbare Jäger
& Allrounder – 20. September
Eustachius
mit Hirsch
Barockfigur von Simeon
Fries, 1708,
im Hintergrund Geburt Christi,
Altarblatt von Adam Pürkmann, 1708,
Linker Seitenaltar der Wallfahrtskirche
St. Pankraz, Gem. Nussdorf am Haunsberg (S) |
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Eustachius,
„der Fruchtbare”, trat seinen postmortalen
Job als ostalpiner „Nothelfer in schwierigen Lebenslagen”
erst im 14. nachristlichen Jahrhun-dert an. Das führte wohl auch
dazu, dass die wichtigsten Ressorts der illustren Schar schon verteilt
gewesen waren, und dem Nachzügler daher nur noch
die eher undankbare Rolle des Lückenbüßers oder Ferialpraktikanten
zufiel. Sogar sein Symboltier, der Hirsch mit
dem Kruzifix im Geweih macht den zwangsweisen Allrounder austausch-
und verwechselbar mit einem belgischen Lodenmantelträger. Dabei
soll zu Lebzeiten um den älteren Hirsch-Heiligen noch ein echtes
„Griss” gewesen sein! - So stellt es zumindest
seine Legende dar.
Blenden wir zur Erhellung vom vierzehnten ins erste nachchristliche
Jahrhundert
zurück, gegen dessen Ende das Römische Imperium seine größte
Ausdehnung erreichte. Damals regierte (98 - 117) als
Kaiser der ehemalige römische Statthalter Ober-Germaniens,
Marcus Ulpius Traianus, kurz Trajan. Der - so dichteten
ihm die römisch-katholischen Heiligen-Legenden-Schreiber des Mittelalters
an - habe sich einen Jäger und Heermeister namens
Placidus (der Sanfte, Gefällige) gehalten. Dem
wiederum läuft bei seiner Berufsausübung - an einem Karfreitag
- ein Hirsch über den Weg, der sich mit
beleuchtetem Kruzifix im Geweih als Christen-Gott zu erkennen
gibt.
Der gefällige Placidus fällt tatsächlich
vom Pferd und der Hirsch herrscht ihn an: „Warum
verfolgst du mich? ... Ich bin Christus, der den Himmel und
die Erde erschaffen hat” usw. Und weil damals die Frauen
bei der Verbreitung des Christentums noch eine große Rolle spielen,
erscheint der sprechende Hirsch nächtens prompt auch noch Placidus
Gemahlin. Was den römischen Kaiserjäger dazu
veranlasst, mit Frau, Söhnen und fliegenden Fahnen zum Christentum
überzutreten und sich originellerweise auf den neuen Namen Eustachius,
der Fruchtbare, taufen zu lassen.
| Wie
Eustachius zum „Märtyrer” werden musste |
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Zum
Dank für die Konversion ist es nun für den neuen Eustachius
aus mit dem schönen Leben: Zuerst wütet eine Seuche
unter Gesinde und Vieh. Dann fallen Räuber über
die Familie her. Und auf der Flucht nach Ägypten will der Fährmann
die Frau vergewaltigen und die Kinder werden
von wilden Tieren verschleppt. Von da an konnte der zu Eustachius
konvertierte Placidus natürlich nur noch Heiliger werden!
Weil Placidus davor aber nicht nur Trajans Jäger,
sondern auch sein oberster Feldherr gewesen war, lässt
ihn der Kaiser nach fünfzehnjähriger Suche nach Rom zurück
kommen und den nächsten Feldzug zur Vergrößerung des
Imperiums siegreich schlagen. Trajans Nachfolger Hadrian
(117 - 138) überhäuft ihn zwar mit den üblichen Ehren,
doch Eustachius weigert sich samt Familie, an den „heidnischen”
Siegesfeiern teilzunehmen.
Na so was! Erst unsanft Feinde erschlagen und dann zickig sein! Hadrian
wirft Familie Eustachius den Löwen vor, die in
gewohnter Legenden-Manier und zum Ärger der Zuschauer auf den Schmaus
verzichten und sich vor den angehenden Märtyrern
nur artig verneigen! „Habe die Ehre Herr Eustachius! Küss
die Hand gnä' Frau! Servas die Buam!” (Importierte Wiener
Salon-Löwen offensichtlich!) „Da lässt der Kaiser sie
in einen ehernen Stier stoßen, unter dem Feuer
brennt. Darin geben sie ihren Geist auf.” (Reclams Lexikon der
Heiligen)
| Schlüssel
für die keltischen Ostalpen-Seelen |
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Sie
fragen - völlig zu Recht - was das mit den Kelten
zu tun hat!? Und wir ziehen uns nicht hinter Gottes unerforschlichen
Ratschluss zurück, sondern geben die passende Antwort!
Den Schlüssel kennen Sie ja bzw, die Utensilien,
mit denen für den Ersatzheros Eustachius ab dem 15. Jahrhundert
die nach-heidnischen Herzen der verstockten Ostälpler aufgesperrt
werden sollten: Da ist zuerst der Hirsch, der natürlich
nicht den orientalischen Christus symbolisiert, sondern den vertrauten,
wie Eustachius fruchtbaren, Andersweltheros Cernunnos.
Und da ist das keltische Ritual der Heiligen Hochzeit
des Heros mit der Muttergöttin (vgl. die Sage vom Hochzeitskreuz)
samt Stier-Opfer und Stierschlaf (Tarbfais)
zur Einsetzung des neuen Heros/Häuptlings. (Wie das aussah, erfahren
Sie z.B. in den Sagen zu den Salzburger
Stierwaschern und zur Weißen
Frau!) Keltische Rituale zu Hauf, die - zusammen mit dem
Feuer, als Element der Reinigung und Verwandlung -
nicht zuletzt in den ostalpinen Osterbräuchen
nachklingen.
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Kurzsteckbrief:
Hl. Eustachius |
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Namenvarianten: |
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Eustachio, Stae, Staas |
| Festtermin: |
|
20.
September |
| Namensdeutung: |
|
Der Fruchtbare |
| Symbole: |
|
Hirsch, Stier,
Löwe |
| Mythol.
Funktion: |
|
Nothelfer,
Alleskönner, Jägerpatron |
| Parallelen
zu: |
|
Cernunnos,
Dagda, Herakles, Hubertus |
| Zugeh.
Bethe(n): |
|
Ambeth/Margaretha |
|
Verehrungsorte: |
|
Paris, Madrid
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Alpine Einführg.: |
|
Mitte des 15.
Jh. > Nothelfer |
| >
Buchtipp: |
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|
Georg
Rohrecker
Kelten - Götter - Heilige
Mythologie
der Ostalpen
Wien (Pichler)
2007 |
|
©
Georg Rohrecker
Update:
15.05.2008

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