Statistics

Die Kelten Österreichs Druiden - Wilde Frauen - Andersweltfürsten ErlebnisWandern Tennengau Georg Rohrecker ErlebnisWandern Rund um Salzburg
 
Die Kelten
Basis-Information
 
 

Home > Die Kelten > Feste & Rituale

Keltische Feste und Rituale
Lebenslust und Gemeinschaftserlebnis - sinnlich und sinnhaft!

Für unsere keltischen Vorfahren ergab sich die Gültigkeit oder Rechtmäßigkeit ihrer Handlungen aus dem überprüfbaren Einklang, aus der Übereinstimmung mit der Natur, mit der Gemeinschaft, mit ihren Abläufen und Regeln (= Religion) und mit sich selbst. Rituale und Feste waren (und sind) zumeist gesellschaftliche und somit auch verbindliche Ereignisse. Sie sollen (können) sinnstiftend sein. Sie gelten als wesentliche Orientierungshilfen zum „richtigen” Handeln in der jeweiligen Gesellschaft und Kultur, und schaffen damit erlebbare, sinnlich erfahrbare Identität.

Die wichtigsten Ereignisse dazu, die keltischen Hauptfeste fanden zu ganz be-stimmten Terminen statt und galten neben der sozialen und religiösen Komponente der aufwändigen symbolischen Gliederung des Jahres. Sie strukturierten den Kreislauf eines Jahres und markierten einen übersichtlichen, sinnlich wahrnehmbaren „Jahreskreis”. Mit ihren groß aufgezogenen gemeinsamen Festen teilten unserer keltischen Ahnen ihr Jahr feierlich in vier (nicht acht!) gleich große Teile, die etwas verschoben zwar mit den bekannten vier Jahreszeiten zu identifizieren sind, nicht aber mit den noch heute gültigen „Eckdaten” der „sonnenfixierten” Römer, mit den nicht sinnlich spürbaren Sonnenwenden und den Tag-und-Nacht-Gleichen.

Samhain – Jahreswechsel und höchstes Fest der Kelten  
 ^

Das Jahr der Kelten begann nicht mit der, seit römischer Zeit maßgeblichen, Wintersonnenwende, sondern bereits in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November. Die Inselkelten des fernen Westens nannten dieses große Fest Sam-(h)ain, zu Deutsch etwa „Sommer-Ende”. Es handelte sich um eine Art „Schwellen-Fest”, dem niemand fern bleiben durfte – Schwänzenden drohte die Strafe des Wahnsinns. Während seiner Dauer stand nach keltischem Glauben einerseits die Zeit still, andererseits die Tür zur „Anderswelt”, zur Welt der vorübergehend abgeschiedenen Toten, offen. So konnten die Ahnen nächtliche Besuche bei den lebenden Verwandten machen und ihnen damit Glück bringen.

Samhain war kein Fest der Trauer, wie seine katho-lische Antithese bzw. Adaptierung Allerheiligen-Aller-seelen, sondern ein Fest der Freude und des Über-flusses. Samhain war ein üppiges und ausgelassenes, ein in gewisser Weise orgiastisches aber auch heiliges Fest, bei dem Körper, Geist und Seele zugleich auf ihre Kosten kamen. (Was spätere Neu-Heiden zu fantas-tischen, erotisch gruseligen Spekulationen anregte!) Tatsächlich stand um diese Jahreszeit weniger die Erotik im Vordergrund als die Ernährung. Im Rahmen einer Art von kollektivem Schlachtfest fand dazu ein gemein-schaftliches Festmahl statt, bei dem hauptsächlich und haufenweise Schwein verzehrt wurde.
 
Samhain-Hexen-Fantasie
geocities.com

Der (auch ostalpinen Gesundheits-Ministerinnen) vertraute Schweinsbraten mit Kruste diente allerdings nicht alleine der profanen, wenn auch sehr wohlschmeckenden, körperlichen Sättigung. Vom rituellen Verzehr des Schweines erwarteten sich die Kelten insbesondere auch, dass es ihnen Unsterblichkeit verleihe. Die Geschichte dahinter ist natürlich gar nicht profan. Sie hängt mit der Vorstellung vom Heros der ewigen Muttergöttin zusammen, der in seiner Sommergestalt als Esus von einem Wildschwein (also eigentlich von einem Eber) symbolisiert wird.


Kelt. Bronzefigur, Eber vom Rainberg in Salzburg, 1. Jh. v.Chr., SalzburgMuseum

Zu Samhain wird der Sommerheros Esus in Form einer riesengroßen Puppe aus Holz und Stroh symbolisch geopfert (verbrannt - von den Römern als Menschen-Opfer denunziert), bzw. im Mythos von seiner Mutter in seine gehörnte Winter-Gestalt Cernunnos (Symboltier Hirsch) verwandelt, um als solcher über die Anderswelt und alle Seelen und Lebewesen, die dort versammelt sind, zu herrschen, bis er zu Frühlingsbeginn per Heiliger Hochzeit zurückverwandelt bzw. wieder-geboren wird – die bei uns schon viele hunderte Jahre vor Christus heimische „heidnische” Variante des Auferstehungs-Mythos!

Geopfert wurde neben den vielen Schweinen zu Samhain auch ein (weißes) Pferd, als besonderes Symbol für Licht, Weisheit und Orakelkunst, die ebenfalls zu Samhain wichtige Themen waren. Das Fleisch des Pferdes, das sonst tabu war, wurde von der Festgemeinschaft rituell verzehrt. Nur der (ungenießbare aber symbolträchtige) Pferdekopf wurde aufbewahrt. Er war wesentlicher Teil eines Rituals, das - wie wir weiter unten noch erfahren - ein halbes Jahr später zu Beltene, dem großen Fruchtbarkeitsfest, stattfinden sollte.

Samhain selbst war ein besonderer Glückstermin (und deshalb auch eine beliebte Gelegenheit für Eheschließungen) der manchmal – und die Zeit stand ja ohnehin still – sogar zwei ganze Wochen dauern konnte, womit auch gleich eine passable Lösung gefunden war, die unterschiedliche Länge von Mond- und Sonnenjahr mit einer besonderen Art von „Schalt-Tagen” auszugleichen. Den gesellschaftlichen Höhepunkt zu Samhain bildete, wie noch heute zum Jah-reswechsel üblich, der Rückblick auf das vergangene und die Vorschau auf das kommende Jahr. Dem diente der „magische” und „prophetischeVortrag des höchsten Fili, mit dem dieser die Zuhörergemeinde buchstäblich fesselte und in seinen Bann zog.

Wer in diesem Zusammenhang die Metapher „Kette” in den überkommenen iro-keltischen Sagen zu einem solchen Fest und die Symbolik der (weissen) Pferde als Mitwisser der Göttinnen versteht, der hat bereits auch den Schlüssel zumBayerischen Herrgott”, dem katholischen Ross-Heiligen Leonhard in der Hand, der seinen Festtag am 6. November (fünf Tage nach dem Höhepunkt der Samhain-Feiern) eingerichtet bekam, und dessen Kette überhaupt nichts mit befreiten Gefangenen oder angebundenen Tieren zu tun hat, sondern mit jener „Fessel-Kunst”, auf die sich schon Ogmios, der keltische Heros der Be-redsamkeit, und seine Jünger unter den Fili und Vates derart verstanden, dass die darin weniger geübten antiken Geschichtsschreiber und Helden des Griffels wütend dagegen polemisierten. (Siehe auch > Sprache)

Imbolc – Frühlingsbeginn, Licht- und Reinigungs-Fest 
 ^

Schon drei Monate nach diesem „Hauptevent” feierten unsere keltischen Ahnen zwischen 31. Jänner und 1. Februar den Frühlingsbeginn, die Wiederkehr des Lichts und der Vegetation, in Irland auch Imbolc (Lämmersäugen) genannt, weil da die jungen Schäfchen geboren werden. Der Termin ist trotz noch mangelnder Wärme nicht ohne. Er entsprach einerseits genau der Mitte des „dunklen” Halbjahres der Kelten. Andererseits ist gerade zu dieser Zeit die angesprochene, sehnlich erwartete Wiederkehr des Lichtes nicht mehr zu übersehen, die die römisch-katholische Kirche als „Maria Lichtmess” bezeichnenderweise erst am 2. Februar feiert.

Dies geschah deshalb, weil der 1. Februar im Grun-de noch immer keltisch besetzt ist! Von wegen Hl. Brigid, angebliche Äbtissin des irischen Klosters Kildare: Brigid, die Starke, die Hohe, die Erhabene - mythologische Schwester der Brigantia - hat ihren, mit Feile Bride schwach kaschierten, angestammten Platz am 1. Februar behauptet. Sie ist eine Variante der Dreifachen Muttergöttin, die „getauft” wurde, um Patronin Irlands bleiben zu können.

Bild rechts: Abtei von Kildare

 

Vor der Erfindung der Glühbirne zur Mitte des 19. Jahrhunderts kam das (Tages-) Licht von der Sonne, und des Nachts von den übrigen Gestirnen. Das Licht im Inneren der menschlichen Behausungen kam ausschließlich vom Feuer, und das keltische Lichtfest Imbolc war auch ein Fest des Feuers, des gehüteten Elements des Lichtes und der Verwandlung - mit der die gedankliche (und stoffliche) Verbindung zur Reinigung hergestellt wurde! Imbolc war nicht zuletzt ein Fest der rituellen Reinigung, die auch im lateinischen Monatsnamen Februar (februarius, dt. zur Reinigung gehörig) enthalten ist.

Zu Imbolc hatte die Muttergöttin endlich auch alle Jahre wieder ihren Heros und Sohngeliebten in der keltischen Anderswelt aufgespürt, den sie seit der „Nacht der Mütter” (der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember!) gesucht hatte, und ihn mittels Coitus von seiner Winter-Gestalt Cernunnos wieder in seine Sommer-Gestalt Esus zurück verwandelt. - Eine fruchtbare „Heilige Hochzeit”, die an diesem Termin vom Kultpersonal an besonderen Plätzen (z.B. am Fuße des Falkensteins in der Fürbergbucht bei St. Gilgen) als Höhepunkt des keltischen Frühlingsfestes mehr oder weniger drastisch nachgestellt wurde.

Imbolc übte mit dieser angedeuteten Symbolik natürlich eine besondere Faszi-nation aus. Und es verwundert nicht weiter, dass sich selbst die keusche Jungfrau Maria des sonst doch recht durchsetzungswilligen römisch-katholischen Christentums mit Maria Lichtmess (urspr. Mariae Reinigung) nicht auf diesen „belasteten” Termin setzen ließ. Vom attraktiven ausgelassenen Tun berichten jedenfalls einschlägig „unkeusche” irokeltische Mythen, und schließlich vielfältige Beispiele aus der Sagenwelt der Ostalpen, auf die wir an anderer Stelle ein-gehen. (Das Hochzeitskreuz, Das Geschenk der Saligen u.ä.) Die „christlichen” Versuche, die uralten Imbolc-Bräuche unserer keltischen Ahnen in den Griff zu bekommen, spiegeln sicht nicht nur in Lichtmess (2.2.) wieder, sondern auch noch im Festtagsbrauchtum zu Blasius (3.2.), Agatha (5.2.), Dorothea (6.2.), Apollonia (9.2.), Valentin (14.2.) und Matthias (24.2.).

Beltene – Fest des Lebens und der Fruchtbarkeit  
 ^


Belenus-Wein
La Pergola
 
Die dunkle Hälfte des keltischen Jahres endete in der Nacht zum 1. Mai mit Beltene, dem offiziellen Sommerbeginn. - Eine wunderbare Gelegenheit ausgelassen zu feiern! Wie Samhain war auch Beltene ein fröhliches Fest „außerhalb der Zeit” und wieder war des Nachts (heute als Walpurgis-Nacht bekannt) die Tür zur Anderswelt offen. Das Fest stand unter dem namentlichen Schutz des keltischen Belenus (der Helle, Glänzende), der u.a. als omnipotenter Fruchtbarkeits-Heros galt, und gerade in den Ostalpen besondere Verehrung genoss - bevor die röm.-katholische Kirche ihn endlich durch den ähnlich begabten Heros Georg ersetzen konnte. Doch auch Belenus blieb erhalten: Bis heute heißt z.B. der südliche Vorort von Aquileia, der ehemaligen mythologischen „Partnerstadt” von Juvavum /Salzburg, nach ihm „Beligna”, wo zur Freude der Sinne ein guter Wein angebaut und ausgeschenkt wird.

Beltene war ebenfalls ein Fest des Feuers und der Reinigung, dessen Wurzeln weit in die Vergangenheit hinein reichen dürften. So wurden z.B. die rituellen Feuer mit steinzeitlichen Mitteln entfacht, indem die Druiden zwei Hölzer solange aneinander rieben, bis endlich die nötige Glut entstand. In diesen Feuern wurde auch der Kopf jenes Pferdes verbrannt, das ein halbes Jahr vorher zu Samhain geopfert worden war. Nun war die Zeit, von jeder vorhandenen Nutzviehart das „Erstgeborene” dieses Jahres zu opfern und zu verspeisen. Die Herden selbst wurden zur „Reinigung” bzw. zur Bewahrung vor Krankheiten und Seuchen zwischen den Feuern durchgetrieben.


Keltisches Feuer-Ritual zu Beltene, Bild: Michael A. Hampshire, © Time-Life

Zum alpinen Ritual gehörte es auch, auf bestimmten Bergen Feuerräder zu entzünden und sie brennend zu Tal rollen zu lassen. Ein Brauch der heute u.a. noch in ostalpinen Teilen Norditaliens, der ehemaligen Gallia cisalpina, gepflegt wird. - Übrigens scheinen gerade Aquileia, die ehemalige römische Großstadt im heutigen Friaul, von der die Besetzung der Ostalpen ihren Ausgang nahm, und Juvavum, die erste Römerstadt nördlich des Alpenhauptkamms, zwei besonders herausragende Zentren der Belenus-Verehrung gewesen zu sein!

Beltene, die Zeit in der auf einmal alles sprunghaft „ins Kraut schießt”, war ins-besondere das zentrale Fruchtbarkeits-Fest der Kelten. Und das bezog sich nicht nur auf Pflanzen und Tiere, sondern besonders auf die Menschen. Auch das drückt sich zum Teil bis heute im ostalpinen Brauchtum aus, wenn noch mancherorts junge Leute in enger Umarmung paarweise über Wiesenhänge rollen – was dem Boden und den Menschen Fruchtbarkeit verspricht. Dieser Aspekt des keltischen Hochfestes ließ sich nicht recht „katholisieren”, doch in manchen Maibräuchen unserer Tage ist, abgesehen vom phallischen Maibaum, der mit Mutter Erde vermählt wird, trotzdem oft nur noch sehr wenig vom ursprünglichen Sinn spürbar.

Das Beltene-Fest war aber nicht nur die Zeit für die Treffen im kleinsten Kreis – also paarweise und eng umschlungen – sondern schließlich auch der Termin für eine große Volksversammlung, die im Laufe der „Germanisiererei” zum „Taiding nach Georgi”, dem wegen der Kalenderreform schon am 23./24. April gefeierten Belenus-Nachfolger, umgewandelt wurde. Auch hierbei handelte es sich selbstverständlich um einen gesellschaftlichen „Pflichttermin”. Doch mussten die Durchschnittskelten alleine schon wegen des Rahmenprogrammes sicher nicht besonders um ihre Teilnahme gebeten werden.

Lugnasad – Erntevorbereitung und Herbstbeginn
 ^

Das vierte große Fest im keltischen Jahreskreis war schließlich Lug(h)nasa(d), das Fest zum Herbstbeginn am 1. August. Es war das Fest vor(!) der Ernte, das der äußeren und inneren Vorbereitung auf die selbe dienen sollte und ebenfalls Ursprünge hat, die weit hinter die Kelten zurückreichen. Lugnasad könnte die Bedeutung „Hochzeit des Lug” haben. Lug(h), der „Meister aller Künste” der irokeltischen Sage, der ursprünglich ein Sonnen- und Blitzheros und ein Erd-Befruchter war, hatte nach diesen Sagen eine „Ziehmutter” namens Tailtiu, die nichts anderes ist als die Nachfolgerin einer steinzeitlichen Erd- und Muttergöttin. „Oenach Tailteann”, das große Fest zu ihren Ehren, begann in Irland bereits zwei Wochen vor und endete erst zwei Wochen nach Lugnasad – also genau am 15. August, jenem Tag, an dem heute die katholische Kirche die „Himmelfahrt” der „Gottesmutter” Maria, deren „Hochfest”, feiert.

 

Lug(h)nasa(d) war ein erdverbundenes und ein ausgelassenes Fest, ein Volksfest mit Jahr-markt, Wettkämpfen, Pferderennen, künstleri-schen und politischen Vorträgen und religiösen Ritualen, wovon sich in Irland, trotz zeitweiligem Verbot durch die röm.-katholische Kirche z.B. rituelle Feuertänze oder Bergprozessionen zu Ehren der „heidnischen” Schöpfergöttin, der Erd- und Berg-mutter Tailtiu, bis heute nicht nur erhalten haben, sondern munter in die Tourismus-Industrie ein-bezogen wurden.

Abb. links:
Poster des Borelians Community Theatre (CN) Season 2004/05

Zu Lugnasad ging es zu guter Letzt auch um die Kraft des jeweiligen Königs”, die um diese Zeit vor der Ernte am größten gewesen sein soll. Hatte er doch als „weltlichesPendant des göttlichen Lug(h), des Heros der Erd- und Mutter-göttin, den stärksten Kontakt zu dieser - und wurde schließlich auch dafür ver-antwortlich gemacht, dass die einzubringende Ernte entsprechend reich ausfiel. - Die rituellen Kraftspiele haben sich in den Ostalpen bis heute erhalten, doch wissen die Beteiligten (z.B. beim Hundstoa-Ranggeln im Pinzgau) leider nichts mehr von den keltischen Wurzeln ihrer „Events”!


> Buchtipps:     ^
  Sylvia & Paul F. Botheroyd
Keltische Mythologie von A-Z

Wien (Tosa) 2004
 
       
  Bernhard Maier
Lexikon der keltischen Religion und Kultur

Stuttgart (Kröner) 1994
 

© Georg Rohrecker

Update: 12.04.2009

 

SITEMAP