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Worte mit keltischem Hintergrund
Fiaker
Per Miet-Droschke oder
Pferde-Taxi zu den Kelten
Nicht
nur Wien selbst besitzt
einen keltischen Namen, sondern auf gallischem Umweg sogar der echte
Weana Fiaker. - Der Umweg führt allerdings über
Frankreichs Hauptstadt, die uns sprachlich auch die PS-stärkeren
Nachfolger der Mietkutscher, die Taxis
bescherte, und geht so: Bereits im 17. Jahrhundert konnte man in Paris
um die Kirche St. Fiacre - oder war's in der Rue-Saint-Fiacre
oder beim Hotel St.-Fiacre in der Rue St.-Martin? - Pferdekutschen mieten,
die ihren Sammelnamen vom Namenspatron des Standplatzes erhielten, der
sich später als In-Jargon über andere europäische Metropolen
verbreitete. In Berlin wurden zwar nach Warschauer
Vorbild die obligaten Droschen-Kutscher draus. Doch
München und Wien importierte
schon damals gerne die letzten Schreie der Pariser Mode. Und die Weana
schwören bis heute auf ihre Fiaker.

Fiaker
hinter dem Wiener Stephansdom
Wo
aber bleiben da bitte die Kelten? Nun: Hinter dem ehemaligen
St. Fiacre oder Fiachra steckt ein legendärer Heiliger Fiakrius,
der zwar nicht gerade den Beruf des Fiakers ausübte, aber immerhin
ein waschechter irokeltischer Einsiedler des 7. Jahrhunderts
gewesen sein soll, der ab dem 12. Jahrhundert u.a. zum Patron
für die Gärtner und gegen Hautkrankheiten geriet.
Wem das nun zu wenig Bezug zu Wiener Kutschbock-Sitzern wäre, dem
sei immerhin verraten, dass Fiakrius auch bei Hämorrhoiden
helfen soll bzw. überhaupt als Patron der Koloproktologen,
der FachärztInnen für Dickdarm- und Analkrankheiten, gilt!
Klar?!
Wer früher in dieser oder einer sonstigen Angelegenheit zum Spezialisten
Fiakrius wallfahren wollte, der begab sich dazu jedenfalls
- je nach Kontinenz (Vermögen) per Pedes oder Pferdefuhrwerk -
zum gallischen Mittelpunkt seines Kultes nach Saint-Fiacre-en-Brie
im französischen Departement Seine et Marne. (Fiakrius Wirbelsäule
zählt tatsächlich heute noch zu den Schätzen der benachbarten
Kathedrale von Meaux, knapp 20 km östlich von
Paris.) Wer nun allerdings bei Brie - nicht zu Unrecht
- an Käse denkt, dem sei als Alternative zum Fiaker- und Koloproktologen-Heiligen
schließlich das Brie-Käse-Museum oder der
gute Brie de Meaux selbst empfohlen, der allerdings
je Laib 2,5 bis 3,2 kg auf die Waage bringt! - Angesichts der Durchschnitts-Kofferräume
in den heutigen Familien-Kutschen inspiriert damit naseliegenderweise
sogar der Käse zu nostalgischer Open-Air-Droschken-Fahrten-Fantasie!
Die Anregung zu diesem Beitrag kam bei der Lektüre von Maiers Namen
und Wörter keltischen Ursprungs. Spannender ist Simenons Roman
Maigret und die Affäre Saint-Fiacre. (Siehe Buchtipps unten!)
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Buchtipps: |
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Bernhard
Maier
Kleines Lexikon der Namen
und Wörter keltischen Ursprungs
München (Beck) 2003 |
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Georges
Simenon
Maigret und die Affäre Saint-Fiacre
Augsburg (Weltbild) 2003 |
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©
Georg Rohrecker
Update:
05.10.2008
