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Gertrud
Gertrud
Hausmeistertochter
und „Germanische
Isis”
- 17. März
Gertrud
mit der Maus, treibt Spinnerinnen aus! Eine Bauernregel der
besonderen Art. Oberflächlich war es am 17. bzw. Mitte März
an der Zeit, die winterliche Spinnarbeit im Bauernhaus bei Seite zu
legen, und draußen auf den Feldern mit der Arbeit zu beginnen.
Dass dahinter mehr stecken muss, zeigt schon Gertruds unten stehendes
Bild aus dem ehemaligen Kultplatz, Bethenort und Heilbad Dreikirchen
hoch über dem Eisacktal in Südtirol – zumindest dann,
wenn die „heidnische” Symbolik
entschlüsselt wird! Die schwarzen Mäuse stehen
auf dem Bild für verstorbene Seelen, und Spinnroggen
(Stab in der Rechten) und Spindel (Spule in der Linken)
sind Symbole göttlicher (magischer) Macht, die die dargestellte
Frau als eine Art „Schicksalsgöttin”
ausweisen, wie sie gerade den Lebensfaden webt für
das neue (irdische) Leben der verstorbenen Seelen! (Die Maus wird sich
hüten, den für sie bestimmten Faden abzubeißen!)
Gertrud als weis(s)e Wilbeth/Katharina
ist die eine - ziemlich anmaßende - Seite. Die zweite ist ihre
(in unserem Bild nicht sichtbare, aber in der „Bauernregel”
indirekt enthaltene) Orientierung auf die Felder, für deren Fruchtbarkeit
sie angerufen wird. Wenn wir uns vor Augen führen, dass Gertrud,
die Patronin der Feld- und Gartenfrüchte, zu den
wenigen dominanten Heiligengestalten zählt, die sich auf eine konkrete
historische Person beziehen, die tatsächlich gelebt hat, sind ihre
„göttlichen Befugnisse” doch einigermaßen erstaunlich-
und doch wieder nicht! Zwar war ihr Vater Pippin (der
Ältere) theoretisch nur „Hausmeier” des fränkischen
Teilreiches Austrien, doch praktisch waren die „Pippiniden”
gewiefte (skrupellose) politische Taktierer, die sich zuletzt auch die
fränkische Königswürde unter den Nagel rissen. (Bevor
sich Enkerl Karl zu Weihnachten des Jahres 800 von
„seinem” Papst in Cäsaren-Maskerade zum Römischen
Kaiser krönen ließ!)
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Männer
vom Schlage Pippins und seiner Sippschaft verstanden es insbesondere,
sich mit der römisch-katholischen Kirche
bzw. deren ebenfalls macht-bewusstem Klerus zu
arrangieren und sich neben den materiellen Waffen auch der ideologischen
zu bedie-nen - was natürlich (nach der Devise „Eine
Hand wäscht die andere”) entsprechende Gegenleistungen
erforderte. Pippins Frau vermachte in diesem Sinn (auf Anraten
von Bischof Amandus)
ihr prächtiges Gut in Nivelles und sich
selbst der Kirche (das Anwesen wurde zum Kloster umfunktioniert
- nach alter irischer Tradition mit Frauen und Männern zusammen!
- und sie Äbtissin). Pippins eifrige Tochter Gertrud
trat bald in Mammis Fußstapfen, wurde zuerst Nonne, dann
Äbtissin und nach dem (durch fromme Askese) reich-lich frühen
Tod „Sippen-Heilige” der Pippiniden
(und später ihrer Nachfahren, der Karolinger) - und prak-tischerweise
Projektionsfläche für die tollsten „Be-gründungen”
der besonderen „Gottgefälligkeit und Heiligkeit”
des Clans, der auf diese Weise den Macht-anspruch seiner Bosse
auch von „himmlischer Seite” her „legitimierte”.
Abb.
li.: St. Gertraud, Dreikirchen, Barbian im Eisacktal |
Da ja Adel auch diesbezüglich besonders verpflichtet (letztes Beispiel:
Karl – nicht der heilige Große, sondern der selige Habsburger),
wuchs Gertrud nach entsprechender Propaganda über Muttern weit
hinaus und wurde schließlich als „Germanische Isis”
verkauft. Selbst der Festtag
17. März ist natürlich
Programm: er war zuvor der altrömischen Göttin der Fruchtbarkeit,
Liber(i)a, gewidmet gewesen, die mit Ceres
(röm. Schutzgöttin der Toten und des Ackerbaus) und Liber
(röm. Fruchtbarkeits- und Vegetationsheros) eine Trinität
gebildet hatte! - Sich im keltisch und keltoromanisch geprägten
Europa auf Isis und Liberia zu berufen, war kein schlechter Schachzug
und der spirituellen Verbreitung der Heiligen Gertrud stand im Reiche
von Karl dem Großen (Mörder und Kriegsverbrecher) nichts
mehr im Wege! Karls Gewährsmann für Baiern und für die
Ostfront, Abt Arn(o) von St. Amand nahm Gertrud nach
Salzburg mit, wo er auf Karls Geheiß Erz-Bischof
und Metropolit Baierns wurde - und sie dem Iren Patrick
(auch 17. März) seinen Kultplatz in den Katakomben von St.Peter
streitig machte - an einer Stelle, die vorher wahrscheinlich Barbara
gehörte.
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Kurzsteckbrief:
Hl. Gertrud |
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| Namenvarianten:
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Gertraud, Trude, Traude, Cutubilla,
Kakukakilla |
| Festtermin: |
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17.
März und 6. Jänner |
| Namensdeutung: |
|
Beschwörerin |
| Symbole: |
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Spindel, Korngarbe,
Mäuse, Kröten (Gebärmuttersymbol) |
| Mythol.
Funktion: |
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Seelenführerin,
Seherin, Patronin der Feldfrüchte |
| Parallelen
zu: |
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Ceres, Demeter,
Flora, Isis, Liberia, Notburga,
Wiltrud |
| Zugeh.
Bethe(n): |
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Wilbeth/Katharina,
Ambeth/Margaretha |
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Verehrungsorte: |
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Nivelles (B),
Bochum (D), Dreikirchen (I), Salzburg St.Peter |
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Alpine Einführg.: |
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Mitte des 14.
Jh. (in Salzburg vermutlich zu Beginn des 9. Jh.) |
| Buchtipp: |
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Erni
Kutter
Der Kult der Drei Jungfrauen
Eine Kraftquelle weiblicher Spiritualität
neu entdeckt
Norderstedt (Books on Demand) 2003 |
|
©
Georg Rohrecker
Update:
27.04.2008

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