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Hl. Hippolytus
Vom Lichtheros zum Pferdeknecht der Karolinger – 13. August

Hl. Hippolytus
Martyrium mit Pferden

Dieric Bouts d. Ältere, c.1470

Groeninge Museum Brügge
 

Hippolytus ist ganz ungeniert die lediglich mit latinisierter Endung getaufte Version des heidnischen Hippolytos. Doch beginnen wir auch in diesem Fall beim römisch-katholischen Heiligen, der z.B. das Internet-Portal des zeitweise äußerst bekannten kath. Alt-Bischofs von St. Pölten, Kurt Krenn, adelt. Wobei - wie bei vielen derartigen Glaubenszeugen - mehrere Identitäten im Glaubens-Umlauf sind.

Eine Version besagt, Hippolytus sei Mitte des 3. Jahrhunderts römischer Kerker-Meister und Vollstrecker der Martern des Laurentius gewesen, dessen Glaubens-stärke ihm so imponiert haben soll, dass er umgehend selbst zum Christen - und zum Märtyrer - geworden sei. Nach anderer Lesart sei Hippolyt in der ersten Hälfte des 3. Jh.
in RomGegenpapst, streitbarer und spitzfindiger Theoretiker des Christentums gewesen. De facto scheint in dieser Zeit - in der es noch keine Päpste gab - ein eifriger Kleriker gewirkt zu haben, der sich mit den offiziellen Bischöfen der Frühchristen in Rom überwarf und sich seine eigene Sekte gründete, deren Bischof er dann war. Unter Kaiser Maximinus Thrax (235-38) wurden dann angeblich Bischof und Gegenbischof nach Sardinien zur Zwangsarbeit im Steinbruch verbannt, die sie binnen Jahresfrist zu Tode brachte.

Die Version mit Hippolyt von Rom, der ein Grieche aus Kleinasien gewesen sein soll, ist weniger eine ruhmvolle Heiligengeschichte, als ein kleiner Ausschnitt vom Sittenbild der Nomenklatura des organisierten Frühchristentums, dessen Klerus sich in der Spätantike in Macht- und Fraktions-Kämpfen um den
wahren Glauben - den natürlich jeder Kontrahent für sich gepachtet hatte! - bis hin zum sprichwörtlichen Bart des Kaisers (konkret z.B. Ks. Julian Apostata) derart duellierte, zerstritt bzw. zerfleischte, dass mancher Kaiser (von wegen Christen-Verfolgung) gegen die Streithähne und Haupträdelsführer einschritt.

Da entspricht die Figur des unhistorischen Kerkermeisters Hippolytus des ebenso legendären Märtyrers Laurentius dem obligaten Helden- und Vorbildmuster des antiken Christentums schon eher: Standhaft sterben für den Sieg des Christentums und für die Vermehrung der Heiligen - und ihrer Reliquien. Dieser Hippolytus konvertierte (nach getaner Arbeit an Laurentius) samt unterstelltem Haushalt selbst zum Christentum. Neben seiner Amme Concordia (Eintracht), soll das weiteren 19 Menschen den Kopf gekostet haben. Haushaltsvorstand Hippolytus wurde nicht geköpft, sondern fantasievoll an wilde Pferde gebunden und zu Tode geschleift.

Hippolytus das Plagiat
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Das Auffälligste an der doch nicht so fantasievollen Heiligen- und Märtyrer-Geschichte von Polt: Die beschriebene Todesversion ist ein recht unverschämtes Plagiat aus dem Mythos des Licht- und Auferstehungs-Heros Hippolytos, eines in die griechische Sagenwelt aufgenommenen Heros und Sohngeliebten einer kleinasiatischen Muttergöttin Hippolyte, die in der Antike zur Amazonen-Königin und ersten Gemahlin des Theseus verharmlost wurde, dem die von Theseus besiegte den Hippolytos geboren hätte.

Nach Hippolytes Tod (Überwindung) durch den patriarchalen Theseus-Kult muss auch ihr Heros Hippolytos
dran glauben! Theseus neue Gemahlin, Phaidra, Schwester der von Theseus schnöde verlassenen kretischen Königstochter Ariadne, will den hübschen Hippolytos selbst zum (Stief-) Sohn-Geliebten! Doch der Kerl, ein Muster an Keuschheit, beißt einfach nicht an. Phaidra bezichtigt ihren Stiefsohn darauf aus Rache vor Theseus, er hätte ihr nachgestellt. Theseus läßt darauf seinen Stiefsohn fassen und kurzerhand zu Tode schleifen.

In der älteren Version versucht Hippolytos, der alte Pferdedompteur, mit dem Sonnen-Wagengespann des Apollon durch die Luft zu entfliehen. Da taucht ein Stier des Poseidon aus den Fluten des Meeres auf. Die Sonnen-Pferde scheuen. Hippolytos stürzt vom Pferd, und die Tiere schleifen ihn zu Tode. Doch zuletzt erscheint der angebliche Apollon-Sohn Asklepios, Heiler-Heros und Sohngeliebter der Weisheitsgöttin Athene. Hipploytus wird von Asklepios neu belebt und feiert schließlich - wie es sich für einen Licht- und Vegetations-Heros gehört - (irdische) Wieder-Auferstehung.

Auf das komplizierte Geflecht der von vielen Kulturen beeinflussten griechischen Mythologie und deren Symbolik wollen wir jetz nicht im Detail eingehen. So viel steht für uns jedenfall bei näherer Betrachtung unseres Polt fest: In den Ostalpen ging Hippolytus bzw. Hippolytos als Nachfolger eines keltischen Licht- und Vegetations-Heros mit jährlichem Auferstehungs-Zyklus an manchen Orten sicher deshalb durch, weil die Import-Gestalt einerseits mythologisch kompatibel war, und andererseits die heimische (kelto-romanisch geprägte) Oberschicht (nach einem halben Jahrtausend Römerherrschaft)
klassisch gebildet genug, die mytho-logischen Parallelen an geeigneter Stelle zu übernehmen oder gar dem Zeitgeist einschlägige Zugeständnisse zu machen.


  Kurzsteckbrief: Hl. Hippolytus ^
Namenvarianten:   Hippolyt, Apollis, Polt, Pilt, Hippolythe, Ippolito
Festtermin:   13. August
Namensdeutung:   Der Pferdedompteur
Symbole:   Pferde, Lorbeer, Knüppel
Mythol. Funktion:   Lichtheros, Pferdepatron
Parallelen zu:   Apollon, Hippolytos, Belenus, Lug, Laurentius, Stephanus
Zugeh. Bethe(n):   Wilbeth/Katharina
Verehrungsorte:   St.-Hippolyte (Alsace), St. Pölten, Eferding, Zell am See
Alpine Einführg.:   Ende des 12. Jh.

>Buchtipp:     ^
  Erhard Gorys
Lexikon der Heiligen

München (dtv) 2004
 

© Georg Rohrecker

Update: 03.08.2008