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(Vorarlberg - Bregenzerwald)
Die Venediger im Hittisberg
Historische Frauensolidarität
im Ländle
Physikalisch
oder geologisch ist der Hittisberg bei Hittisau kein
besonders großer Berg, doch in seiner mythologischen Bedeutung
steckt er leicht höhere Berge ein. Der Hittisberg ist nämlich
ein ausgewiesener Heiliger Berg samt keltischer Anderswelt,
der sich auf Grund seiner exponierten Lage noch dazu wunderbar zur rituellen
Umkreisung eignet.

Sagenhafter Anderswelthort Hittisberg
im Bregenzerwald, Bild:
©
www.doren.at
Der Sage nach sollen sich in diesem Heiligen Hittisberg „vor uralten
Zeiten die Venediger” versteckt haben, „ganz
kleine Leute, fromm und gescheit” und vor allem auch sehr fleißig,
denn im Hittisberg in den Felsen hat man es oftmals klopfen und hämmern
gehört. Im Winter sind sie fort und im Frühling wieder gekommen.
In abseits gelegene Häuser kamen sie auch auf Besuch. Sie waren
dabei zumeist stumm. Guten Rat hätten sie aber
gerne gegeben.
Einmal war eine kleine Frau vom Hittisberg hoch schwanger und ihr Mann
hatte eine Menschenfrau geholt, um bei der Geburt zu helfen. Die Geburtshelferin
wollte keinen Lohn, erhielt aber heimlich was in ihre Schürze,
das sie erst zuhause ausleeren sollte. Als sie aber schon auf halbem
Weg ihre Fracht betrachtete, sah sie nur vermeintliche Kohlen,
die sie eilig weg warf. Zuhause fiel ein letztes Goldstück
aus der Schürze. Da besann sich die Hittisauerin und lief den Weg
zum Berg zurück, doch der Rest des weggeworfenen Schatzes war nicht
mehr zu finden.
Versteck heilungsbedürftiger Seelen
Wir haben es auf der Seite Hittisberg
schon erwähnt: Die zwergenhaft kleinen Bergbewohner, denen wir
gerade auch im Hittisberg begegnen, sind gebräuchliche Darstellungen
der Benutzer der verjüngenden keltischen Anderswelt,
verstorbene Seelen, die sich dort regenerieren, bis sie mit Hilfe einer
lebendigen Menschenfrau ihre irdische Wiedergeburt erleben.
Zu Samhain
und Beltene,
an denen das keltische Kultpersonal „Guten Rat”
gab, besuchten sie nächtens ihre lebenden Verwandten, um ihnen
Glück zu bringen. Auch um den Heiligen Hittisberg durften sie dabei
aber nicht beobachtet werden. Wer, wie die zitierte Hittisauerin, dennoch
zu neugierig war, der verlor sein Glück. – Und was seinen
Namen betrifft, sei Frau Hitt unsere Zeugin: das Hitt
im Berg kommt wie (engl.) hidden,
von behüten, beschützen, verstecken, (ver-)bergen
– im Schoß der Bergmutter!
Auch wenn Verstecken zur Neugier herausfordert: Was die Sage betrifft
erzählt sie auch von gelebter Frauensolidarität
im Ländle. Und wen sollte es da noch wundern, dass es justament
in Hittisau ein ambitioniertes Frauenmuseum
gibt.
Quelle:
+ Leander Petzoldt (Hg), Sagen aus Vorarlberg,
München (Diederichs) 1994.
©
Georg Rohrecker
Update:
10.06.2006