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(Bregenzerwald)
Hittisberg
Wo
die Bergmutter ihre Bregenzerwäldler versteckte
Der
Hittisberg bei Hittisau im Bregenzerwald ist ein durch und durch typischer
Heiliger Berg unserer keltischen Ahnen – zu denen
natürlich auch die eigen-sinnigen Räter gehörten –
der sich auf Grund seiner exponierten Lage zur rituellen Umkreisung
sehr gut eignete. Doch der Hittisberg ist darüber hinaus ein exponierter
Hort der Anderswelt, der diesen Anspruch auch in seinem Namen
trägt. Was diesen Namen betrifft, so heißt es im Buch „Heilige
Orte der Kelten in Österreich”, „opfere ich in der
Friedhofskapelle von Hohenems oder in der Eligiuskapelle von Götzis
– wie es an diesen Heiligen Orten Wallfahrtsbrauch gewesen ist
– einen Besen, wenn das Hitt
im Berg nicht wie (engl.) hidden von behüten,
beschützen, verstecken, (ver-) bergen im Schoß der
Bergmutter kommt!”
Ein unübersehbares Indiz, dass durch die regionalen Sagen verstärkt
und unter-mauert wird. Der Sage
nach sollen sich im Hittisberg „vor uralten Zeiten die Venediger”
versteckt haben, „ganz kleine Leute, fromm und gescheit”.
Im Winter sind sie fort und im Frühling wieder gekommen. In abseits
gelegene Häuser kamen sie auch auf Besuch. Sie waren dabei zumeist
stumm. Guten Rat hätten sie aber gerne gegeben. Einmal war eine
kleine Frau vom Hittisberg hoch schwanger und ihr Mann hatte eine Menschenfrau
geholt, um bei der Geburt zu helfen.
Hernach wollte die Geburtshelferin keinen Lohn, erhielt aber heimlich
was in ihre Schürze, das sie erst zuhause ausleeren
hätte dürfen. Als die neugierige Frau aber schon auf halbem
Weg ihre Fracht betrachtete, sah sie nur vermeintliche Kohlen, die sie
eilig weg warf. Zuhause fiel ein letztes Goldstück
aus der Schürze, der Rest war nicht mehr zu finden.
Auf „die Venediger” gehen wir an dieser Stelle nicht ein,
wohl aber auf die zwer-genhaft kleinen Bergbewohner: Sie sind gebräuchliche
Darstellungen der Benutzer der verjüngenden keltischen Anderswelt,
wie wir sie z.B. auch im Untersberg oder im Hohen Göll finden können.
Es sind die Seelen verstorbener Kelten, die sich dort regenerieren,
bis sie mit Hilfe einer lebendigen Menschenfrau ihre irdische Wiedergeburt
erleben. Der Weg war allerdings nach Ansicht der Kelten für Frauen
mit Kinderwunsch nicht der, nach dem Eisprung in den Berg hineinzugehen,
sondern vom Wasser zu trinken, das aus dem Schoß
der Bergmutter fliest. (Auch die sagenhafte Schürze
ist eine Umschreibung für die Gebärmutter,
in der sich das künftige Kind einnistet!)
Zu Samhain
und zu Beltene,
zu jenen Terminen, an denen das keltische Kultpersonal „Guten
Rat” gab, waren die Türen der Anderswelt geöffnet, und
die vorübergehend verstorbenen Seelen besuchten nächtens ihre
lebenden Verwandten, um ihnen Glück zu bringen. Auch um den Heiligen
Hittisberg durften sie dabei aber nicht beobachtet werden. Wer, wie
die zitierte Hittisauerin, dennoch zu neugierig war, der verlor sein
dazugewonnenes Glück – und lebte halt so wie zuvor (und als
Frau ohne ein Kind zu gebären).
©
Georg Rohrecker
Update:
09.06.2006
