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> Kelten-Erbe > Heiligengestalten
> Heiligengestalten J >
Johannes
Johannes
der Täufer
Sonnenwende-Gegenpol
des Jesus Christus –
24. Juni
Johannes
der Täufer
(in der Art des Bacchus)
mit Hirsch in alpiner Landschaft
Leonardo da Vinci, 1510-15
Louvre
Paris |
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Johannes der
Täufer war bei der „Missionierung” der ehemals keltischen
Länder ein hoch willkommenes Jahreskreis-Pendant zu Jesus
– vergleichbar den „Paaren” >Georg
und >Michael oder zuvor >Esus und
>Cernunnos. (Vgl. der Hirsch auf
obigem Bild!) Kein Wunder war es aber auch, dass dem katholischen Klerus
zeitweise die Interpretationsgewalt über den bald populären
Johannes entglitt, der so viele Anknüpfungspunkte
für „keltisch-heidnische” Fantasie bot, dass noch im
20. Jahrhundert mancherorts die ganze „Johannis-Nacht” (Nacht
zum 24. Juni) durch die Kirchenglocken geläutet
wurden, um das gröbste Unheil der alten Glaubenswelt und ihrer
„unkeuschen” (die Fruchtbarkeit fördernden) Bräuche
abzuwehren!
Johannes („Jahwe ist gnädig”) der Täufer ist natürlich
nicht zufällig der direkte „Sommer-Sonnenwende-Gegenpol”
zu Jesus Christus (24. Dezember), dessen Festtag vom
römischen Staatschristentum einst justament über den ehemaligen
römischen Staatsfeiertag der „unbesiegbaren Sonne”
(sol invictus) gestülpt worden war. Was dann den
Sommerpart des Johannes in den keltischen Ländern so attraktiv
machte, waren in der Tat seine starken Licht- und Fruchtbarkeits-Komponenten,
seine mit wenigen Kunstgriffen herzustellende mythologische Nähe
zu den vertrauten Licht-, Fruchtbarkeits- und
(Wieder-) Geburts-Heroen der keltischen
Ahnen.
| Johannes
als getaufter Licht- und Wiedergeburts-Heros |
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Zur
Symbolik des Johannes gehört prompt der (sein)
Kopf – den Kelten nicht nur Sitz der unsterblichen
Seele, sondern auch unmittelbares Symbol für Licht
und (Wieder-) Geburt! Johannes
soll auf Wunsch der Salome bzw. ihrer intriganten Mutter Herodias nach
einem erotisch stark aufgeladenen Tanz geköpft worden sein. Das
Schema zur Köpferei „christianisierter” Licht-Heroen
ist eigentlich immer ident und längst durchleuchtet. Doch das Besondere
an der Kopf-Symbolik bei Johannes ist die Darstellung des Kopfes auf
einer Schüssel, die überraschenderweise im
Großteil der Fälle keinen makaberen Anblick bietet, sondern
starke Assoziationen zur Schlüsselszene einer Geburt
weckt: Der Kopf des neugeborenen Kindes erscheint zumeist aus dem Schoss
der Mutter, der lebenspendenden Vulva, wie auf einem Präsentierteller!

Salome
tanzt vor Herodes um Johannes Haupt, Benozzo Gozzoli, 1461-62, National
Gallery of Art Washington
Viele Johannis-Kirchen im Ostalpenraum – zumeist
mit Fruchtbarkeitswünschen verbundene Wallfahrtsziele
– besitzen (oder besaßen) solche fein geschnitzten Johannes-Haupt-Schüsseln.
Gegen klingende Münze konnten die Gläubigen diese Kopf-Trophäen
entleihen und zum Vortrag ihrer Wünsche dreimal
im Uhrzeigersinn bzw. Sonnenlauf (kelt. deisiol) um den Altar
tragen. Und da die Johannis-Kirchen über alten (vorchristlichen)
Lichtkultplätzen erbaut worden waren, war man/frau
dort mit seinen Wünschen natürlich auch den vertrauten
Göttinnen und Heroen ganz nah. Und die katholische Kirche
konnte auch insofern Gewinn daraus schlagen, als die Einnahmen aus dem
Schüssel-Verleih beträchtlich waren! Was dann auch der Sanierung
anderer Kirchen im Umkreis zugute kommen konnte.
Stehen die Johannes-Kirchen nicht auf den lichten Bergeshöhen,
sind sie – analog dem Fruchtbarkeits- und Heileraspekt –
mit dem Lebenselement Wasser, mit Quell-Heiligtümern
und Heilbrunnen verbunden. Über den Heiligen
Quellen und Kult-Plätzen unserer keltischen Ahnen ließen
sich christliche Kirchen bauen. Bei den zugehörigen Ritualen
im Vegetationskreislauf half dagegen oft weder Umdeutung noch
Abwehrzauber. Zwar wurden die einst zum Sommerbeginn – für
die Kelten zu Beltene
(1. Mai) und mit der „Germanisierung” später zur Sommersonnenwende
– rituell abgebrannten Feuer in „Johannis-Feuer”
umgetauft, und nun darin u.a. Pferdeköpfe („heidnische”
Licht- und Sonnen-Symbole) verbrannt, doch am Liebsten wurden sie (erfolglos!)
verboten!
In Wien soll z.B. noch um 1500 der
Tanz um das Johannis-Feuer durch Weichselwein und (paarungsbereite)
Frauen und Männer orgiastisch angeheizt worden sein. Als die Kirche
mit einer Art „Jugend-Prozession” mit Johannesfigur
und Lämmchen konterte, verwendete die fromme Jugend das dabei gesammelte
Geld, um sich anschließend anfeuernden Weichselwein zu kaufen
und angeturnt am unchristlichen Treiben teilzunehmen oder als Pioniere
des Koma-Saufens in die Geschichte einzugehen. Billiger war natürlich,
sich am Johannistag bestimmte Kräuter selbst zu pflücken.
An vorderster Stelle standen dabei Farnkraut und Farnkrautsamen
für diverse Liebeszauber oder Johanniskraut -
auch bewährt als Blitzschutzmittel. Die Beispiele ließen
sich fast unendlich fortsetzen. Johannes war seinen frommen Einführern
im Sog der alten Bräuche schlicht entglitten! (Worauf auch Leonardo
da Vinci in seinen Johannes-Bildern gekonnt hintersinnig anspielt!)
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Kurzsteckbrief:
Hl. Johannes d. T. |
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| Namenvarianten:
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|
Jochanan, Hans,
Jean, Giovanni |
| Festtermin: |
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24.
Juni, 29. August, 17. Dez., 6. Jänner, 24. Februar, 11. März |
| Namensdeutung: |
|
Gott
ist gnädig |
| Symbole: |
|
Lamm,
Schafbock (Widder), Fellkleid, Muschel, Schüssel (mit Kopf),
Stab |
| Mythol.
Funktion: |
|
Wasserheiliger,
Fruchtbarkeits- und Lichtheros, Mittler beim Jüngsten Gericht,
Patron der Hirten, Bauern, Winzer, Wirte, Tänzer, Musiker... |
| Parallelen
zu: |
|
Apollon,
Belenus, Cernunnos,
Dagda, Georg,
Michael |
| Zugeh.
Bethe(n): |
|
Wilbeth/Katharina,
Ambeth/Margaretha,
Borbeth/Barbara |
|
Verehrungsorte: |
|
Florenz,
Amiens, St.-Johann-Orte |
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Alpine Verbreitg.: |
|
Ende
des 13. Jh. |
| >Buchtipp: |
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|
Georg
Rohrecker
Kelten - Götter - Heilige
Mythologie
der Ostalpen
Wien (Pichler)
2007 |
|
©
Georg Rohrecker
Update:
02.06.2009

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