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Johannisfeuer (20.
- 26. Juni)
Schwach christianisiertes
Beltene-Überbleibsel
Das Feuer
übt mit seinen ambivalenten Eigenschaften (Notwendigkeit
und Be-drohung) seit Menschengedenken besondere Faszination
aus! Feuer gibt einerseits Licht und Wärme, dient der Nahrungszubereitung
und vielen Produktionszweigen. Anderseits ist unkontrolliertes Feuer
zerstörerisch. Mythologisch steht das Feuer für Reinigung
und Verwandlung. Das Herd-Feuer galt in „heidnischer”
Zeit als heiliger Mittelpunkt der Familien und ihrer
Behausung, und Feuer bildeten den Mittelpunkt der Jahreszeiten-Feste
und Volksversammlungen unserer keltischen Ahnen.
Insbesondere das Beltene-Fest
zum keltischen Sommerbeginn stellte ver-schiedene Feuer-Rituale
in den Mittelpunkt, die vom Christentum nicht abge-schafft werden konnten,
sondern wohl oder übel übernommen werden mussten - auch wenn
die christlichen Mäntelchen über die Jahrhunderte höchst
fadenscheinig blieben, und ihnen die Amtskirche (ganz zurecht) selbst
nicht trauen mochte. So oder so wurden die „heidnischen”
Feuer zu Oster-Feuern und zu Johannis-Feuern,
bei denen am Schluss des ausgelassenen Treibens der Heilige selbst als
Stroh-Puppe („Sunnawend-Hansl”)
verbrannt wird.
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Was
die römisch-katholische Kirche an Umdeutung der Beltene-Feuer
nicht schaffte, das versuchte später im Sog der von den Nazis
propagierten „Auf-nordung” der
Ostalpen ein williger Trupp an germanophilen Phantasten, deren
dumm-braune Spuren bis tief ins Internet
reichen. In unheiliger Allianz wurden katholische Priester zu
Kron-Zeugen der nazistischen Huldi-gung des Germanen-Gottes
Wotan, dem einst das Feuer gegolten hätte
und der noch heute im Sunnawend-Hansl verkörpert sei. Blanker
Unfug!
Johannisfeuer,
Stanghof
bei Thernberg 2004 |
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Von solch ideologisch verdrehter, zum Teil auf das SS-Ahnenerbe
und seine Außenstelle Süd-Ost in Salzburg
(Leitung: Richard Wolfram) zurückgehende, „Volkskunde”
unterschied sich - wenn auch immer noch von der Angst vor dem „Aberglauben”,
dem „unheimlichen
Vulkan auf dem Grund der Volksseele”
gefangen, der noch im 16. und 17. Jahrhundert „zum
Ausbrechen”
gewesen sei - der Wissensstand des ehemaligen Pfarrers von Thalgau
unterm Kolomansberg, der 1976 seinen Schäfchen
ins Heimatbuch schrieb, dass die „heidnische”
Kultausübung, die damals recht ungeniert „neben
dem christlichem Gebet”
stattfand, eindeutig keltischen (!) Ursprungs
war und nicht pseudo-germanisch.
Und Dechant Haas wusste zu berichten, dass das Konsistorium
des Salzburger Fürsterzbischof Paris Graf Lodron
mit Datum 16. Juni 1622 zur anstehenden Johannisnacht
der Pfarre Thalgau ein „Mandat”
erteilt hatte (Original im Pfarr-Archiv), denn „Es
ist leider mehr als Zu viel brauch an dem Feyrabent Un in der nacht
des H Johannis des Täufers allerhandt abergläubische und teuflische
Handlungen, Zauberey und incantationes [Zaubersprüche und
Beschwörungs-formeln] zu pflegen”.
Als Abwehrmaßnahme wurde aufgetragen: „alsbald
zu eingang des Feyrabends die glogen zu leuten anfangen,
solche geleuth biß morgens früe zu anfang
des Tags kontinuieren [andauern] laßet”.
Und weiters solle „Zu
gewissen Stunden mit den Leuten abgeweselt und so viel möglich
cum depellandis Diabolicis opibus [Gebete gegen diabolische
Einflüsse] bemeldeter Zeit verrichtet werden”.
| Von
obligater Verteufelung zur Horror-Industrie |
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Auch
auf den britischen Inseln ließ man Wotan zu den
Sommer-Feuern im kalten Nordeuropa sitzen - nicht zuletzt,
weil im Einflussbereich von Irland und Schottland das keltische Beltene-Brauchtum
noch gegenwärtiger war. Dafür verbreitete sich - einst geschürt
vom katholischen Klerus und heute aufgegriffen von üblicher Geschäftemacherei
- bis in die USA eine aufgewärmte Version der Antiken Meuchelpropaganda
von den Menschenopfern
der grausamen Kelten. Aus dem probaten Muster, den Glauben der Vorfahren
zu verteufeln, ist ein profitabler Geschäftszweig geworden, bis
hin zu Horror-Filmen zum Popanz „Wicker
Man”,
der sogar noch heute heimische akademische Publikationen zum Thema „Religion
der Kelten”
als „Cover
Boy”
ziert! („Belenus
schau oba!”)
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Für
die Horror-Figur des überdimensio-nalen Korb- oder Weidenmannes
(engl. Wicker Man),
der auf Befehl blutrüns-tiger keltischer Druiden mit lebenden
Menschen vollgestopft und dann ange-zündet worden sei, gibt
es ein einziges „Zeugnis”:
das des millionenfachen Kelten-Schlächters
Cäsar.
Dass der ostalpine Sunnawend-Hansl trotz keltischer
Wurzeln nichts damit zu tun haben kann, geht schon daraus her-vor,
dass der Hansl-Brauch weit älter ist als jener, Kinder zur
Schule zu schicken, um sie dort mit lateinischen Propa-ganda-Schriften
zu hänseln! Und Cäsar lag sicher auch
nicht unter den Kopf-kissen jener gläubigen Landbewohner,
deren Pflege der alten Rituale noch im 17. Jahrhundert (erfolglos)
mit nächte-langem Glockengeläut und stundenlan-gem Gebet
bekämpft wurde, das viel-leicht auch dem Brauch galt, dem
Jo-hannisfeuer noch immer einen Pferde-Kopf
zu opfern, genau wie von den Ahnen zu Beltene,
die den Rest des Pferdes bereits ein halbes Jahr zuvor (zu Samhain)
gemeinsam rituell verzehrt hatten. (Von wegen Wotans Schimmel!)
Abb.
li.: Film-Poster von 1973.
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| Sunnawend-Hansl
- Die Verwandlung des alten Heros! |
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Jenseits
aller Horror-Propaganda steckt hinter dem ostalpinen Sunnawend-Hansl
weder ein mörderisches Menschen-Opfer-Ritual nach Art der einst
in christlichen Ländern beliebten Hexen-Verbrennungen, noch hat
die Puppe - ob von lebenden oder toten Pfarrern bezeugt - symbolisch
etwas mit Wotan und seinem dreibeinigen Pferd auf dem
Hut. Der Hans steht ganz einfach - ohne braune Kacke! - für den
alten keltischen Jahreszeiten-Heros,
der dem neuen, dem Sommer-Heros, Platz machen
muss und dafür zuletzt verbrannt (also selbst mittels Feuer verwandelt)
wird!
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Buchtipps: |
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Hans
Bächtold-Stäubli (Hg.)
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens
Band 4, Hieb- und stichfest - Knistern
(Reprint der Originalausgabe 1932)
Augsburg (Weltbild) 2005. |
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Jakob
Grimm
Deutsche Mythologie
Band I
(Reprint der 4. Auflage 1875-78, Teilband 1 & 2)
Wiesbaden (Fourier) 2003 |
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Georg
Rohrecker
Kelten - Götter - Heilige
Mythologie
der Ostalpen
Wien (Pichler)
2007 |
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©
Georg Rohrecker
Update:
13.12.2008
