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Der Kathrein-Tanz
(25. Nov.)
Katharina zwischen
Erotik, Tanz und erwartungsvoller Ruhe
Was unser Hl.
Madl Katharina betrifft,
so soll von ihr - kaum hat am 11.11. (mit Martin)
der Fasching begonnen - nach zwei Wochen, am Kathrein-Tag, dem 25.
November, die wilde Tanzerei schon wieder eingestellt
werden! Wer kennt sich da noch aus?! In der
Tat ist der katholische Fest- und Brauchtums-Kalender manchmal recht
verworren! - Überhaupt dann, wenn wir alle zusammen alle Augenblick
über die (lustvoll sinnlichen) keltischen Wurzeln
stolpern! Aber - wie eigentlich immer bei jenem Teil des Kelten-Erbes,
der manch herer Wissenschaft zu minder (also „un-wissenschaftlich”)
scheint: die Auflösung des
scheinbaren Rätsels „ist
nicht schwer”!
Zwar fängt - ähnlich der keltischen Einteilung
- auch das römisch-katholische (Kirchen-) Jahr schon Wochen vor
dem Beginn des astronomischen Sonnen-Jahres mit einer Zeit der
Besinnung (im Christentum Advent genannt)
an. Doch die von den Kelten übernommenen, weil nicht auszurottenden
Bräuch spießen sich ob ihrer ursprünglichen Ausgelassenheit
und erotischen Bedeutung noch immer gewaltig mit dem, was sein darf!
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Manche
machen es sich leicht und ge-ben Papst Gregor XIII.
(1572-85) die Schuld, dessen verordnete Kalender-Reform im Jahr
1583 zehn Tage aus-fallen ließ, worauf „das
Volk”
u.a. prompt
Martin und Katharina ver-wechselt hätte.
Doch „das
Volk”
ist und war weder tümlich, noch dümmlich oder dämlich:
Es beging seit der Einführung der genannten Ersatz-Heiligen
in derem Namen und unter de-ren Schirm zu beiden Terminen mit
neuen Vorwänden die alten „heid-nischen”
Events - und das waren noch immer die zum Fest
des keltischen Jahresbeginn, genannt Samhain. Und der Tanz
- der schon immer die „Be-gegnung
der Geschlechter”
wunder-bar beschleunigte - war wesentlicher Bestandteil von Samhain,
wo es auch darum ging, einen Partner, eine Part-nerin (für
das nächste Jahr) zu finden. |
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Drei
„Madln” am Kathrein-Tanz 2005 des Musik-Vereins Hof
am Leithaberge, Bild:
©
mv-hof.com |
Damit im engen Zusammenhang stand der 1. November als beliebtester Hochzeitstermin
bei den Kelten. Und in Slowenien war es noch bis ins 20. Jahrhundert
Brauch, dass die Burschen gerade zu Kathrein um die Mädchen warben,
die dann bis zum nächsten Kathreinstag sicher
Braut blieben. Doch diese ausgelassene Zeit fand Mitte November sehr
wohl ein natürliches Ende. Nach dem Einbringen der Ernte
kamen auch die Viehherden von den - nun absterbenden
- Weiden zurück. Was nicht über den Winter durchgefüttert
werden sollte - z.B. die Gänse - wurde bis auf wenige Zuchtpaare
geschlachtet, und bei den Schafhaltern begann die Arbeit der Schur
und des anschließenden Spinnens.
| Kathrein-Rummel
als ritueller Ausgleich und Versprechen |
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Sahen
die katholischen Missionare im ausgelassenen vorchristlichen Treiben
rund um Samhain (und Beltene) „Teufelswerk”,
und versuchten erotischen Spielen, Ritualen und insbesondere dem Tanz
mit Verboten beizukommen, neigten die Kelten aufgrund
ihrer Beobachtung der Zyklen der Natur von sich aus zum Beginn der dunklen
Jahreszeit zur Entschleunigung, um mit Mutter Natur
im heilsamen Einklang zu bleiben. Und der letzte Rummel in den zwei,
drei Wochen nach Samhain diente primär zum notwendigen Ausgleich
und zur rituellen Umstellung auf die dunkle Zeit des
Jahres, die Zeit der Erholung und des Kräfte sammelns vor dem Neuerwachen,
der Wiedergeburt im Frühling.
Und so teilte schließlich einst auch die helle Wilbeth-Erbin
Katharina ein bis heute
verwendetes Frühlings-Symbol - ein vorchristliches Wiedergeburts-Versprechen
- mit der dunklen Borbeth-Nachfolgerin
Barbara, deren Festtag nicht
zufällig zwei Wochen nach Kathi angesetzt ist: Wie bis heute die
Barbara-Zweige im Gebrauch
sind, gab es bis vor kurzer Zeit auch noch gleich bedeutende Katharinen-Zweige,
Kirschzweige, die ins Wasser gestellt bis zur Wintersonnenwende - der
längsten Nacht des Jahres - erblühten.
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Buchtipps: |
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Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens
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(Reprint der Originalausgabe 1932)
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Georg Rohrecker
Update:
13.12.2008