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Hl. Koloman
Der Spion, der auf den Holler kam - 13. Oktober

Hl. Koloman
Altarbild der Pfarrkirche
Laab im Walde bei Liesing
 

Koloman oder Coloman ist eigentlich nichts anderes als eine Art Berufsbe-zeichnung, also der „Zellenmann” oder Eremit, der in „heidnischer” Zeit ein abgelegenes keltisches Heiligtum betreute, das zumeist neben einer Herme (einem Pfahl oder einem Steinmal) eine Quelle und einen Heiligen Baum aufwies und frommen Pilgern Rast bot. So eine vorchristliche Pilgerstation befand sich auch auf jenem Felssporn am Südufer der Donau, auf dem seit rund Tausend Jahren das Stift Melk thront. Im Zuge der von Kaiser Karl propagierte Ost-Mission, der Unterwerfung ehemals „heidnischer” Nachbarvölker zur Errichtung des eigenen Großreiches, die vom Erzbistum Salzburg aus organisiert wurde, wurden die keltischen Zellen an strategisch wichtigen Stellen endlich in katholische Klöster umgewandelt. Dies geschah schließlich auch in Melk.

Mit der Niederwerfung des Herzogtums Baiern durch Kaiser Otto II. (973 - 983) und der Abtrennung großer Landesteile bis Pannonien und Istrien im Jahre 976 wurde an der Donau eine „Ost-Mark” (eig. marcha orientalis) eingerichtet und der Babenberger Liutpold (Leopold) I. damit belehnt. Der neue Mark-Graf aus der Gegend zwischen Bamberg und Würzburg musste für die ersten acht Jahre seine Zelte in Pöchlarn vis à vis von Maria Taferl aufschlagen, weil im benachbarten Königshof in Melk in dieser Zeit der Vogt des Salzburger Erzbischofes, Graf Sizo aus dem Geschlecht der mächtigen Sighardinger, selbstbewusst seinen Geschäften nachging. Der wird es - entgegen der Klostertradition - vielleicht auch gewesen sein, der Melk nahe der Peters(!)-Kirche mit einem katholischen Stift versah!


Heiligenmacher Heinrich I. mit Koloman im Hintergrund
Babenberger Stammbaum, 1489-92, Stift Klosterneuburg
 
Als Markgraf Liutpold 994 starb, ging die Mark auf seinen Sohn Heinrich über, der endlich in Melk residierte und sich im Jahre 1014 sein zwanzig-jähriges Regierungsjubiläum mit der Aufwertung „seines” Klosters krönen wollte. Da jedoch seine Berater offensichtlich nicht besonders fanta-sievoll gewesen sind, erfanden sie sich einfach einen Zellenmann - Koloman -, dessen Legende augenscheinlich von einem Bethen-Kult der „heidnischen” Wachau abgekupfert wurde, der auch Bezüge zum sonderbaren Kult um die „Hl. Kümmernis” aufweist. Koloman sollte künftig der Patron und das Fundament des Stiftes und des gan-zen Ost-Reiches (Ostarrichi) sein.

Nachdem Heinrich I. mit Koloman den ersten Reichs- und Landespatron Öster-reichs geschaffen hatte, ist die Legende des Heiligen in unseren Breiten nicht unbekannt. Zur Aufdeckung der keltischen Wurzeln gehen wir hier auf die wichtigsten Teile der sagenhaften Geschichte ein:

Es war einmal ein frommer Ire namens Koloman. Dem kam es in den Sinn ins Heilige Land zu pilgern. Brav machte er sich auf den langen Weg und kam im Sommer des Jahres 1012, im 18. Regierungsjahr des Markgrafen Heinrich I., in die spätestens von den Nazis so genannte Ostmark. Prompt fiel er in Stockerau vis à vis von Greifenstein ob seiner fremden Erscheinung und seiner fremden Sprache den wachsamen Ostmärkern auf. Ein Ausländer! Ein Spion! Vielleicht sogar ein böhmischer! Der Mann wurd ergriffen und in Schubhaft genommen. Da dem verstockten Fremden aber trotz sachkundigem Verhör (Folter) kein verständlicher Satz zu seiner Herkunft zu entlocken war, musste der Ausländer schließlich hängen. Den Hollerbaum hinter dem Kloster der Dienerinnen des Hl. Geistes soll man heute noch in Stockerau bewundern können.

Vom Reichs-Patron zum Kolomandl
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Der Kerl war so verstockt, dass er nach zwei Jahren noch immer ohne die geringsten Spuren der Verwesung am Holunder hing. Als ein Jäger seinen Speer in Kolomans Leib stieß - Wie hatte man wohl seinen Namen erruiert? - floss frisches Blut heraus als lebte er noch! Ein Wunder! Und weil Markgraf Heinrich zum Regierungsjubiläum einen passenden Landesheiligen für die Ostmark und seinen Regierungssitz in Melk braucht, wird Koloman endlich unter großer Anteilnahme der Bevölkerung vom Baum geknüpft, feierlich nach Melk überführt und dort ebenso feierlich am 13. Oktober 1014 bestattet! Dass ihr zwischen 1014 und 1663 amtierender Reichs-Patron nie formell heilig gesprochen wurde, tat der Zuneigung der Ostmärker keinen Abbruch. Noch heute soll er - nach dem Ökumenischen Heiligenlexikon - ungebrochen „im Bewußtsein vieler Österreicher lebendig” sein, was sich auch darin zeige, dass sie ihre Kinder ermahnten, „dass nicht das Kolomandl komme”!

Ach ja! Charme und Gemütlichkeit! Ein paar Glaserl Wein und dann noch das Lied von der Reblaus...! Halt! Nicht ablenken lassen! Wir sind doppelt auf der richtigen Fährte: nicht nur bezüglich Ostmark, sonder auch den Koloman betreffend! Dass solche Zellen-Männer oder Eremiten ihre keltischen Heiligtümer auch an der Donau hüteten, ist klar, und dass sie dort - gerade in der Wachau - schon vor den Römern Wein anbauten und genossen, ist es mittlerweile auch. Und als sich dann die Römer 15 v. Chr. am Südufer der Donau festsetzten, übernahmen sie nicht nur die alten Keltenstraßen und bauten sie zu römischen aus. Sie schnappten sich auch die Weinberge - wobei die besseren Lagen am „feindlichen” Nordufer lagen und liegen! Und sie knüpften schließlich auch an den regionalen Kulten und Ritualen an und adaptierten sie sich entsprechend.

Wenn wir uns z.B. den Gehenkten der Koloman-Geschichte näher ansehen, entsteht zuerst ein Widerspruch zwischen todeswürdigem Verbrechen und anschließender landesweiter Verehrung. Entweder stimmt die Geschichte nicht, oder sie ist - aus Gründen der christlichen Zensur - falsch überliefert. Tatsächlich ist der vorgebliche Widerspruch ganz einfach aufzulösen: In „heidnischer” Zeit - und wer weiß, ob sie schon vorbei ist - gehörte es zu den Ritualen in Wein- und Obstbaugegenden, zwecks guter Ernte Abbilder verehrter Fruchtbarkeitsgötter in die Gärten zu hängen! So baumelten in den Bäumen und Hecken der Wachau wie andernorts kleine Statuetten von Bacchus bzw. Dionysos - und vor und neben den römischen Fruchtbarkeits-Heroen rundum die keltischen!

Der Holunderbaum (Sambucus nigra), der weniger ein Baum als ein (schnell-wüchsiger) Strauch ist, ist zum Hängen erwachsener Menschen eher ungeeignet. Die uralte Heilpflanze begleitet jedoch die Menschen seit der Jungsteinzeit und beherbergt nach dem Volksglauben „Gute Geister”. Der Baum oder Strauch der Frau Holle bzw. der holden Bethen-Trinität wurde früher bewusst nahe der Häuser, der Stallungen und der Felder gesetzt, um zu schützen, Fruchtbarkeit und Heil zu gewähren. Und noch heute werden von Irland bis in die Alpen solche und ähnliche Heilige Sträucher mit Bändchen, Bildern u.ä. behängt. Der Holunder ist kein Galgen, er ist Bestandteil Heiliger Orte. Und bei allem Respekt für Frau Lore Kufner und ihr tiefes Wissen (Siehe Buch-Tipp): Der germanische „Hängegott” Odin ist - zumindest in den Ostalpen - nicht das Äquivalent unseres Koloman! Da sei zur Not Bacchus, Dionysos, Dionysius oder die Kümmernis (Kummer-Vertreibende) vor, die auf ihren Bildern ähnlich wie Koloman rumhängt!


  Kurzsteckbrief: Hl. Koloman ^
Namenvarianten:   Coloman, Kollomann, Kollman
Festtermin:   13. Oktober
Namensdeutung:   Zellenbewohner (Eremit), Schlanker Stein (Herme)
Symbole:   Holunderbaum, Rute, Muschel, Pilgerhut, Stab, Strick
Mythol. Funktion:   Pilgerpatron, Fruchtbarkeits- und Viehpatron
Parallelen zu:   Dionysos, Hermes, Christophorus, Jakobus d.Ä., Nikolaus
Zugeh. Bethe(n):   Wilbeth/Katharina, Ambeth/Margaretha, Borbeth/Barbara
Verehrungsorte:   Melk, St. Koloman (HA), Thalgau, Lebenau & Tengling (Obb.)
Alpine Einführg.:   Ende des 15. Jh.

Buchtipps:     ^
  Lore Kufner
Getaufte Götter

Heilige zwischen Mythos und Legende
München (J. Pfeiffer) 1992.
 
       
  Inge Resch-Rauter
Unser Keltisches Erbe

Flurnamen, Sagen, Märchen und
Brauchtum als Brücken in die Vergangenheit

Wien (Teletool) 1994.
 
       
Georg Rohrecker, Kelten - Götter - Heilige   Georg Rohrecker
Kelten - Götter - Heilige

Mythologie der Ostalpen
Wien (Pichler) 2007 - Erscheint im September
 

© Georg Rohrecker

Update: 30.12.2007

 

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