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(Bez. Kirchdorf)
Kremsmünster
Grab des Heros oder Herzogsohnes?

Das Benediktiner-Stift Kremsmünster steht direkt auf einem ehemals kelti-schen Straßenheiligtum und Kultzentrum und kann, bis hin zum Stifts-Teich (einer ehemaligen keltischen Anderswelt-Pforte) – und trotz imposantem Auf- und Ausbau – kaum seine vorchristlichen Wurzeln leugnen. Das katholische Kloster wurde ungefähr zeitgleich mit Mattsee, Mondsee und Michaelbeuern, in den 70er Jahren des 8. Jahrhunderts errichtet, als die Herzöge der Bajuwaren daran gingen, sich das ehemalige Noricum samt seiner damals noch weitgehend keltisch denkenden und handelnden Bevölkerung katholisch - also untertan - zu machen.


Stift Kremsmünster (mit kelt. Kultplatz Stifts-Teich und Sternwarte), Luft-Bild: © Amerer Air

Hinter dem frühmittelalterlichen „Klostergründungsfieber” steckte langfristiges politisches Kalkül: Es hing eng mit den ehrgeizigen Plänen des selbst im Böhmisch-Keltischen verwurzelten Bajuwaren-Herzogs Tassilo III. zusammen, der zu einem Feudalherrscher europäischen Formats aufzusteigen gedachte. Mit seinen neuen katholischen Klöstern an ehemals keltischen Kultzentren, diesen so wichtigen Vorposten des Auf- und Ausbaus seiner neuen Landesherrschaft zwischen Lech, Donau, Enns und Drau, sollte die per Volks-Recht legitimierte Feudalherrschaft, die auf der Unterwerfung und Ausbeutung der Landbevölkerung basierte, durch geschultes Fachpersonal sowohl organisatorisch abgewickelt, als auch ideologisch flankiert und abgesichert, werden.

Tassilo hatte allerdings die Rechnung ohne seinen
Schwager, Frankenhäuptling Karl gemacht, der im Endeffekt „stärker” und skrupelloser war, sich in blutigen Feldzügen große Teile Europas unterwarf – und bald auch das Land der Bajuwaren okkupierte. Die Klöster, dienten nun (nach der Regel, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers - und den ansehnlichen Rest zu behalten) dem neuen Herrn mit seinen neuen Römischen Kleidern: Kaiser Karl, der sich zu seiner Krönung in Rom zuvor schon geschmackvoll mit einer „Toga” verkleidet hatte.

Doch zurück nach Oberösterreich! Die Gründungslegende von Kremsmünster, die „begründen”
sollte, warum Tassilo III. das Kloster genau hier errichtet hätte, diente zwar der Vernebelung des „heidnischen” Hintergrundes des alten Kult-platzes. Doch ist diese Legende derart durchsetzt von mythologischen Symbolen des keltischen Glaubens, der damals – trotz 800 Jahren Druiden-Verbot und Androhung der Todesstrafe für abweichende Religionsausübung – noch immer gemeinsames Gut der ländlichen Bevölkerung war, dass mit ihnen erst wieder die „heidnischen” Wurzeln offengelegt werden!


Gunther-Grabmal in Kremsmünster mit Eber & Hund
 
Ungeniert werden Eber, Hund und Hirsch aufgeboten, um die Gründung des Klosters zu „erklären”. Ein riesiger Eber habe einen Tassilo-Sohn namens Gunther auf der Jagd derart verletzt, dass der beim heutigen Stifts-Teich verblutete. Der Eber war das Symbol des keltischen Heros Esus, und der Teich die Andersweltpforte des alten Kultzentrum, durch die nun auch Gunthers Seele dieselbe betrat. Der treue Hund Gunthers, der keltische Seelen-Begleiter, der auch das Grabmal ziert, führte Tassilo zum toten Sohn. Und ein weißer Hirsch (mit Kreuz im Geweih - wie bei Eustachius und Hubertus) soll dem Herzog schließlich zu verstehen gegeben haben, dass hier der Platz sei, eine besondere Stätte des Glaubens - und seiner Herrschaft über Leib und Seele der Umwohner - zu errichten!.

Hinter dem weißen Hirsch, der Tassilo erscheint, auf dass er hier das Kloster errichte - für die erfolgreiche Ausbeutung der bisher freien Landbevölkerung durch die neuen Grundherren - steckt das der Urmutter eng verbundene Sinnbild ihres Heros Cernunnos, der Wintergestalt des Esus und keltischer Garant des Heilens und der Auferstehung. Der treue Hund, kelt. Anderswelt- und Totenbegleiter, findet sich z.B. auch im „christlichen” Christophorus, der neben dem „Hauptnamen”, also Christusträger, auch den Beinamen „der Hundsköpfige” (gr. Kynokephalos) trug und ein mythologischer Verwandter von Anubis, Hermes oder Dagda war! Und wie diese trägt der ostalpine Nothelfer der Sterbenden und (makabrerweise) Autofahrer-Patron Christophorus die typische Keule des amtierenden Muttergöttinnen-Heros und Herrn über Leben und Tod, deren, grünendes oberes Ende Auferstehung und neues Leben verspricht, während das dicke untere den Tod bedeutet!

Schließlich dürfte an dieser markanten Stelle über dem Kremstal der Aufer-stehungs-Kult schon in keltischer Zeit mit einem Licht-Kult verbunden ge-wesen sein, der vermutlich in der Nacht zum 1. Februar (Imbolc) statt-fand und die - per Hl. Hochzeit mit der Mutter-Göttin vollzogene - Verwand-lung des Cernunnos in Esus und die Wiedergeburt des Lichtes symbolisier-te. Nicht nur findet sich der Esus-Eber im Wappen des Klosters. Das Stift ist bis heute auch stolz auf seine Stern-warte, die an dieser Stelle u.U. einst eine zum damaligen Kult gehörige heidnische Vorgängerin gehabt hatte.

Abb.re: Stifts-Wappen von Kremsmünster am ehem.
Lesehof in Krems-Stein, © Klosterstüberl Krems-Stein

 

 

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© Georg Rohrecker

Update: 30.12.2007

 

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Stifts-Teich Sternwarte Stiftskirche