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Hl. Laurentius
Der unsterbliche Licht- & Feuerheros – 10. August

Hl. Laurentius
mit Grill-Rost

Rogier van der Weyden, c.1460

Musées Royaux des Beaux-Arts Belgique
 

Lorbeer, Siegessymbol und Pflanze des Licht-, Weisheits- und Heilergottes Apol-lon, ist die ruhmreichere Seite der Erklärung des Namens Laurentius: Der Lorbeerbekränzte. Wobei der Heilige allerdings höchst suspekt wäre! Waren doch zu „seiner” frühchristlichen Zeit (Lorbeer-) Kränze Berufsabzeichen der „heid-nischenOpferpriester und von den Christen zutiefst verpönt! Da gäbe es dann noch die harmlosere Erklärung, dass Laurentius lediglich bedeute „Bürger aus Laurentum”, einer kleinen Stadt in Latium, die laut Vergil einst dem Trojaner Aeneas als Exil diente, aus der damals die „echten” Latiner gekommen seien, und die heute Torre Paterno heißt.

Nähe zu Aeneas war ein besonderer Adel, auf den sich auch Caesar berief. Doch können wir sicher davon ausgehen, dass der Lorbeer der Schlüssel für unseren Laurentius ist - trotz vernebelnder christlicher Legende, die wir hier kurz nach erzählen. Der Christen-Bischof von Rom, Sixtus II. (257/58), soll Laurentius auf einer Reise in Spanien entdeckt und zu seinem Diakon, Stellvertreter und Finanzchef gemacht haben. Dann sei Bischof Sixtus wenig später einer Christenverfolgung erlegen und sein Diakon habe den Kirchenschatz lieber unter den Armen Roms verteilt, als ihn dem Kaiser auszuliefern.

Kaiser Valerian war „not amused” und rächte sich an Florianus, indem er ihn zuerst geißeln, mit Bleikugeln schlagen und zwischen heißen Platten toasten ließ, bevor Kerkermeister Hippolytus den Auftrag erhielt, den zähen Dissidenten am Rost gar zu grillen. Was dieser zum Schluss angeblich damit quittierte, dass er zuletzt sein gegrilltes Fleisch noch ironisch selbst anbot. Vollstrecker Hippolytus war jedenfalls derart stark beeindruckt, dass er sofort nach Laurentius Exekution der römischen Christengemeinde beitrat und höchstpersönlich sein Opfer Laurentius bestattete.

Die makaberen Geschichten könnten allerdings auch erst zu Kaiser Konstantins Zeit (313 - 337) erfunden worden sein, als sich dieser aus dem organisierten Christentum seine schärfste ideologische Waffe schmieden ließ, und dafür bereits auf hunderte legendäre Märtyrer (Blut-Zeugen) zurück greifen konnte. In Rom ließ der mörderische Fuchs fluchs eine Kirche S. Laurentius ex muros (außerhalb der Stadtmauer), heute San Lorenzo fuori le mura, eine der sieben Hauptkichen Roms, über dem angeblichen Grab erbauen und Lorenzo zum Stadtpatron machen.


San Lorenzo fuori le mura, Rom

Trotz Stephanus, dem zweiten Stadtpatron Roms, der ihm von Konstantinopel kommend im 5. oder 6. Jahrhundert in den Sarkophag dazu gelegt worden sein soll, sind wir damit natürlich noch nicht bei Laurentius Verbindungen zu den älteren keltischen Heroen. Dazu schnuppern wir noch ins süddeutsche und alpine Laurenzi-Brauchtum, das uns im Nu offenbart, dass unsere keltischen Vorfahren wohl eine Art eigenen Laurentius oder Lenz hatten, der hierzulande bis Lauriacum/Lorch und zu den Feuerwehren auch der mythologische Vorgänger des legendären Florianus gewesen sein dürfte.

Martin Luther wusste noch zu berichten, dass man dem Feuerpatron Laurentius St. Florianals Gesellen zugegeben” hätte und dass auch am Laurenzi-Tag „kein Christen-Mensch ein Feuer anzünde” und niemand dürfe sich mit einem brennenden Lichte den Häusern nähern. Es herrschte weiters die Ansicht, dass sich am Laurenzi-Tag die Erde öffne und ihre Schätze zeige. Laurentius hatte auf das Wetter Einfluss. Zu seinem Tag begann der Herbst. Laurentius half im Weinberg, dass die Trauben reiften, und nicht zuletzt - wie Apollonia - bei Zahnschmerzen.

Die Feuertabus weisen auf Keltenheros Belenus bzw. Beltene, die Nacht zum 1. Mai, in der alle Feuer gelöscht werden mussten, um sie an einem gemeinsamen Feuer an zentraler Stelle rituell neu zu entzünden. Zu Beltene gehört auch die angebliche Öffnung der Erde, die auf die Öffnung der keltischen Anderswelt hinweist. Der Wein deutet ebenso auf Lug und Lugnasad (das Keltenfest zum 1. August) wie Apollonia, die eine weibliche Form von Apollon darstellt. Es geht um Licht, Inspiration und die Heiler-Komponenten alter Keltenheroen - und um eine gute Ernte.


  Kurzsteckbrief: Hl. Laurentius ^
Namenvarianten:   Laurenz, Lorenz, Löns, Lenz
Festtermin:   10. August
Namensdeutung:   Der Lorbeerbekränzte, Bürger aus Laurentum
Symbole:   Rost, Geldbeutel, Palmzweig
Mythol. Funktion:   Licht- und Feuerpatron, Augen- und Zahnwehpatron, Wein- und Wetterpatron, Fegefeuerpatron und Seelenhüter
Parallelen zu:   Apollon, Belenus, Lug, Florianus, Hippolytus, Stephanus
Zugeh. Bethe(n):   Wilbeth/Katharina, Ambeth/Margaretha, Borbeth/Barbara
Verehrungsorte:   Rom, Lorch, Lorenziberg (K), div. St.Lorenzen, Wilten, Ybbs
Alpine Einführg.:   Mitte des 13. Jh.

>Buchtipp:     ^
  Erhard Gorys
Lexikon der Heiligen

München (dtv) 2004
 

© Georg Rohrecker

Update: 02.05.2009

 

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