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Hl. Lucia
Die glänzende Mittwinterfrau* – 13. Dezember

Hl. Lucia
vor Madonna mit Kind
,
Francesco Vanni, c. 1600

(Privatbesitz)
 

Lucia, die „beim Morgenschein Geborene”, ist eine der vielen legendären „Jung-frauen” der katholischen Kirche, die eine nach der anderen, mit den fantastisch-sten Geschichten bewehrt, die kaum lösbare Aufgabe zugewiesen bekommen hatten, in den ehemals keltischen Ländern die Bethen, die hellen, glänzenden „Perchten” zu verdrängen und zu überstrahlen.

Lucia soll in Syrakus im sonnigen Sizilien geboren worden sein. Ihr Name geht je-denfalls unmittelbar auf das Licht (lat. Lux) zurück, und verbindet die „beim Mor-genschein Geborene” direkt mit Lucifer, den vom Christentum verteufelten „Sohn (-Geliebten) der Morgenröte”! Bevor Papst Gregor XIII. (1572-1585) im Jahr 1582 per Bulle „Inter gravissimas” und angemaßter Kraft seines „Amtes” den Kalender reformierte, indem er schlicht zehn Tage strich, war Lucias Festtag, der 13. Dezember, durch den bis dahin gültigen aber seit Cäsar bereits zehn Tage „vor gehenden” Julianischen Kalender, der Tag (nach) der Wintersonnenwende, der Termin der Wiedergeburt des Lichts!

Gregor erließ übrigens auch antisemitische Bullen (z.B. die Bulle „Sancta mater ecclesia”), und zum katholisierten Brauchtum zur Lichtjungfer Lucia gehört das Räuchern - ein uraltes Reinigungsritual, von dem der Begriff Rauhnächte stammt - mit „Judenkohle”, das von jenem Holz stammt, das am Ostersamstag rituell verbrannt wird. Es muss von der Schlehe (pruno spinosa) vulgo Schwarz-dorn sein, dem Strauch der „Schwarzen” Magie, aus dessen Zweigen der Legende nach die Dornenkrone Christi geflochten gewesen sein soll. Bei unseren lebens-lustigeren „heidnischen” keltischen Ahnen war der von der römisch-katholischen Kirche verteufelte Schlehdorn - wie der Apfel ein Rosengewächs - u.a. wegen seiner vielen frühen (fünfstrahligen) Blüten allerdings noch ein Symbol besonderer Fruchtbarkeit und Ewigen Lebens gewesen!

Lucias makabere „christliche” Symbole sind aber keinen Dornenkronen! Sie hat statt dessen in der Regel ein Schwert im Hals und/oder ein Paar Augäpfel auf einer Servierplatte. Letztere sollen die seherische Kraft ausdrücken, die für ihre hellen, weißen und weisenden „heidnischen” Vorgängerinnen bezeichnend war, und sie selbst als „getaufte” Lichtgöttin ausweist. Solche Augäpfel zieren übrigens auch Ottilia, die Patronin des Elsass und der Blinden, die sich ebenfalls auf dem 13. Dezember breit gemacht hat.
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*) © Lore Kufner (für "Mittwinterfrau")


  Kurzsteckbrief: Hl. Lucia ^
Namenvarianten:   Luzia, Luzi, Luzel, Lucka, Zeilie
Festtermin:   13. Dezember (zeitgleich mit Ottilia)
Namensdeutung:   Morgenlicht
Symbole:   Augen in Schale/Teller
Mythol. Funktion:   Lichtbringerin
Parallelen zu:   Ottilia
Zugeh. Bethe(n):   Wilbeth/Katharina
Verehrungsorte:   Metz, Niedernsill, Tratten
Alpine Verbreitg.:   Ende des 15. Jh

> Buchtipps:     ^
  Lore Kufner
Getaufte Götter

Heilige zwischen Mythos und Legende
München (J. Pfeiffer) 1992.
 
       
  Erni Kutter
Der Kult der Drei Jungfrauen

Eine Kraftquelle weiblicher Spiritualität neu entdeckt
Norderstedt (Books on Demand) 2003
 

© Georg Rohrecker

Update: 06.02.2007



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