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Taferl
(Bez.
Melk)
Maria Taferl
Die Gottesmutter auf und
unter dem keltischen Taferlstein
Maria
Taferl über dem ehrwürdigen Fluss der Urmutter Danu
kann es aus vielen Gründen durchaus mit der berühmten und
und selbst von Kanzlern begehrten Wallfahrt Mariazell
„aufnehmen”. Vor allem hat die Wallfahrtsstätte
nahe Ybbs an der Donau alles das, was schon tausende
Jahre vor Christus einen bedeutenden Heiligen Ort ausmachte:
Dominante (für einen Licht-Kult
geeignete, heute auch „malerisch” genannte) Lage,
Heiligen Stein, Heilige Quelle,
Heiligen Baum! Ja, nicht nur ein uralter Kult-Stein
sondern auch ein besonderer Baum spielt in der relativ
jungen katholischen Gründungslegende von Maria Taferl eine Rolle,
eine sogenannte Wundereiche, von deren letzten Eicheln
angeblich der jetzige Eichenbaum des Wallfahrtsortes stammt.
Aber der „unvergängliche” Heilige
Stein war natürlich der ursprüngliche „Bauchnabel”
und Hauptanziehungspunkt der prähistorischen Kultstätte. Auch
wenn er leider mittels Suchmaschine der Wallfahrts-Homepage
(Link siehe unten) nicht zu finden ist! Die
„Landeswallfahrt” Niederösterreichs,
die den Höhenrücken über Marbach an der Donau im „germanisch
inspirierten” so genannten Nibelungengau zwischen Ybbs und Melk
krönt, trägt dabei sogar noch im Namen den „heidnischen”
Taferlstein, der nicht nur in vorchristlicher
Zeit die Hauptattraktion des Kultplatzes bildete, sondern bis
1774 direkt vor dem Hoch-Altar der katholischen Wallfahrtskirche
aufgestellt war.
Der einst namengebende Kultstein wurde später
zwar „delogiert”, doch ist seine Bedeutung bis heute
ungebro-chen. Nach fast zweihundertjährigem Aufenthalt vor
dem Portal der vor 60 Jahren zur Basilika erhobenen Kirche, wurde
er noch einmal versetzt und bildet nun als eine Art Omphalos
(gr. für Nabel), von einer Balustrade umge-ben, den dominanten
Anziehungspunkt auf der Ost-Seite des Kirchenplatzes.
Abb.
re.:
Der Taferlstein von Maria Taferl |
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Und an der Nord-Seite der Kirche? Was finden wir endlich da? Richtig:
Das für ehemals keltische Wallfahrten natürlich obligatorische
Heilige „Bründl”, das einst sogar
Paracelsus aufgesucht hatte, der - wo er nur konnte
- Anschluss an die Naturmedizin seiner und unserer Ahnen suchte!
Die Kirche selbst ist interessanterweise der „Schmerzhaften Muttergottes”
(Mater dolorosa) geweiht, einem eher
wenig verbreiteten Patrozinium, doch der zugehörige Festtag hat
es in sich: Das damit verbundene Marienfest „Zweiter Siebenschmerzentag”
wird am 15. September begangen, genau einen Tag vor
dem 16. September, der bis in die späten 60er
Jahre des 20. Jahrhunderts den Drei Bethen,
Wilbeth, Ambeth
und Borbeth (Wilbede, Ambede,
Warbede) gehörte.
Wem das noch zu wenig des Keltischen wäre, der kann ja vom westlich
gelegenen Ysper im Yspertal (zwei
kelt. Namen!) aus eine Fußwallfahrt über den alten Bethensteig
(!) machen. Dieser prähistorische Wallfahrtsweg führt zwischen
dem Gall(!)eck (vgl. kelt. Bergnamen)
und dem Sulzberg (Salzberg) gesäumt von diversen
„Roten” u.a. Kreuzen, den katholischen Varianten der heidnischen
Hermen, bis nach Maria Taferl.

Historische
Ansicht: Maria Taferl unter Yps (Ybbs)
Wer
schließlich von jenseits der Donau aus dem Süden durch das
Erlauftal kommt, passiert sicher Golling(!) (vgl. Ortsnamen)
bevor er bei Krumnußbaum (wahr-scheinlich einst
Ort eines Hl. Baumes) mittels Fähre die Donau
überquert. Den Pilgern früherer Zeiten entging auf diesem
Wege zuvor sicher kaum das Steinbründl bei Wallen(!)bach,
nahe dem noch heute der Flurname „Bei der Bildeiche”
eingezeichnet ist – offensichtlich ein per Heiligenbild „christianisierter”
Baum-Kultplatz – und wo einst eine prähistorische
Fähre hinüber zum „heid-nischen” Taferl situiert
gewesen sein mag.
©
Georg Rohrecker
Update:
15.03.2008
