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(Flachgau)
Mattsee & Zellhof am Grabensee
Keltenstützpunkt auf dem Weg zur Schwarzen Mutter

Zwischen dem prähistorischen Wallfahrtszentrum auf dem Falkenstein bei St. Gilgen, bei dem es seit der Jungsteinzeit um Fruchtbarkeit und Gebären ging, und der ebenso alten Licht-, Heil- und Wiedergeburts-Wallfahrt zur Schwarzen Mutter in (Alt-) Ötting, der späteren Borbeth, dem Heilerinnen-Aspekt in der keltischen Frauen-Trinität, gab es schon vor Jahrtausenden eine starke mythologische Verbindung. Insbesondere verlief zwischen beiden Kultzentren seit Ötzis Zeiten ein Wallfahrtsweg, den unsere keltischen Ahnen zum Wohle der „heidnischen” Pilger in bestimmten Abständen mit „Stützpunkten” versahen.

Diese Straßenstationen an wichtigen Kreuzungen, die – wie die dort angebrachten Steinmale – dem keltischen Hermes, Ermin/Irmid, geweiht waren (den Caesar für den „obersten Gott der Kelten” hielt) hatten profane und sakrale Funktionen. Zu ihrem Unterhalt wurden an derartigen, den Kelten heiligen Orten, „Eremiten” ange-siedelt, die in kleinen, einfachen „Zellen” lebten. Auf dem Weg zwischen Falkenstein und Ötting befanden sich solche Stationen (Celia) in Mondsee, Zell am Wallersee, Mattsee (Zellhof) und Michaelbeuern, die auch während der römischen Besetzung als Kultplätze beibehalten worden sind.

Als sich zuletzt die aus pragmatisch-politischen Gründen „christlich” gewordenen Herzöge der Bajuwaren (= Boier) im 8. „nachchristlichen” Jahrhundert eine eigene Staatskirche schaffen wollten, wandelten sie dazu die alten keltischen Stationen/ Zellen in katholische Klöster und Verwaltungsstützpunkte im ehemaligen Keltenland um. Dies ließ sich allerdings erst verwirklichen, nachdem dafür durch Herzog Odilo ab dem Jahr 739 die materielle Basis auf feudaler Grundlage geschaffen wurde, eine neue Verfassung, die - nach Art moderner Regierungspropaganda - ganz un-verschämt als Baierisches Volksrecht apostrophiert ward, und die bislang freien Bauern ab sofort dazu zwang, dem katholischen Klerus Naturalabgaben und Fron-dienst zu leisten.


Tassilo III.
 
Was Vater Odilo geschickt vorbereitet hatte, sollte Sohn Tassilo III. dann ab der Mitte des 8. Jahrhunderts ef-fektiv umsetzen. Auf unserem prähistorischen Wall-fahrtsweg vom Falkenstein nach Ötting entstanden so, auf prähistorischer Grundlage und wohl dotiert durch feudale Abgaben, nacheinander die Klöster Mondsee (ca. 750), Mattsee (ca. 760) und Michaelbeuern (ca. 770). – Und es ist natürlich kein Zufall, sondern plausible Konsequenz, dass damals alle drei Klöster dem katho-lischen Hermesnachfolger, „Kampfengel” und Seelen-Begleiter Michael geweiht wurden! (Mehr dazu in: Georg Rohrecker, „Die Kelten Österreichs”, S. 168-173. - Siehe Buchleiste oben!)

In Mattsee, einem alten Verkehrsknotenpunkt in malerischer Lage, hatten schon die Menschen der Jungsteinzeit (ca. 5000 – 2500 v.) gesiedelt. Sie nutzten dazu zuerst das Areal des Schlossberges. Auf dem größeren Plateau des Buchberges erbauten dann Menschen der Bronzezeit ( ca. 2500 – 1250 v.) eine Siedlung, die auch noch in der Eisenzeit (ca. 1250 – 15 v.) also zur Zeit der Kelten bestand, von denen auch die Grabhügel westlich des Buchberggipfels stammen. (Fundstücke im Salzburger Museum) Aus den in keltischer Spätzeit entstandenen Gehöften rund um Mattsee wurden dann in der Römerzeit (ab 15 v.) protzige Landvillen (z.B. in Obernberg, Schalkham und Mölkham), deren Reste die umwohnenden Bauern später als billige Steinbrüche verwendeten, bis ins 19. Jh. als prosaischen Kalk-Dünger auf ihren Feldern verteilten, und so die letzten Reste antiker Kultur zuletzt tatsächlich „dem Erdboden gleich” machten.

Relativ ungestört war bis zu den – selbst mit keltisch-böhmischen Wurzeln (= Boier!) gesegneten – Bajuwaren (ab ca. 600 n.) die ursprüngliche keltische Straßen-Station (incl. Kultplatz, Zellen und Heiliger Quelle) geblieben, die sich etwas abseits von Mattsee im heutigen Zellhof befand, das damals noch nicht über eine Landverbindung zu erreichen war. (Vom ehem. Fährbetrieb für Pilger u.a. Reisende zeugt heute noch der Flurname Überfuhr.)

Zellhofer Kelten-Events zu Samhain und Beltene
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Die Zellhofer Filialkirche Zur Mutter Gottes, die Keimzelle von Stift Mattsee, war ursprünglich dem Frühlings-Heros Georg (23./24. April) geweiht, dem dort ebenso eine eigene Wallfahrt galt, wie seinem „Kollegen” Leonhard (6.11.). Wie Georg auf das keltische Beltene-Fest (1. Mai) des Heros Belenus verweist, so sein Kompagnon auf das keltische Jahreswechselfest Samhain (1.11.), bei dem Leonhards mythologischer Vorgänger Ogmios, Heros der Beredsamkeit, dafür sorgte, dass die keltische Festgemeinde von der Rede- und Weissagekunst des priesterlichen Vortragenden gefesselt war.

Abb. re: Filialkirche Zellhof

 

Georg und Leonhard sind nicht zuletzt ausgewiesene „Pferde-Patrone”, hinter denen in beiden Fällen mit dem Pferd verbundene keltische Licht- und Orakelsymbolik steckt. (Weiße Pferde galten den Kelten als orakelkundige MittwisserInnen der Dreifachen Göttin!) Wir können daher davon ausgehen, dass am Platz von Zellhof bei Mattsee in der Zeit der Kelten einerseits die beiden Hauptfeste Samhain und Beltene ausgiebig gefeiert wurden, und andererseits an dieser Stelle keltische Licht-, Kult- und Orakel-Events stattfanden. (Das ehem. Gnadenbild, eine Kopie der „Schwarzen Madonna von Ötting”(!) steht heute im Stiftsmuseum.)

Auf dem Wartstein, der westlich von Mattsee in den Obertrumersee ragt und seinen Namen von einer keltischen Wach- und Lichtsignalstation hat, befindet sich ebenfalls eine Wallfahrt mit prähistorischen bzw. keltischen Wurzeln. Die den Kultplatz markierende Kapelle ist heute Anna, der Mutter der Gottesmutter geweiht, die zwar im Neuen Testament eigentlich gar nicht vorkommt, dafür aber unverblümt den alten Namen der keltisch-heidnischen Urmutter Danu/Ana trägt, der u.a. auch im Namen der keltischen Ambeth, dem Fruchtbarkeits-Aspekt ihrer Dreifachen Muttergöttin (vgl. Bethen) enthalten ist: Ana-Beth. (Anna ist also nichts anderes als die Urmutter, die Mutter der alten Frauentrinität, zu der der Volksmund ebenso treffend weiß: „Anna war ein selig Weib. Drei(!) Marien gebar ihr Leib!”)

Tausend Meter westlich vom Wartstein, am gegenüberliegenden Ufer des Obertrumersees, erblickt man die dritte Wallfahrt im engsten Umkreis. Auch in Seeham gab es einst ein „Augenbründl” samt Wallfahrt um´s Johanniswasserl. Seehams Kirchenpatron Johannes der Täufer führt uns nicht nur hin zum nassen Element des Lebens, sondern auch auf einen weiteren ehemaligen Lichtkultplatz. Sein Kopf auf der Schüssel weist ebenso auf die Sonnensymbolik, wie sein Festtag. Wie Jesus einst im Laufe der „Christianisierung” auf die Winter-Sonnenwende bzw. den Ehrentag des „Sol invictus” (dt. Unbesiegbare Sonne) am 24./25. Dezember gesetzt wurde, so sein „Vorläufer” Johannes im Abstand von genau einem halben Jahr (24. Juni) auf die Sommer-Sonnenwende.

Ehemals keltisches Kultzentrum Mattsee
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Nun haben wir aber Stift Mattsee selbst eingekreist, den kulturellen Mittelpunkt des heutigen „Drei-Seen-Gebietes” das ursprünglich aus einem einzigen See bestand. Sein hohes Alter ist dem Stift nicht mehr so recht anzusehen. Die „Außenhaut” entspricht dem Geschmack des 18. Jahrhunderts. Doch mit Hilfe der Stiftskirche – zu der es keine zusätzliche Wallfahrt gab – lassen sich Spuren erkennen, die zumindest in ihrer Symbolik bis zu den Kelten zurückreichen bzw. nur unter deren Einbeziehung zu entschlüsseln sind.


Stift Mattsee
 
Das gewählte Patrozinium zum Erzengel Mi-chael hatte ursprünglich sowohl eine poli-tische Bedeutung als auch eine, um mit geringem Aufwand an vorchristliche Glaubensvor-stellungen anknüpfen zu können. Mattsee liegt, wie wir schon aufgezeigt haben, auf einem prähistorischen Pilgerweg bzw. auf einer wichtigen Station desselben. An solcher Stelle musste mit Bedacht vorgegangen werden, um die Heroen der Kelten „glaubhaft” mit christlichen Heiligengestalten überdecken zu können. Wie an den beiden anderen Kultplätzen Mondsee und Michaelbeuern sollte auch in Mattsee auf den alten Ermin bzw. Hermes (Merkur) der römischen Besatzungszeit Michael folgen, der dazu „günstige” mythologische Parallelen aufweist.

Ober-Erzengel Michael wird schon mit seinem Drachen oder Lindwurm (vormaliger symbolischer Begleiter der Urmutter als Sinnbild des ewigen Kreislaufes von Geburt, Tod und Wiedergeburt) als ehemaligen Heros einer Muttergöttin „legitimiert”. Michaels Lanze symbolisiert die Verbindung/Vereinigung von Himmel und Erde, jene Befruchtung, die die „Heiden” ihren lichtgewaltigen Heroen und Atmosphäregöttern (z.B. Taranis) zuschrieben. Und seine Seelenwaage, mit der sich vor ihm z.B. auch Hermes schmückte, deutet auf seine Funktion hin, nicht nur die Pilger, sondern auch die Seelen zu begleiten – über die Schwelle des Totenreiches. Aus Michaels Legende erklärt sich schließlich, warum er insbesondere an Kultplätzen auf Bergen, in Höhlen, an Quellen und bei Wegkreuzungen etabliert wurde.

Auf dem barocken Hochaltarbild der Stiftskirche sehen wir zwar Michael als Heros einer männlichen Trinität, doch als KeltenkennerInnen sehen wird dahinter unschwer jene andere, die weibliche Trinität der Drei Bethen, die für den ewigen Kreislauf von Geburt-Tod-Wiedergeburt „zuständig” waren, für Licht, Fruchtbarkeit und Heil, und denen sich unsere Ahnen vor der Einführung des Christentums, vor Himmel, Hölle usw. anvertrauten. Bereits Kaiser Konstantin hatte sich des biblischen Michael bedient und z.B. aus dem byzantinischen Tempel für den Heilergott Asklepios ein „Asklepion-Michaelion” machen lassen. (Asklepios diente bei uns zur Römerzeit als Verkleidung des Keltenheros Belenus!) Die über die Bajuwaren triumphierenden Franken erkoren sich unter Karl d.Gr. den Kampfengel Michael schließlich zum Reichsheiligen und legten seinen Festtag auf den 29. September, der bei ihnen bis dahin dem „Haudrauf” Wotan/Odin geweiht war.

Der zweite Hermes-Bruder Christophorus
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Ähnlich Michael können wir nun auch den zweiten Heros und Seelenbegleiter leicht entschlüsseln. Im nördlichen Seitenschiff der Stiftskirche schaut er uns von einem spätgotischen Fresko entgegen: Christophorus (Festtag 24./.25. Juli) mit seinen unübersehbaren Analogien zu Lug (Lugnasad 1. August), Hermes und Dagda. Den Gottessohn zu tragen, hat Christof – wie wir oben schon aufgedeckt haben – von Hermes mit dem Dionysosknäbchen abgekupfert. Und seine Keule erinnert schließlich einerseits an den Stab des Hermes/Michael, andererseits an die über Leben und Tod entscheidende, in den heimischen Maibäumen verewigte, gewaltige ambivalente Keule des Keltenheros Dagda – vom totbringenden, dicken unteren Ende bis hin zum dünnen, grünenden oberen, das Tote wieder beleben kann, ihre irdische(!) Auferstehung bewirkt.

Der heute makabererweise bei Autofahrern beliebte Dagda-Ersatz Christophorus ist nicht nur Schutzpatron der Reisenden, sondern insbesondere Nothelfer der Sterbenden – also Seelenbegleiter! Ein Job auf den auch sein Beiname Kynokephalos („Hundsköpfiger”) hinweist. Hundsköpfig war schon der ägyptische Totengott Anubis, und hundegestaltig der ehemalige griechische Totengott und spätere Seelen-Fährmann Charon, ähnlich dem etruskischen Totengott Charun mit dem Hammer. Und Hunde waren schließlich den Kelten symbolische Begleiter ihrer (vorübergehend) Toten bzw. ihrer unsterblichen Seelen in die paradiesische Anderswelt, wo die Schwarze Borbeth – die Ahnin der heutigen „Schwarzen Madonnen” – auf dem Weg zu ihr nicht nur Ötting-Pilgern Heilung vom Tod und irdische(!) Wiedergeburt versprach.

Bilder: Stift Mattsee


© Georg Rohrecker

Update: 30.12.2007

 

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