Statistics

Die Kelten Österreichs Druiden - Wilde Frauen - Andersweltfürsten ErlebnisWandern Tennengau Georg Rohrecker ErlebnisWandern Rund um Salzburg
 
Keltenerbe in den
Heiligengestalten
- Auswahl -

Home > Kelten-Erbe > Heiligengestalten > Heiligengestalten P > Pankratius

Pankratius
Der Alleskönner, Lug(h)bruder und Eisheilige – 12. Mai

S. Pancrazio
Marmorskulptur von
Filippo Parodi, 1698
Chiesa di S. Pancrazio, Genova

 

Wie könnte es anders sein: Auch der Hl. Pankratius hat letztendlich keine his-torischen – im Zusammenhang mit seiner Einführung im Ostalpenraum wohl aber „keltische” – Wurzeln! Er gehörte ursprünglich zu den unzähligen Propa-gandaheiligen, mit denen die römisch-katholische Staatsreligion einerseits das vorchristliche Römische Kaiserreich verunglimpfte und anderseits zigtausende „Blut-Zeugen” für die eigene Überlegenheit aus dem Märtyrerhut zauberte, in dem sie sich in der Spätantike tatsächlich „wie die Karnickel” vermehrten. Was ja auch deshalb kein Wunder war, als jeder neue christliche Altar auf den Resten (Reliquien) eines solchen „Heiligen” begründet sein musste, und deshalb die Produktion fiktiver Heiliger und der Verkauf von deren angeblichen Reliquien (die massenhaft mit Tierknochen „gepanscht” oder „gestreckt” wurden) zu einer hoch profitablen Industrie geriet.

Nach dem bewährten – sattsam abgedroschenen – Muster des überwiegenden Teils der katholischen Heiligenlegenden, war natürlich auch Pankratius ein Opfer der Christenverfolgerei unter dem bösen Kaiser Diokletian, dem Lieblingsfeind katholischer Heiligenerfinder. Doch der Reihe nach: Zuerst soll um 290 einem reichen Römer in Phrygien in Kleinasien ein Sohn geboren worden sein, der auf den griechischen Namen Pankratios (Alleskönner, Allesbeherrscher) getauft wurde. Früh verwaist zog der Knabe mit seinem Onkel Dionys(!) im Jahre 303 nach Rom, um dort sein ererbtes Vermögen unter armen Christen zu verteilen. Das missfiel dem bösen Kaiser Diokletian, der im Jahr 304 den jugendlichen Wohltäter fassen ließ.

Und weil Pankratius von seinem Glauben nicht lassen wollte, ließ ihn der Kaiser schließlich enthaupten und seine Überreste den Hunden zum Fraß vorwerfen. Hernach kam eine obligate fromme Witwe, sammelte die abgenagten Knochen ein und bestattete sie in den Katakomben an der Via Aurelia in Rom. Dort ließ dann im Jahr 500 „Papst” Symmachus – selbst ein „Heiliger”, ein skrupelloser Bestechungs-Künstler und großer Urkundenfälscher vor dem Herrn – die Kirche San Pancrazio fuori le mura („außerhalb der Stadtmauer”) errichten.

Auf diesem Fundament stand der europaweiten Verbreitung der christlichen Pan-kratz-Verehrung nichts mehr im Weg. Was natürlich weit weniger an der frommen Biographie lag, als an der Programmatik des Namens („Allmächtiger”), die sich ganz und gar nicht zufällig mit den Qualifikationen eines großen Kelten-Heros deckte: Lug(h)!

Lug „Samildánach”, der Kelten-Heros hinter dem Hl. Pankraz
 ^

Lug, der Leuchtende, der Helle, war nicht nur Lichtheros, Wettermacher, Erd-befruchter und Heiler, er war allwissender, omnipotenter Meister aller Künste („Samildánach”), zu dessen „Überwindung” die katholische Mission insbesondere ihre Heldenfiguren Georg, Michael und Pankratz einzusetzen suchte. So sind die ehemals keltischen Ostalpen bis heute übersät mit derart „kontaminierten” Kult- und Wallfahrtsorten. Was Pankra(t)z betrifft, finden wir ihn (analog zu den Kollegen Georg und Michael) auf Bergeshöhen oder ähnlich markanten, erhöhten Punkten und Geländespornen, die für den ursprünglichen Lichtkult besonders geeignet gewesen sind.

Ein Musterbeispiel für einen solchen ist der so genannte Pankrazen- oder Pankrazberg bei Fügen im Zillertal. Die Hauptattraktion der dortigen Wallfahrtskirche St. Pankraz war über die Jahrhunderte ein wundertätiges „Haupt des Hl. Pankraz” (heute in einem Schrein am Hochaltar) eine wundertätige Kopf-Reliquie, die einerseits den Ort als „kleinere Ausgabe” des keltischen Lichtkultplatzes Hohe Salve ausweist. Andererseits konnte der leichter erreichbare Pankraz-Kopf gegen Entgelt nicht nur gemäß dem Lauf der Sonne um den Kultort getragen, sondern auch als Instrument des Exorzismus verwendet werden. Womit sich die „abergläubische” Verwendung vom alten Licht-Kult bis zur praktischen Vertreibung von lästigen Mäusen erstreckte! Die Einnahmen aus dem vielfältigen Gebrauch des Schädels des heiligen Allrounders waren in Fügen im Zillertal jedenfalls beträchtlich.

Noch weit näher an keltischen Glaubensvorstellungen war der Inhalt der Wallfahrt zu St. Pankratz bei St. Aegidi im Hausruckviertel in Oberösterreich. Hier, unweit des Zisterzienserstiftes Engelszell an der Donau war das Wallfahrtsziel nicht einfach eine Heilige Quelle, die schon den Kelten als Mittelpunkt eines Licht- und Fruchtbarkeitskultes gegolten hatte. An dieser Stelle spielten noch immer, bis fast zweitausend Jahre nach „Christi Geburt”, justament Tiere, konkret Pferde – einst orakelkundigeMitwisserinnen der Göttin” – die kultische Hauptrolle im rituellen Wallfahrtsgeschehen.

Die Tiere dreimal um den Kultplatz zu führen, wäre allein zwar auch nicht „christlich” gewesen, doch dieser Teil des rituellen „keltischen Erbgutes” wurde und wird noch an unzähligen anderen Plätzen im Bereich der Ostalpen zelebriert. (Insbesondere an Georg- und Leonhard-Wallfahrtsstätten!) Was den Kultplatz über der Donau besonders auszeichnete, war die Tatsache, dass die Wallfahrer hier nicht für sich selbst Heil suchten, sondern eben für die mitgeführten (manchmal bis zu dreitausend!) Pferde, die durch rituelles Auswaschen ihrer Augen in den Genuss der alten „Quelle der Inspiration” kamen. - Kein Wunder, dass die Kirche im Jahre 1781 auf kaiserlichen Befehl gesperrt und in den folgenden Jahren demoliert wurde.

Exponierte Lage und möglichst eine angeschlossene Heilige Quelle, das zeichnet auch die anderen heute mit Pankraz verbundenen alten Kultplätze aus. (Darunter St. Pankraz bei Nußdorf nahe Salzburg, die ehemalige Panrazikapelle in Wurmbrand bei Zwettl, Pongratzen bei Hartberg, St. Pankraz bei Oberwölz, St. Pongratzen am Radlberg an der Grenze zu Slowenien usw.) Wobei mit der Zeit das ursprüngliche Licht- und Orakelsymbol Pferd aus dem Alleskönner Pankraz, der im Dienste der katholischen Kirche seinen keltischen Vorläufer Lug zu überstrahlen hatte, auch noch einen beliebten Ritter-Patron machte, der sich – ähnlich seinem Pendant Georg – vorzüglich als den Sieg beschwörender Patron von Burgkapellen eignete.


Wallfahrtskirche St.Pankratz, bei Karlstein, kelt. Wiege von Bad Reichenhall, Bild: © Markus Lerach

Auch derart kraft- und eindrucksvolle Spuren des nachkeltischen Alleskönners sind im Ostalpenraum vielerorts zu finden – bis hin schließlich zu den speziellen Spursteinen von St. Pankrazen nahe dem Zisterzienserstift Rein bei Graz, die von einer Rast des Heiligen derart „beeindruckt” worden sein sollen, dass sich an einem Stein das heilige Gesäß des Pankraz verewigen konnte, am anderen fünf Finger seiner heiligen Hand. Überhaupt scheinen die Zisterzienser nicht unschuldig gewesen zu sein an einem Teil der Verbreitung des Pankraz-Kultes als Antwort auf den bis dahin hierzulande offensichtlich noch immer lebendigen Lug.

Was nicht zuletzt die Spuren im christlichen Kalender betrifft, hängt der Termin (12. Mai) einerseits mit der Zeugungskraft eines omnipotenten Fruchtbarkeits-Heros und Erd-Befruchters zusammen (vgl. Georg, Florian usw.). Damit sind wir andererseits endlich auch beim himmlischen Wettermacher und „Eisheiligen”, der Blitz und Regen - oder gar Eis und Schnee - schickt, um die empfangsbereite Mutter Erde zu befruchten, zu „begatten” - wie einst sein mythologischer Vorgänger Lug, der in der inselkeltischen Variante zuständig war für die Befruchtung der prähistorischen Erd-Muttergöttin Tailtiu (die Wohlgeformte).


  Kurzsteckbrief: Hl. Pankratius ^
Namenvarianten:   Pankratz, Pankraz, Pancrazio, Blancard, Camprace
Festtermin:   12. Mai
Namensdeutung:   Der Allesbeherrscher, Alleskönner
Symbole:   Palmzweig, Schwert, Ritterüstung, Korb mit Rosen
Mythol. Funktion:   Patron von Saat und Blüte, Kinderpatron, Eisheiliger (Wetterpatron), Pferdepatron, Ritterpatron, Patron gg. Meineid und falsches Zeugnis
Parallelen zu:   Apollon, Dagda, Lug (L. Samildanach), Georg, Oswald
Zugeh. Bethe(n):   Wilbeth/Katharina, Ambeth/Margaretha, Borbeth/Barbara
Verehrungsorte:   Florenz, Rom, Genua, Bad Reichenhall (Karlstein), Raitenhaslach/ Burghausen, div. St. Pankra(t)z, Pongratzen und Pankrazenberge
Alpine Verbreitg.:   Mitte des 12. Jh.

>Buchtipp:     ^
  Gustav Gugitz
Fest- und Brauchtumskalender

Für Österreich, Süddeutschland und die Schweiz
Wien (Hollinek) 1955
 

© Georg Rohrecker

Update: 01.05.2009

 

SITEMAP