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Pankratius
Pankratius
Der Alleskönner,
Lug(h)bruder und Eisheilige – 12. Mai
Wie
könnte es anders sein: Auch der Hl. Pankratius
hat letztendlich keine his-torischen – im Zusammenhang
mit seiner Einführung im Ostalpenraum wohl aber „keltische”
– Wurzeln! Er gehörte ursprünglich
zu den unzähligen Propa-gandaheiligen,
mit denen die römisch-katholische Staatsreligion einerseits das
vorchristliche Römische Kaiserreich verunglimpfte und anderseits
zigtausende „Blut-Zeugen”
für die eigene Überlegenheit aus dem Märtyrerhut zauberte,
in dem sie sich in der Spätantike tatsächlich „wie die
Karnickel” vermehrten. Was ja auch deshalb kein Wunder war, als
jeder neue christliche Altar auf den Resten (Reliquien)
eines solchen „Heiligen” begründet sein musste, und
deshalb die Produktion fiktiver Heiliger und der Verkauf von deren angeblichen
Reliquien (die massenhaft mit Tierknochen „gepanscht” oder
„gestreckt” wurden) zu einer hoch profitablen Industrie
geriet.
Nach dem bewährten – sattsam abgedroschenen – Muster
des überwiegenden Teils der katholischen Heiligenlegenden, war
natürlich auch Pankratius ein Opfer der Christenverfolgerei unter
dem bösen Kaiser Diokletian, dem Lieblingsfeind
katholischer Heiligenerfinder. Doch der Reihe nach: Zuerst
soll um 290 einem reichen Römer in Phrygien in Kleinasien ein Sohn
geboren worden sein, der auf den griechischen Namen Pankratios
(Alleskönner, Allesbeherrscher)
getauft wurde. Früh verwaist zog der Knabe mit seinem Onkel Dionys(!)
im Jahre 303 nach Rom, um dort sein ererbtes Vermögen unter armen
Christen zu verteilen. Das missfiel dem bösen Kaiser Diokletian,
der im Jahr 304 den jugendlichen Wohltäter fassen ließ.
Und weil Pankratius von seinem Glauben nicht lassen wollte, ließ
ihn der Kaiser schließlich enthaupten und seine
Überreste den Hunden zum Fraß vorwerfen. Hernach kam eine
obligate fromme Witwe, sammelte die abgenagten Knochen
ein und bestattete sie in den Katakomben an der Via
Aurelia in Rom. Dort ließ dann im Jahr 500 „Papst”
Symmachus – selbst ein „Heiliger”,
ein skrupelloser Bestechungs-Künstler und großer Urkundenfälscher
vor dem Herrn – die Kirche San Pancrazio fuori
le mura („außerhalb der Stadtmauer”) errichten.
Auf diesem Fundament stand der europaweiten Verbreitung der christlichen
Pan-kratz-Verehrung nichts mehr im Weg. Was natürlich weit weniger
an der frommen Biographie lag, als an der Programmatik des Namens
(„Allmächtiger”), die sich ganz und gar nicht zufällig
mit den Qualifikationen eines großen Kelten-Heros
deckte: Lug(h)!
| Lug
„Samildánach”,
der Kelten-Heros hinter dem Hl. Pankraz |
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Lug,
der Leuchtende, der Helle, war nicht nur Lichtheros,
Wettermacher, Erd-befruchter und Heiler,
er war allwissender, omnipotenter Meister aller Künste
(„Samildánach”), zu dessen „Überwindung”
die katholische Mission insbesondere ihre Heldenfiguren Georg,
Michael und Pankratz
einzusetzen suchte. So sind die ehemals keltischen Ostalpen bis heute
übersät mit derart „kontaminierten” Kult- und
Wallfahrtsorten. Was Pankra(t)z betrifft, finden wir ihn (analog zu
den Kollegen Georg und Michael) auf Bergeshöhen
oder ähnlich markanten, erhöhten Punkten und Geländespornen,
die für den ursprünglichen Lichtkult besonders
geeignet gewesen sind.
Ein Musterbeispiel für einen solchen ist der so
genannte Pankrazen- oder Pankrazberg bei Fügen
im Zillertal. Die Hauptattraktion der dortigen Wallfahrtskirche St.
Pankraz war über die Jahrhunderte ein wundertätiges „Haupt
des Hl. Pankraz” (heute in einem Schrein am Hochaltar)
eine wundertätige Kopf-Reliquie, die einerseits
den Ort als „kleinere Ausgabe” des keltischen Lichtkultplatzes
Hohe Salve ausweist. Andererseits
konnte der leichter erreichbare Pankraz-Kopf gegen Entgelt nicht nur
gemäß dem Lauf der Sonne um den Kultort getragen, sondern
auch als Instrument des Exorzismus verwendet werden.
Womit sich die „abergläubische” Verwendung vom alten
Licht-Kult bis zur praktischen Vertreibung von lästigen Mäusen
erstreckte! Die Einnahmen aus dem vielfältigen
Gebrauch des Schädels des heiligen Allrounders waren in Fügen
im Zillertal jedenfalls beträchtlich.
Noch weit näher an keltischen Glaubensvorstellungen war der Inhalt
der Wallfahrt zu St. Pankratz bei St.
Aegidi im Hausruckviertel in Oberösterreich. Hier,
unweit des Zisterzienserstiftes Engelszell an der Donau
war das Wallfahrtsziel nicht einfach eine Heilige Quelle, die schon
den Kelten als Mittelpunkt eines Licht- und Fruchtbarkeitskultes gegolten
hatte. An dieser Stelle spielten noch immer, bis fast zweitausend Jahre
nach „Christi Geburt”, justament Tiere, konkret Pferde
– einst orakelkundige „Mitwisserinnen
der Göttin” – die kultische Hauptrolle im
rituellen Wallfahrtsgeschehen.
Die Tiere dreimal um den Kultplatz zu führen,
wäre allein zwar auch nicht „christlich” gewesen, doch
dieser Teil des rituellen „keltischen Erbgutes” wurde und
wird noch an unzähligen anderen Plätzen im Bereich der Ostalpen
zelebriert. (Insbesondere an Georg- und Leonhard-Wallfahrtsstätten!)
Was den Kultplatz über der Donau besonders auszeichnete, war die
Tatsache, dass die Wallfahrer hier nicht für sich selbst Heil
suchten, sondern eben für die mitgeführten
(manchmal bis zu dreitausend!) Pferde, die durch rituelles
Auswaschen ihrer Augen in den Genuss der alten „Quelle
der Inspiration” kamen. - Kein Wunder, dass die Kirche
im Jahre 1781 auf kaiserlichen Befehl gesperrt und in den folgenden
Jahren demoliert wurde.
Exponierte Lage und möglichst eine angeschlossene
Heilige Quelle, das zeichnet auch die anderen heute
mit Pankraz verbundenen alten Kultplätze aus.
(Darunter St. Pankraz bei Nußdorf nahe Salzburg, die ehemalige
Panrazikapelle in Wurmbrand bei Zwettl, Pongratzen bei Hartberg, St.
Pankraz bei Oberwölz, St. Pongratzen am Radlberg an der Grenze
zu Slowenien usw.) Wobei mit der Zeit das ursprüngliche Licht-
und Orakelsymbol Pferd aus dem Alleskönner Pankraz,
der im Dienste der katholischen Kirche seinen keltischen Vorläufer
Lug zu überstrahlen hatte, auch noch einen beliebten
Ritter-Patron machte, der sich – ähnlich
seinem Pendant Georg – vorzüglich als den Sieg beschwörender
Patron von Burgkapellen eignete.

Wallfahrtskirche
St.Pankratz, bei Karlstein, kelt. Wiege von Bad Reichenhall, Bild: ©
Markus Lerach
Auch
derart kraft- und eindrucksvolle Spuren des nachkeltischen
Alleskönners sind im Ostalpenraum vielerorts zu finden –
bis hin schließlich zu den speziellen Spursteinen
von St. Pankrazen nahe dem Zisterzienserstift
Rein bei Graz, die von einer Rast des Heiligen derart „beeindruckt”
worden sein sollen, dass sich an einem Stein das heilige Gesäß
des Pankraz verewigen konnte, am anderen fünf Finger seiner heiligen
Hand. Überhaupt scheinen die Zisterzienser nicht
unschuldig gewesen zu sein an einem Teil der Verbreitung des Pankraz-Kultes
als Antwort auf den bis dahin hierzulande offensichtlich noch immer
lebendigen Lug.
Was nicht zuletzt die Spuren im christlichen Kalender betrifft, hängt
der Termin (12. Mai) einerseits mit
der Zeugungskraft eines omnipotenten Fruchtbarkeits-Heros
und Erd-Befruchters zusammen (vgl. Georg, Florian
usw.). Damit sind wir andererseits endlich auch beim himmlischen Wettermacher
und „Eisheiligen”, der Blitz und Regen - oder gar Eis und
Schnee - schickt, um die empfangsbereite Mutter Erde zu befruchten,
zu „begatten” - wie einst sein mythologischer Vorgänger
Lug, der in der inselkeltischen Variante zuständig
war für die Befruchtung der prähistorischen Erd-Muttergöttin
Tailtiu (die Wohlgeformte).
| |
Kurzsteckbrief:
Hl. Pankratius |
^ |
| Namenvarianten:
|
|
Pankratz, Pankraz,
Pancrazio, Blancard, Camprace |
| Festtermin: |
|
12.
Mai |
| Namensdeutung: |
|
Der
Allesbeherrscher, Alleskönner |
| Symbole: |
|
Palmzweig,
Schwert, Ritterüstung, Korb mit Rosen |
| Mythol.
Funktion: |
|
Patron
von Saat und Blüte, Kinderpatron, Eisheiliger (Wetterpatron),
Pferdepatron, Ritterpatron, Patron gg. Meineid und falsches Zeugnis |
| Parallelen
zu: |
|
Apollon,
Dagda, Lug
(L. Samildanach), Georg,
Oswald |
| Zugeh.
Bethe(n): |
|
Wilbeth/Katharina,
Ambeth/Margaretha,
Borbeth/Barbara |
|
Verehrungsorte: |
|
Florenz,
Rom, Genua, Bad Reichenhall (Karlstein), Raitenhaslach/ Burghausen,
div. St. Pankra(t)z, Pongratzen und Pankrazenberge |
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Alpine Verbreitg.: |
|
Mitte
des 12. Jh. |
| >Buchtipp: |
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^ |
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|
Gustav
Gugitz
Fest- und Brauchtumskalender
Für
Österreich, Süddeutschland und die Schweiz
Wien (Hollinek) 1955 |
|
©
Georg Rohrecker
Update:
01.05.2009

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