Statistics

Die Kelten Österreichs Druiden - Wilde Frauen - Andersweltfürsten ErlebnisWandern Tennengau Georg Rohrecker ErlebnisWandern Rund um Salzburg
 
Keltenerbe in den
Heiligengestalten
- Auswahl -

Home > Kelten-Erbe > Heiligengestalten > Heiligengestalten P > Patrick

Patrick/Patricius/Padraig
Der Nationalheile von Irland – 17. März

Der Hl. Patrick
in röm.-katholischer Pose
Giovanni B. Tiepolo (1696-1770)

Musei Civici agli Eremitani, Padova (I)
 

Sauf Dich zum Iren! So lautet heute das griffigste Motto der rund um die Welt in den grünen Klee (Shamerock) schießenden Events zum St. Patrick's Day (17. März). Eine wunderbare Kurzfassung für die todsichere Methode der Zerstörung keltischer Kultur. - Und diese Zerstörung soll ja schließlich der Legende nach des Heiligen Patricks/Patricius/Padraigs Hauptaufgabe ge-wesen sein!

Was der Kommerz für Gründe immer zum Feiern hervor zerrt, Patrick schlägt sie heute alle! Zwar hat der gute Mann - wie viele katholische Heilige - vielleicht gar nie existiert, doch schon um das „Privileg” seiner Herkunft raufen sich Schotten, Waliser und Bretonen. In Schottland will Old Kilpatrick als Geburtsort gelten, in Wales ein Bannevem Taburniae, das auch das britannische Bannaventa Berniae - heute Banwell südwestlich von Bristol - gewesen sein könnte. Und in der französischen Bretagne tut sich insbesondere Lorient paradoxerweise damit hervor, gerade mit diesem seltsamen Patricius, dem legendären Totengräber der keltischen Kultur deren angebliche „Wiederbelebung” ankurbeln zu wollen, zu der dort jährlich im August ein Festival Interceltique de Lorient stattfindet.

Was den „Nationalheilen” betrifft, müssten wir ja nicht so pingelig sein! Nur weil ihn das Irische Tourismusbüro wörtlich so apostrophiert, dies auch noch zu zitieren, ist ja nicht die feine englische Art. Diese „feine Art” ist aber auch kein Merkmal der ganzen Patrick-Geschichte! Es deutet vieles darauf hin, dass der feine Heilige eher eine nach Frankensteinart zusammengeflickte Kunstfigur aus verschiedenen Bestandteilen ist, die von der römisch-katholischen Kirche einst als zweckmäßig angesehen wurde, mit ihr in Irland das keltische „Heidentum” zu tilgen.

Auf diese diversen Versatzstücke (z.B. angebliche Verwechslungen mit einem römisch-katholischen Missionsbischof Palladius) einzugehen, wäre an dieser Stelle müßig. Wie in Salzburg aus dem vielleicht auch fiktiven Rupertus - sofern es nicht eine Iren gleichen Namens gab - der passende Landes- und (ab Arno) Metropolitan-Heilige konstruiert wurde, so in Irland aus Patrick, der auf der zuvor keltischen Grünen Insel die Schlangen (der „heidnischen” Mutterreligion) vertrieben und den dreiblättrigen Klee (Shamerock) eingeführt haben soll. Das mit dem Klee, mit dem Patrick seiner Legende nach den Ungläubigen die Augen bezüglich der göttlichen Dreifaltigkeit geöffnet haben soll, ist eine massive Unverschämtheit! War doch der Klee aus dem augenscheinlichen Grund der Einheit der drei Blätter ein uraltes Symbol der irokeltischen Muttergöttin-Trinität - damals seamroy genannt!

Doch mit Patricks Hilfe funktionierte die römisch-katholische Kirche natürlich noch weit mehr um. So z.B. auch die keltischen Feuer- und Reinigungsrituale, die unter seiner Patronanz zu christlichen Erfindungen umgedeutet wurden. Auf Patricks Bitte habe es der neu etablierte Vatergott doch tatsächlich erlaubt, dass den Iren das Fegefeuer erspart bleibe, wenn sie sich durch die eigenen Feuer reinigen und entsühnen. Der absolute Gipfel der Unverschämtheit bestand jedoch in der frommen Behauptung, dass Patrick den katholischen Iren das Jüngste Gericht erspare, weil er selbst vorher über sie an Stelle Gottes richte! Eine weltweit einzigartige Form nationalen Nepotismus in Gottes Namen, ein Ablassbrief der Sonderklasse!

Wie sagte meine Großmutter, die ehemalige Wirtin: „Wer's glaubt, wird selig! - Wer's nicht glaubt, kommt auch in den Himmel!” Eine irdische Ver-günstigung hat Patrick - der angeblich 40 Tage fastend auf dem Heiligen Berg Croagh Patrick verbrachte, wo ihn der Teufel versuchte (womit wohl?) - seinen Fans zu deren Lebzeiten ganz sicher beschert: In den Tagen um Patrick's Day ist zur Gaudi der Iren - und der Wirte - das vorösterliche Fastengebot aufgehoben! (Schließ-lich ist der 17. März ein uralter Festtag der Frucht-barkeit und Fülle!) Prost Patrick!

Link-Tipp:
Tourism Ireland (Nationalheiler Patrick)
 

  Kurzsteckbrief: Hl. Patrick ^
Namenvarianten:   Patricius, Padraig, Paris, Paddy, Pat
Festtermin:   17. März
Namensdeutung:   Der Patritzier (von röm. Uradel)
Symbole:   Schlange, Kleeblatt
Mythol. Funktion:   Apostel Irlands, Schlangenvertreiber, Hirten- und Viehpatron
Parallelen zu:   Amandus, Bartholomäus
Zugeh. Bethe(n):   Wilbeth/Katharina, Ambeth/Margaretha, Borbeth/Barbara
Verehrungsorte:   Armagh, Auxerre, Croagh Patrick, Downpatrick, Lerins, Marmoutiers
Alpine Verbreitg.:   Mitte des 15. Jh.

© Georg Rohrecker

Update: 30.12.2007

 

SITEMAP