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Perchten, Perchtenläuf und Krampus-Horror
Holde Göttinnen
& Heroen - verteufelt, vergewaltigt, vermarktet
Es musste ja
so kommen! Beim Überdecken und Verdrehen der Überreste
des keltischen Erbes in den Ostalpen hatte die römisch-katholische
Kirche einst die Nase weit vorn - bei weitem die „älteren
Rechte” auf Grund ihrer altbewährten Praxis der
Verdrängung und Verteufelung konkurrierenden Glaubensgutes. Im
Gegensatz dazu wurde der Deutsch-Nationalismus mit
seiner romantischen Germanen-Fiktion erst seit kaum
mehr als einem Jahrhundert bei uns heimisch - um bis zu den Auswüchsen
des (bislang nicht aufgearbeiteten) mörderischen „SS-Ahnenerbes”
mehr oder weniger starke politisch-ideologische Wirkung entfalten zu
können und (nach 1945 ungebrochen sorgsam „gepflegt”)
dabei auch blieb.
Die mit dem unseligen Kampf um die Seelen der Ostälpler
verbundene Konkurrenz-Situation – zugespitzt in der Auseinandersetzung
zwischen klerikalem Austro-Faschismus (1934-1938) und
antiklerikalem Nazi-Faschismus (1938-1945) –
hat gerade im so genannten Brauchtum und dem, was bis
dato dafür ausgegeben wird, einerseits seine oft hässlich
deutlichen Spuren hinterlassen.
Andererseits etablierte sich bald nach 1945 im Rahmen des „Kalten
Krieges” unter der Schirmherrschaft der „Westmächte”
– insbesondere der USA – in West-Deutschland und Österreich
eine recht „unheilige Allianz” zwischen
den ehemals konkurrierenden (im strikten Antikommunismus jedoch eng
verbunden) Akteuren der römisch-katholischen (und gerade auch der
evangelischen) Kirche einerseits und den „bewährten”
Nazi-Kadern andererseits, die als „Experten”
– von der „Ost-Forschung” bis zu
„Heimat und Brauchtum”
für die neuen/alten Kriegsziele erschreckend rasch „entnazifiziert”
und reanimiert worden waren.
Die Exponenten der beiden Faschismen verband ein (vor 1945 eingeübtes)
gemeinsames Kriegsziel. Doch die damit begründete
Zusammenarbeit ehemaliger Gegner im nunmehr mit vereinten Kräften
ausgetragenen System-Kampf betraf nicht nur die unmittelbare „Ost-Politik”,
sondern gerade auch die neuerliche „Geistige Aufrüstung”
im Inneren. Von der entsprechend schamlosen Kontinuität an den
Universitäten und in der „Hochkultur”
bis hin zur „Volkskultur” und zum „Brauchtum”
suchten sich die ehemals konkurrierenden Vertreter der beiden Faschismen
entsprechend zu arrangieren, um ihre Einflüsse mit synergetischem
Effekt unverschämt und ungebrochen fortzusetzen.
Seit nun aber mit dem Ende des 20. Jahrhunderts der beschworene „gemeinsame
äußere Feind” des ehemaligen „Ostblocks”
weggebrochen ist, und die „Roten” im Inneren die letzten
Reste an Orientierung zu verlieren scheinen, kommen die alten Widersprüche
der genannten Faschismen wieder stärker ans Licht – insbesondere
eben auch in den „angestammten” (ehemals von der Linken
vernachlässigten) Bereichen, wie z.B. dem gesellschaftlich tiefgreifenden
ideologischen Instrument eines (zur „Volkserziehung”)
gelenkten angeblichen „Brauchtums”.
Die Rolle des so genannten Brauchtums ist zwar in beiden (faschistoiden)
Ansätzen von Verdrehung und Verschleierung
(von Lug und Trug bis hin zu übler Verdummung)
geprägt. Diese dienten jedoch in ihren Funktionen ursprünglich
durchaus unterschiedlichen Zielen: Die Katholische Kirche
suchte über Jahrhunderte gerade auch mit ihrer Interpretation und
Neudefinition des vorchristlichen Brauchtums die keltischen Elemente
des „Volksglaubens” zu verteufeln oder
wenigstens im eigenen Sinne umzudrehen.
Die Nazis stülpten hingegen (zum Teil keck erfundenes)
„nordisch-heidnisches” Pseudo-Brauchtum
über die Ostalpen, um damit zu „beweisen”, dass hier
ohnehin „seit Urzeit” alles zutiefst „germanisch”
sei und somit „Heim ins Reich”
kommen müsse. Beide Ansätze haben zwar (bei aller Plattheit)
noch immer Konjunktur, doch diese - bei näherer Betrachtung leicht
durchschaubaren - ideologisch berechnenden Geschichtsklitterungen werden
zu allem Überfluss seit längerer Zeit - stilgerecht im Zeichen
des angeblichen „Siegeszuges” des globalisierten Kapitalismus
- von einer dritten Berechnung, von purer Kommerzialisierung
konterkariert.

Weder Percht noch Kramperl
- aber organisiert, Salzburger Nachrichten, 29. Nov. 2008
In dieser zunehmend orientierungsloseren Situation, die mehr und mehr
von „Sau rauslassen” (individ.
Trieb-Abfuhr) oder „Geld scheffeln” (gesellsch.
Triebfeder) dominiert wird, kommt es nach vielen Jahrzehnten der Selbstbetäubung
und Selbstbeweihräucherung zumindest ansatzweise auch hier zur
erwarteten Krise, zur längst notwendigen (Selbst-) Demaskierung
der ehemaligen „Einheitsfront” der
„Brauch-Missbraucher”,
und damit eben auch zum längst fälligen (aber vorweihnachtlich
vernebelten) „Streit um Percht und Teufel”
(vgl.: Salzburger Nachrichten, Stadt Nachrichten, 31.10.2008, S. 30)
– einem bislang „klassischen” Musterbeispiel
der unlauteren (aber oft umso lauteren) Versuche, unser ursprünglich
keltisches Erbe grob zu missbrauchen und dazu vor die Karren un-heiliger
Interessen und Allianzen zu spannen.
| Streit
zwischen Perchten und Kramperln an den Wurzeln vorbei! |
|
Heiß
diskutiert wurde dazu z.B. im Oktober 2008 auf Burg
Kaprun bei einem Symposion (ursprüngliche griechische
Bezeichnung für den Brauch gelehrter Trinkgelage)
über Sinn und Unsinn der rundum ins Passen-Kraut
geschossenen so genannten Maskenbräuche. Die Gegensätze
zwischen den so genannten Perchten und den Kramperln
- ihren „Passen” (Vereine/Gruppen) und den woher immer legitimierten
Hütern und Pflegern - spitzten sich (verbal) offensichtlich bis
zum Fürchten zu - obwohl sie äußerlich (in der Maskerade)
immer ähnlicher werden.
Doch zurück zum gewichtigen Symposion in Kaprun und zum entlarvenden
Medien-Echo: Die Brauchtumswahrer [oder Fälscher?] von „inner-
und außergebirg (sic!) prallten dabei aufeinander”. Und
- gut oder schlecht – die eingeschworenen Akteure schienen vor
allem nicht mehr so recht informiert zu sein, was die eigentlichen Wurzeln
(und Hintergedanken) ihrer einschlägigen Aktionen, Events und Aufmärsche
(vulgo Läufe) betrifft, mit denen sie immerhin unter den - auf
dieser Basis grob irreführenden - Titeln Volks- und Brauchtum
segeln. Der verbleibende (de)maskierte Sadismus
ist leider ein fatales Relikt, das unter der Überschrift Brauchtum
besonders abschreckende historische Assoziationen hervorruft!
Was nun konkret die „vor-christlichen” Perchten
(und ihre Beziehungen zu den „christlichen” Kramperln)
betrifft, wollen wir an dieser Stelle aus gutem Grund mit einigen einfachen
„Merksätzen” zur
Aufklärung beitragen – auch wenn sie die
beamteten und auch die freiwillig engagierten Brauchtums-Führer,
-Hüter, -Pfleger, -Bewahrer u.U. vielleicht treffen aber kaum erreichen
wird! (Sie wissen ja: Kognitive Dissonanz ist ein Hund!)
Erster Merksatz:
Percht und Perchten sind ganz einfach Dialekt-Begriffe
für Bethe und Bethen,
die dreifache keltische Muttergöttin! Dahinter
stecken zwar „vorchristliche”
aber keine wie immer gearteten
„germanischen”
Wurzeln!
Zweiter Merksatz:
Es gab - bis zu ihrer ideologisch motivierten „christlichen”
Erfindung - keine „Schiach-Perchten”!
Alle drei Haupt-Aspekte der Bethen waren „schön”,
nämlich Glück, Fruchtbarkeit und Heil bringend!
Verteufelt - auf Kramperl komm raus - wurde erst vom Christentum!
Dritter Merksatz:
Es gab ursprünglich nur
eine(!) - glückbringende!
- Bethen- (Perchten-)
Nacht, die Nacht zum 1.
November, zum keltischen Jahresbeginn, der
mit dem Samhain-Fest
begangen wurde!
Vierter Merksatz:
Der alpine „Krampus”
ist die „christliche”
Verteufelung des gehörnten
Heros der keltischen Bethen-Trinität, Cernunnos,
der in ihrem Auftrag über die Anderswelt,
einem paradiesischen Aufenthaltsort für die Seelen der verstorbenen
Kelten bis zu ihrer (irdischen) Wiedergeburt, herrscht! (Vgl. Nikolaus)
Fünfter Merksatz:
Die Schar „ungetaufter”
Kinder, die nach unseren
Sagen in der Bethen-Nacht der Percht folgt, ist eine katholische „Erklärung”
für die keltische Vorstellung, dass ihre Bethen-Trinität
die Seelen der Verstorbenen
beschützt. Ihre AnhängerInnen sind logischerweise
im katholischen Sinne „ungetauft”! (Vgl.
Sagen wie Frau Beri, Die
Percht bestraft Zweifler u.a.)
Sagen-Links:
Frau Beri in Haigermoos (OÖ)
Die Percht bestraft Zweifler (St)
©
Georg Rohrecker
Update:
07.06.2009
