Statistics

Die Kelten Österreichs Druiden - Wilde Frauen - Andersweltfürsten ErlebnisWandern Tennengau Georg Rohrecker ErlebnisWandern Rund um Salzburg
 
Kelten-Erbe im
Brauchtum
- Auswahl -
 
 

Home > Kelten-Erbe > Brauchtum > Rauhnächte

Rauhnächte & Räucherbräuch

Verwirrte keltische Jahreswechsel- und Reinigungsrituale

Die so genannten Volkskundler haben es schon schwer! Da reklamieren sie die „Deutungdes Brauchtums für sich, und dann hängen ihnen so viele Klötze am Erklärungsbein, dass es schon eine arge Pein oder echt peinlich werden kann! Die römisch-katholische Kirche, die zumeist auch von ihren Seelen Besitz ergriffen hat, fordert einerseits – zu Unrecht – ihr angebliches Recht. Die rassistisch „germanisierendeNazi-Zeit hat andererseits überall dort, wo es irgendwie „heidnisch” roch, draufgesch... – ihre unsäglichen braunen Spuren hinterlassen. Und die davon zumeist doppelt eingefärbte eigene Schul- und Hochschulbildung mit ihrer offensichtlich weit verbreiteten Mixtur aus elitärem Anspruch und engstirniger Wirklichkeit trug noch buchstäblich das Letzte dazu bei, den keltischen Wald vor lauter in den Himmel wachsenden römisch-katholisch-teutschen Bäumen nicht mehr sehen zu können.

Analog dem, was durchschnittlich ver..., verheizt wird, schreit - oder stinkt - da etwas eher mehr zum ostalpinen Himmel als es dorthin wüchse zwischen Wien, Graz und Innsbruck, zwischen AEIOU-Seiten des virtuellen „Österreich-Lexikons” oder den Volkskunde-Seiten der Uni-Homepage Innsbruck! Ein kleines Musterbeispiel sind die Irrwege zu den heimischen Rauhnächten. – Wobei Innsbruck immerhin (nicht nur geografisch) doch um einiges näher dran ist an den eigentlichen Wurzeln als Wien (heute in Graz gewartet). Aber vor den Details zu diesen doppelt geräucherten „Gusto-Stückeln” gönnen wir uns hier die keltischen Fakten!

Die Rauhnächte haben ihren Namen natürlich nicht von rauen nachgermanischen Sitten, sondern wirklich vom Rauch, der unseren keltischen Ahnen zusammen mit Wasser und Feuer mythologische Reinigungskraft bedeutete. Das Ritual des Reinigens von Haus und Hof zum Jahreswechsel mittels (Feuer-) Rauch und Wasser geht in den Ostalpen schlicht auf die Kelten zurück. Es fand damals allerdings nur zu einem Termin statt – also in einer Nacht, statt in vielen Nächten! – und der Termin lag um einiges vor den heute reklamierten! Das Warum ist leicht erklärt!

Die Kelten feierten den Beginn ihres Neuen Jahres, das Samhain-Fest, bekanntlich schon in der Nacht zum 1. November, das später zu Allerheiligen umfunktioniert wurde. Ein wesentlicher Bestandteil des keltischen Rituals war, dass zu diesem Termin alle Feuer des Landes gelöscht werden mussten. Am gemeinsamen Festplatz wurde dann von den obersten DruidInnen mit steinzeitlichen Methoden zeremoniell ein neues Heiliges Feuer entfacht. Von diesem nahm danach jede Familie eine Flamme mit nach Hause, um damit dort einerseits das eigene Herdfeuer und Licht wieder neu zu entzünden, und anderseits eine Räucherpfanne, mit deren Rauch schließlich Haus und Hof rituell gereinigt wurden.

Der keltische Brauch des reinigenden Räucherns blieb zwar auch nach der Besetzung der Ostalpen durch die Römer erhalten, doch die Unterdrückung der keltischen Kultur durch Ausschaltung der obersten Wissens- und Glaubenshüter, der DruidInnen, und das Oktroyieren von einander abweichender Termine für den offiziellen Jahreswechsel (Wintersonnenwende, Julianischer Kalender, Gregorianischer Kalender - im Streit um Termine wurden die katholischen Kleriker Weltmeister!) brachten einige bis heute merkbare „Verwirrungen” mit sich. Und die römisch-katholische Kirche, welche die „heidnischen” Bräuche – wo sie sich nicht ausrotten ließen – als „Opium für das Volk” zu schätzen wusste, tat ein Übriges, den Räucher-Salat von heute anzurichten!

Womit wir wieder bei den beiden bereits angesprochenen Räucher-Seiten im Internet sind - das nicht erwähnte übrige Angebot ist ohnehin „zum Vergessen”:

Riechender Räucherzauber und Mist aus dem Internet
 ^

Der zu Zeiten Bildungsministerin Gehrers formulierte (heute in Graz „eingebettete”) AEIOU-Text nennt als Räucher-Termine „die Thomas-Nacht (21.12.)” vulgo Winter-Sonnenwende, „die Christnacht” (=24./25. Dezember, der Sonnwendtermin der Antike), „die Nacht von Silvester” (=31.12./1.1., der kalendarische Jahreswechsel) und „die Nacht vom 5. auf den 6. Jänner (Dreikönig)”, der Termin von „Hochneujahr” bzw. „Taufe Christi”, mit dem früher den Christen erst das eigentliche Jahr begann.

Ohne den Hintergrund erklären zu können, wird auf AEIOU leider reiner Termin-Salat geboten! Dafür folgt als Dressing per Schluss-Satz ein (obligates?) braunes Häufchen zum Ausrutschen! Zitat: „Die Bezeichnung Raunächte hängt mit den verbreiteten wilden, pelzverhüllten Masken (Perchten) zusammen (althochdeutsch „ruh” = rau, grob, haarig, ungezähmt), die die Wilde Jagd symbolisieren.” Oh Nein! Obergermanengott Wotan/Odin schau oba und bezeuge, dass du erst seit den Nazis in den Ostalpen und dort in diversen, „nordisch” orientierten, Klein-Hirnen wütest, die aus der göttlichen keltischen Bethen-TrinitätSchiach-Perchten” in deinem Gefolge gemacht haben!

Na ja! Derart eingeraucht können wir uns zum Schluss auch noch Innsbrucker Volkskunde-Seitenblicke geben. Da sind es gleich 12(!) lange Rauhnächte, „die Zeit zwischen dem 24. Dezember (ursprünglich 21. Dezember: Thomastag) und den (sic!) 6. Jänner.” Und nach universitärer Auskunft glaubt(e) man im Heiligen Land Tirol, „daß (sic!) in den Rauhnächten die Percht, eine Sagengestalt, durch die Gegend schleicht (sic!). Deshalb stellte man für sie Milch und Brot vor die Tür.”

Immerhin liegen die volkskundigen Mander zu Innsbruck etymologisch richtig, wenn sie den „Begriff Rauhnacht ... vom Ausräuchern des Hauses” her leiten. Doch wo einst in Wiener Ministerien ein braunes Häubchen, da in Tirol ein schwarzer Rock: Im Heiligen Land der Ostalpen sei das „Ausräuchern des Hauses” nämlich „ursprünglich wahrscheinlich durch einen Priester(!)” erfolgt! Aufgelegter Schmarrn! Das Räuchern machen die gstandenen Tiroler Hausmänner natürlich seit Jahrtausenden selbst – Schon die Tiroler Kelten hätten sich von ihren Druiden eine Einmischung verbeten!

Doch in einer Besonderheit könnten einander die zitierten Tiroler, Wiener (und Grazer) vielleicht treffen: Was da in der Räucherpfanne liegt, heißt in der „verchristlichten” Version „Judenkohle”(sic!)! Das von der katholischen Kirche ins Osterbrauchtum übernommene Feuer-Ritual (Feuer löschen, neu entzünden usw.) kannte seit seiner „Christianisierung” auch einen verbindenden, krass anti-semitischen, Zweig: Beim katholischen Feuerzauber am Karsamstag gab es u.a. das obligate „Judasfeuer” für die angeblichen Verräter und Mörder Christi, bei dem zur allgemeinen Volksbelustigung (Verdummung) auch der „ewige” oder „rote”(!) Jude in Form einer Holzfigur verbrannt wurde. Seine verkohlten Reste (= „Judenkohle”) wurden übers Jahr aufbewahrt und landeten dann zum Jahresende in der reinigenden und heilbringenden katholischen Räucherpfanne!

Mit den Kelten hat das allerdings nichts mehr zu tun! (Auch das nicht, was die vielen anderen Raunacht-Seiten im Web Schreckliches an angebräuntem Unsinn verzapfen!) Wohl aber die bereits genannte „geheimnisvolle” Zeitspanne von rund 11 Tagen oder 12 Nächten. Hinter der verbirgt sich nämlich weniger alter Rauch als viel mehr die unterschiedliche Länge des Jahres bei unterschiedlichen Berechnungsmodellen, die Differenz zwischen zwölf „Monaten” in Mondphasen (ca. 29,5 Tage x 12 = rund 354 Tage) und dem stärker merkbaren Sonnenjahr (= rund 365 Tage).

Die zum „heilenden” Ausgleich der Differenz notwendigen „Schalt-Tage” fügten unsere keltischen Ahnen zu ihrem Jahreswechsel, zu Samhain, ein: – mit der charmanten „Lösung”, diese „fehlenden” Tage zwischen Mond- und Sonnenjahr als „außerhalb der Zeit” befindlich und damit „zeitlos” anzusehen! (Den geschenkten Zeitausgleich brachten sie allerdings nicht mit fortwährendem Rauchen oder Räuchern zu, sondern mit lust- und genussvolleren Tätigkeiten, bei denen geflirtet, getanzt und beim anschließenden üppigen Mahl buchstäblich „die Sau raus gelassen” wurde! – Samhain war nicht zuletzt auch der beliebteste Hochzeits-Termin und obligater Zeitpunkt für das Eingehen oder Lösen von einjährigen „Probe-Ehen”!)


© Georg Rohrecker

Update: 13.12.2008

 

SITEMAP