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Rauhnächte & Räucherbräuch
Verwirrte keltische
Jahreswechsel- und Reinigungsrituale
Die so genannten
Volkskundler haben es schon schwer! Da reklamieren
sie die „Deutung” des Brauchtums
für sich, und dann hängen ihnen so viele Klötze am Erklärungsbein,
dass es schon eine arge Pein oder echt peinlich werden kann! Die römisch-katholische
Kirche, die zumeist auch von ihren Seelen Besitz ergriffen
hat, fordert einerseits – zu Unrecht – ihr angebliches Recht.
Die rassistisch „germanisierende” Nazi-Zeit
hat andererseits überall dort, wo es irgendwie „heidnisch”
roch, draufgesch... – ihre unsäglichen braunen Spuren hinterlassen.
Und die davon zumeist doppelt eingefärbte eigene Schul-
und Hochschulbildung mit ihrer offensichtlich weit verbreiteten
Mixtur aus elitärem Anspruch und engstirniger Wirklichkeit trug
noch buchstäblich das Letzte dazu bei, den keltischen Wald vor
lauter in den Himmel wachsenden römisch-katholisch-teutschen Bäumen
nicht mehr sehen zu können.
Analog dem, was durchschnittlich ver..., verheizt wird, schreit
- oder stinkt - da etwas eher mehr zum ostalpinen Himmel als es dorthin
wüchse zwischen Wien, Graz und Innsbruck, zwischen
AEIOU-Seiten des virtuellen „Österreich-Lexikons”
oder den Volkskunde-Seiten der Uni-Homepage Innsbruck!
Ein kleines Musterbeispiel sind die Irrwege zu den heimischen
Rauhnächten. – Wobei Innsbruck immerhin (nicht nur
geografisch) doch um einiges näher dran ist an den eigentlichen
Wurzeln als Wien (heute in Graz gewartet). Aber vor den Details zu diesen
doppelt geräucherten „Gusto-Stückeln” gönnen
wir uns hier die keltischen Fakten!
Die Rauhnächte haben ihren Namen natürlich nicht von rauen
nachgermanischen Sitten, sondern wirklich vom Rauch,
der unseren keltischen Ahnen zusammen mit Wasser und Feuer mythologische
Reinigungskraft bedeutete. Das Ritual des Reinigens von Haus
und Hof zum Jahreswechsel mittels (Feuer-) Rauch und Wasser
geht in den Ostalpen schlicht auf die Kelten zurück. Es fand damals
allerdings nur zu einem Termin statt –
also in einer Nacht, statt in vielen Nächten! –
und der Termin lag um einiges vor den heute reklamierten! Das Warum
ist leicht erklärt!
Die Kelten feierten den Beginn ihres Neuen Jahres, das Samhain-Fest,
bekanntlich schon in der Nacht zum 1. November, das später zu Allerheiligen
umfunktioniert wurde. Ein wesentlicher Bestandteil des keltischen Rituals
war, dass zu diesem Termin alle Feuer
des Landes gelöscht werden mussten. Am gemeinsamen
Festplatz wurde dann von den obersten DruidInnen mit steinzeitlichen
Methoden zeremoniell ein neues Heiliges Feuer entfacht.
Von diesem nahm danach jede Familie eine Flamme mit nach Hause, um damit
dort einerseits das eigene Herdfeuer und Licht wieder neu zu entzünden,
und anderseits eine Räucherpfanne, mit deren Rauch
schließlich Haus und Hof rituell gereinigt wurden.
Der keltische Brauch des reinigenden Räucherns
blieb zwar auch nach der Besetzung der Ostalpen durch die Römer
erhalten, doch die Unterdrückung der keltischen Kultur durch Ausschaltung
der obersten Wissens- und Glaubenshüter, der DruidInnen, und das
Oktroyieren von einander abweichender Termine für
den offiziellen Jahreswechsel (Wintersonnenwende, Julianischer
Kalender, Gregorianischer Kalender - im Streit
um Termine wurden die katholischen Kleriker Weltmeister!) brachten einige
bis heute merkbare „Verwirrungen” mit sich.
Und die römisch-katholische Kirche, welche die „heidnischen”
Bräuche – wo sie sich nicht ausrotten ließen –
als „Opium für das Volk” zu schätzen wusste, tat
ein Übriges, den Räucher-Salat von heute
anzurichten!
Womit wir wieder bei den beiden bereits angesprochenen Räucher-Seiten
im Internet sind - das nicht erwähnte übrige Angebot
ist ohnehin „zum Vergessen”:
| Riechender
Räucherzauber und Mist aus dem Internet |
|
Der
zu
Zeiten Bildungsministerin Gehrers formulierte (heute in Graz „eingebettete”)
AEIOU-Text nennt als Räucher-Termine
„die Thomas-Nacht (21.12.)” vulgo Winter-Sonnenwende, „die
Christnacht” (=24./25. Dezember, der Sonnwendtermin der Antike),
„die Nacht von Silvester” (=31.12./1.1.,
der kalendarische Jahreswechsel) und „die Nacht vom 5. auf den
6. Jänner (Dreikönig)”,
der Termin von „Hochneujahr” bzw. „Taufe Christi”,
mit dem früher den Christen erst das eigentliche Jahr begann.
Ohne den Hintergrund erklären zu können,
wird auf AEIOU leider reiner Termin-Salat
geboten! Dafür folgt als Dressing per Schluss-Satz ein (obligates?)
braunes Häufchen zum Ausrutschen! Zitat: „Die
Bezeichnung Raunächte hängt mit den verbreiteten
wilden, pelzverhüllten Masken (Perchten)
zusammen (althochdeutsch „ruh” = rau, grob, haarig,
ungezähmt), die die Wilde
Jagd symbolisieren.” Oh Nein! Obergermanengott Wotan/Odin
schau oba und bezeuge, dass du erst seit den Nazis
in den Ostalpen und dort in diversen, „nordisch”
orientierten, Klein-Hirnen wütest, die aus der göttlichen
keltischen Bethen-Trinität
„Schiach-Perchten” in deinem Gefolge gemacht
haben!
Na ja! Derart eingeraucht können wir uns zum Schluss auch noch
Innsbrucker Volkskunde-Seitenblicke geben. Da sind
es gleich 12(!) lange Rauhnächte,
„die Zeit zwischen dem 24. Dezember (ursprünglich 21. Dezember:
Thomastag) und den (sic!) 6. Jänner.” Und nach universitärer
Auskunft glaubt(e) man im Heiligen Land Tirol, „daß (sic!)
in den Rauhnächten die Percht, eine Sagengestalt,
durch die Gegend schleicht (sic!). Deshalb stellte
man für sie Milch und Brot vor die Tür.”
Immerhin liegen die volkskundigen Mander zu Innsbruck etymologisch
richtig, wenn sie den „Begriff Rauhnacht ... vom Ausräuchern
des Hauses” her leiten. Doch wo einst in Wiener Ministerien ein
braunes Häubchen, da in Tirol ein schwarzer
Rock: Im Heiligen Land der Ostalpen sei das „Ausräuchern
des Hauses” nämlich „ursprünglich wahrscheinlich
durch einen Priester(!)” erfolgt! Aufgelegter
Schmarrn! Das Räuchern machen die gstandenen Tiroler
Hausmänner natürlich seit Jahrtausenden selbst – Schon
die Tiroler Kelten hätten sich von ihren Druiden eine Einmischung
verbeten!
Doch in einer Besonderheit könnten einander die
zitierten Tiroler, Wiener (und Grazer) vielleicht treffen: Was da in
der Räucherpfanne liegt, heißt in der „verchristlichten”
Version „Judenkohle”(sic!)! Das von der
katholischen Kirche ins Osterbrauchtum
übernommene Feuer-Ritual (Feuer löschen, neu entzünden
usw.) kannte seit seiner „Christianisierung” auch einen
verbindenden, krass anti-semitischen, Zweig: Beim katholischen Feuerzauber
am Karsamstag gab es u.a. das obligate „Judasfeuer”
für die angeblichen Verräter und Mörder Christi, bei
dem zur allgemeinen Volksbelustigung (Verdummung) auch der „ewige”
oder „rote”(!) Jude in Form einer
Holzfigur verbrannt wurde. Seine verkohlten Reste (=
„Judenkohle”) wurden übers Jahr aufbewahrt
und landeten dann zum Jahresende in der reinigenden und heilbringenden
katholischen Räucherpfanne!
Mit den Kelten hat das allerdings nichts mehr zu tun!
(Auch das nicht, was die vielen anderen Raunacht-Seiten im Web Schreckliches
an angebräuntem Unsinn verzapfen!) Wohl aber die bereits genannte
„geheimnisvolle” Zeitspanne von rund 11 Tagen oder
12 Nächten. Hinter der verbirgt sich nämlich weniger
alter Rauch als viel mehr die unterschiedliche Länge des Jahres
bei unterschiedlichen Berechnungsmodellen, die Differenz zwischen zwölf
„Monaten” in Mondphasen (ca. 29,5 Tage x 12 = rund 354
Tage) und dem stärker merkbaren Sonnenjahr (= rund 365
Tage).
Die zum „heilenden” Ausgleich der Differenz notwendigen
„Schalt-Tage” fügten unsere keltischen
Ahnen zu ihrem Jahreswechsel, zu Samhain,
ein: – mit der charmanten „Lösung”, diese „fehlenden”
Tage zwischen Mond- und Sonnenjahr als „außerhalb
der Zeit” befindlich und damit „zeitlos”
anzusehen! (Den geschenkten Zeitausgleich brachten sie allerdings nicht
mit fortwährendem Rauchen oder Räuchern zu, sondern mit lust-
und genussvolleren Tätigkeiten, bei denen geflirtet, getanzt und
beim anschließenden üppigen Mahl buchstäblich „die
Sau raus gelassen” wurde! – Samhain war nicht zuletzt
auch der beliebteste Hochzeits-Termin und obligater
Zeitpunkt für das Eingehen oder Lösen von einjährigen
„Probe-Ehen”!)
©
Georg Rohrecker
Update:
13.12.2008
