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(Bez.
Liezen)
Rochushöhle nahe Altenmarkt
bei St.Gallen
Ein Kultplatz fast noch im Originalzustand!
Wer das
ganze Szenario eines umfassend eingerichteten keltischen Kultplatzes
noch in seiner nahezu ursprünglichen Form erleben will, der ist
nahe Altenmarkt bei St. Gallen(!), wo die Enns nach Niederösterreich
abfließt, am richtigen Ort. Das Heiligtum der dortigen Rochushöhle
ist (ähnlich dem Kultplatz am Falkenstein bei St. Gilgen) noch
mit allem ausgestattet, was ursprünglich zu einem keltischen Kultzentrum
dazugehörte!
Da gibt es die Heilige Grotte, den Heiligen Schliefstein,
die Heilige Quelle (natürlich heute ein „Augenbründl”),
den Heiligen Baum unterhalb der Grotte, den auf die
Jungsteinzeit zurückgehenden Brauch, Steine mitzunehmen –
und, weil der Kultplatz anders nicht zu „zähmen” war,
seitens der römisch-katholischen Kirche einen geweihten Altar,
der noch immer zu Gottesdiensten herangezogen wird!
Der Rochus ist an dieser Stelle das weitaus jüngste
Utensil eines Kultplatzes, der sicher bis in die Jungsteinzeit zurück
geht. Die Verehrung des späten katholischen Felsen
(frz. Roche) oder Turm (lat. rocus -> rochus), dessen
Name auf mythologische Analogien zu Borbeth/Barbara
hinweist, kam erst im 16. Jahrhundert ausgehend von Venedig über
uns, um auch in den Ostalpen als „Pestpatron” und Ersatz-Nothelfer
zu wirken. Doch die Grotte über dem Steilufer der Enns ist seit
Jahrtausenden mehr mit anderen Themen als der Pest verbunden, und alles
- bis hin zum Namen des Pilgerpatrons - deutet auf einen ehemaligen
Steinkultplatz für die den Kelten noch bekannte
Schöpfergöttin und Bergmutter.
Ihr gelten die Steine,
ihre Symbole, die den beschwerlichen Weg herauf getragen werden zum
prähistorischen Heiligtum. Und ein steinernes Loch in ihrem Höhlenbauch,
ein sogenannter Schliefstein, ist noch immer der eigentliche
Hauptanziehungspunkt, der von den Pilgern drei Mal
durchkrochen wird – zu Ehren der Dreifachen Muttergöttin,
der alten Bethen-Trinität!
Der Brust- und Augenstein soll zusammen mit der zugehörigen „Heiligen
Quelle” gegen Brust und Augenleiden helfen. Was die obligate
„Entschärfungs-Interpretation” für eine keltische
Quelle der Inspiration und für einen Ort des Heilmachens, des in
heilmachende Übereinstimmung Kommens mit der „heidnischen”
Gemeinschaft, war. (Dass die heutige Augenauswischerei an den verharmlosten
„Augenbründln” eher blind macht,
erörtern wir an anderer Stelle!)
Wie sich jedenfalls in Mariazell die Brüder des Klosters St.
Lamprecht [der Name kommt übrigens von Ambeth!]
auf den alten Kultplatz drauf setzten, so reklamierten die Brüder
von Admont die Kultgrotte nahe Altenmarkt bei St. Gallen(!)
für sich, die heute einen Rochus samt Altar als katholischen Platzhalter
beherbergt. Dem „heidnischen” Treiben mit den und um die
Heiligen Steine/n tuts keinen Abbruch, und der Schein ist zur Zufriedenheit
aller Beteiligten gewahrt!
©
Georg Rohrecker
Update:
30.12.2007