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Ulrich
Ulrich
Kanonisierter
Erbgutverwalter von Afra & Isis-Noreia – 4. Juni/Juli
Bischof
Ulrich träumt von Afra
Gotisches Tafelbild, 1480
St. Ulrich und Afra, Augsburg |
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Ulrich
war kein Kelte, sondern zwischen 923 und 973 römisch-katholischer
Bi-schof von Augsburg und mächtiger
Feudalherr. Und doch ist Ulrich in einer Zeit groß geworden, in
welcher der „Endkampf” gegen keltische
Glaubensvor-stellungen und Mythen in unseren Breiten noch immer
nicht entschieden war. Und folgerichtig schaut hinter dem Heiligen Ulrich
an allen Ecken und Enden keltisches Glaubensgut hervor.
Hatte ihn doch schon sein Glaubensbruder Wolfgang,
Bischof von Regensburg (und Heiliger nach ganz ähnlichem
Muster), unter Zuhilfenahme vorchristlichen Erbguts zu einer vielseitig
verwendbaren mythologischen und ideologischen Waffe
in diesem zähen Kampf um den rechten Glauben für einen siegreichen
feudalen Zentralstaat umgeschmiedet.
Als Ulrich oder Uodalrih um das Jahr 890
in Wittislingen nahe Augsburg oder in Augsburg selbst
– das damals noch nicht zu Bayern, sondern zu Alemannien
gehörte – als Sohn eines angeblichen Gaugrafen Hupald von
Dillingen geboren wurde, war das riesige Frankenreich
der Karolinger durch deren Erbrecht zu Gunsten regionaler Adelsherrschaft
relativ destabilisiert und zersplittert. Der Hochadel des ostfränkischen
Teil-Reiches hatte 887 König Karl III., den Dicken, auf dem Reichstag
von Tribur (heute Trebur) abgesetzt und seinen Neffen Arnulf
von Kärnten zum König erhoben. Arnulf,
der vorletzte Karolinger, wurde in der Folge zur ersten Galionsfigur
des Feudalisierungsprozesses, der gerade im
Osten des Reiches besonders zäh verlief, wo die Bevölkerung
auf dem Land noch zu einem großen Teil aus freien,
nicht feudalabhängigen Bauern bestand, die sich
der Unterwerfung unter die Lehnsherrschaft von Adel und Klerus noch
immer hartnäckig widersetzten - und wohl noch in großem Umfang
den Religionsvorstel-lungen ihrer keltischen Ahnen anhingen. (Katholizismus
war Herren-Religion!)
Die Feudalisierung (Unterwerfung und Dienstbarmachung)
konnte einerseits nur mittels straff organisierter militärischer
Gewalt durchgesetzt werden, andererseits führten
die damals fast jährlich stattfindenden Raubzüge der Magyaren (Ungarn) dazu, dass sich die Bauern früher oder später doch
gezwungen sahen, sich dem „Schutz” der
Feudalherren zu unterstellen und als „Gegenleistung”
lehensabhängig, tribut- und robotpflichtig zu
werden. So ein „Lehnsherr” war unter vielen wohl auch Ulrichs
Vater Hupald von Dillingen - Eine (Grafen-) Burg Dillingen
ist allerdings erstmals 973 genannt! - gewesen, der
seinen Sohn im Jahr 900 der kirchlichen Laufbahn
verschreibt, die damals in Form von Bischöfen und Äbten ebenfalls
durch einträgliche Feudalherrschaft gekrönt wurde.
| Blütezeit
des frühfeudalen ostfränkischen Episkopats |
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Überhaupt
war das 10. Jahrhundert eine Hochzeit des ostfränkischen
Epis-kopats. Da König Arnulf nach einem Schlaganfall weitgehend
regierungsunfähig geworden war, hatte er schon 897
seinen damals vierjährigen Sohn Ludwig zum Nachfolger bestimmt.
Und nach Arnulfs Tod im Dezember 899 erhoben die Ostfränkischen
Bischöfe und „weltliche Große” den nun Sechsjährigen
zu Beginn des Jahres 900 nominell zu ihrem König Ludwig
IV., genannt das Kind. Die eigentliche Herrschaft
übten jedoch die beiden Kleriker und Ämterkumulierer Hatto
I., Erzbischof von Mainz, Abt von Reichenau
und anderer Klöster, und Salomo III., Graf von
Ramschwag, Bischof von Konstanz und gleichzeitig Abt
des mächtigen und reich begüterten Klosters
St. Gallen, aus.

Klosterplan
von St. Gallen (Ideal-Plan) aus dem 9. Jh.
Im
selben Jahr 900 trat der damals zehnjährige Ulrich,
der spätere Heilige, in die Abtei von St. Gallen
ein. Nach acht Jahren war Ulrichs nächster Karriereschritt das
Amt des Kämmerers bei seinem Onkel Adalbero, Bischof von Augsburg, auf dessen Nachfolge der adelige Teenager
spitzte. An sich befand sich Ulrich in guter Position, war doch Onkel
Adalbero neben den genannten Bischöfen Hatto I.
und Salomo III. als „Erzieher” König
Ludwigs sozusagen der Dritte im Bunde, ja vielleicht sogar
der eigentliche Regent des ostfränkischen Reiches.
Doch als der Onkel im April 909 stirbt, ist sein Neffe
noch etwas zu jung für das Bischofsamt. Und so wird ihm in Augsburg
ein gewisser Hiltine vorgezogen.
Vierzehn Jahre lang muss Ulrich warten. Eine Zeit, die er sich mit der
Verwaltung der Familiengüter vertreibt. Als mit dem Tode Bischof
Hiltines im November 923 endlich eine neue
Chance winkt, wird von den Dillingern rasch zugeschlagen. Die
Interventionen bei König Heinrich I. (911-936),
zuvor mächtiger Herzog von Sachsen, sind erfolgreich und Ulrich
von Dillingen wird am 28. Dezember 923 doch noch zum
Bischof von Augsburg geweiht. - Im Hintergrund wirkte dabei wohl auch
die von Heinrich zuvor den Herzögen von Schwaben (919) und Bayern
(921) zugestandene Verfügungsgewalt über die Kirche.
Im Gegenzug scheint sich Bischof Ulrich – nicht zuletzt zur Sicherung
des eigenen Besitzstandes – wie viele seiner Amtskollegen bald
eifrig an den Rüstungs-Maßnahmen König
Heinrichs (Aufbau einer Panzer-Reiterei, Ausbau der
Bur-gen, Ummauerung der Städte)
beteiligt zu haben, die dieser nach den verheer-enden Ungarneinfällen
von 924 bis 926 in die Tat umsetzte.
Als es König Heinrich – der sich nach seiner Wahl durch die
fränkischen und säch-sischen Adeligen in Fritzlar
demonstrativ einer geistlichen Salbung widersetzt hatte – gelungen
war, sich eine starke Zentralgewalt aufzubauen, entzog
er den zuvor hofierten Herzögen wieder schrittweise die zugebilligten
Rechte und setzte zur weiteren Konsolidierung seiner Macht mehr und
mehr auf die Kirchenfürsten und die kleineren
Feudalherren, die sozusagen natürlich Feinde der Herzöge waren.
- Eine Linie, die Heinrichs Sohn und Nachfolger Otto I.
(936-973), genannt der Große, erfolgreich fortsetzte.
| Mit
König Otto I. auf der Siegerstraße gegen Herzöge
und Ungarn |
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Bischof
Ulrich von Augsburg gehörte auch zu den engsten
Parteigängern König Otto I., der die Herzogtümer
des sich herausbildenden frühfeudalen deutschen Staates nach der
Reihe mit Angehörigen seiner Familie besetzt,
ohne damit aber die Herzogs-Opposition unterbinden zu können. Ottos
Bruder Heinrich bekam auf diese Weise 947 das Herzogtum Baiern
und Ottos Sohn und designierter Nachfolger Liudolf im Jahre 950 das
Herzogtum Schwaben, in dem damals auch das Bistum Augsburg lag. Doch Ottos wichtigste Stütze waren die geistlichen
Feudalherren, die sehr reich dotiert und begütert wurden,
aber auch zusehends die Hauptlast des Heeresaufgebotes
zu tragen hatten.
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Eng
verflochten mit Ottos „Reichskir-chensystem”
war auch unser Heiliger Ulrich. Während Herzog Liudolfs
Auf-stand in den Jahren 953/54 schlug sich der Bischof
von Augsburg mit „seiner” wohlgerüsteten
Stadt auf die Seite von König Otto und vermittelte mit Bischof
Hartbert von Chur (auch Abt von Ellwangen)
einen Waffenstillstand zwischen Vater und Sohn. Und als im Jahr
darauf die Ungarn wieder in Süddeutschland
einfielen, fand die letzte Entscheidungs-Schlacht
zwi-schen dem hochgerüsteten Heer König Ottos und den
beutehungrigen Ungarn der Legende nach am 10.
August 955 just vor den Toren Augsburgs
statt.
Abb.
links: Schlacht auf dem Lechfeld
Buchmalerei von Hektor Muelich, 1457
Meisterlinchronik Staatsbibliothek
Augsburg |
Der
endgültige Sieg über die Ungarn trug König Otto
den Beinamen „der Große” ein und
Bischof Ulrich den Ruf, „schon zu Lebzeiten der
wohl beliebteste deut-sche Kleriker” gewesen
zu sein. (Ob das allerdings damals schwierig war, wollen wir an dieser
Stelle dahingestellt sein lassen.) Der geistliche Feudalherr von Augsburg
soll jedenfalls das damals außerhalb der Stadtmauern gelegene
Heilig-tum der Stadt-Patronin Afra,
das die Hunnen angeblich zerstört hatten, neu aufbauen haben und
gleich so anlegen lassen, dass er sich später wirkungsvoll selbst
neben Afra legen konnte. Damit schuf sich Ulrich eine
höchst geeignete „Startrampe”, nach
seinem Tode raketenschnell in den Heiligenhimmel aufzusteigen und dort
in vielen Belangen Afras (keltisches) Erbe
anzutreten.
| Keltische
Sehnsüchte hinter kanonisiertem Feudalherrn |
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Damit
wenden wir uns endlich ab, von dem „geistlichen” Feudalherren
aus Fleisch und Blut und jenen Mythen zu, die vom frischgebackenen
Regensburger Bischof Wolfgang angefangen, über
den zeitgenössischen Biografen Gerhard, Domprobst zu Augsburg,
bis zu den folgenden deutschen Kaisern aus vielfältigen - aber
durchschaubaren - Gründen im Laufe der Zeit in
den bald Heiligen Ulrich hineinprojiziert und von den
Schäfchen der diversen Hirten mit gemischten Gefühlen aufgenommen
wurden.
Bei
allem Respekt vor den Leistungen des Feudalherren Ulrich von
Augsburg, für den in der „Schlacht auf dem Lech-feld”
übrigens ganz prosaisch sein Bru-der Diepald von
Dillingen das Augs-burger Aufgebot anführte: Besondere
Zeichen von Heiligkeit hat die histori-sche Person Ulrich zu
Lebzeit keine ge-setzt – außer den Reliquien-Schatz
seiner Kirche zu mehren (damals eine Art von Fonds, heute eine
„Heiltums-Kammer”).
Und selbst das mit seiner amtlichen Heiligsprechung durch Papst
Johannes XV., angeblich der ersten Kanonisation
durch einen Papst, ist das so eine Sache! Überhaupt wenn
dieser Papst sich „durch Nepotismus schlimmster
Art und krankhafte Geld-gier” auszeichnete
(Hans Kühner). Die auf den Februar des Jahres 993 ausge-stellte
Urkunde soll aber ohnehin eine Fälschung
sein!
Abb.
re.: Eingang zur Heiltumskammer
in
der Basilika St.
Ulrich & Afra in Augsburg
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Der
tote Ulrich scheint jedoch mit seiner unübersehbaren
Nähe zur alten (vor-christlichen?) Stadtpatronin Afra,
eine willkommene Projektionsfläche für diverse
Legenden abgegeben haben, die mithelfen sollten, die alten Mythen
und Rituale der noch immer spürbaren keltischen (und kelto-romanischen)
Religion weiter zu entschärfen,
sie zu „reinigen” (entsexualisieren)
und auf katholische Mühlen umzulenken. Ein Ansinnen, dem Ulrich
sogar noch im Gefolge der Reformation – die gerade
in Augsburg große Erfolge verzeichnen konnte
– zu entsprechen hatte.
| Der
Freitags-Fisch als verwandeltes Gänsebein |
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Der
zum zentralen Attribut Ulrichs avancierte Fisch ist
dabei der „Haupt-Schlüssel”, um die
vorchristlichen Wurzeln und Zusammenhänge aufzuspüren, die
der kanonisierte Feudalherr bis an die ungarische Grenze im „christlichen”
Sinn zu interpretieren hatte. Die zugehörige Fisch-Legende ist
auf den ersten Blick reichlich banal und wie ein „klassisches
Ammen-Märchen” gestrickt. Demnach soll Bischof
Ulrich einst an einem nicht näher bestimmten Donnerstag in seiner
Augsburger Residenz mit seinem Freund und Kollegen Konrad,
Bischof von Konstanz, ein umfangreiches Abendmahl
nach Art der mittelalterlichen Feudalherren
genossen haben, das sich mit üppigen Speisen, süffigen Weinen
und anregenden Gesprächen bis weit nach Mitternacht hinauszog.
Während die gesättigten Bischöfe am frühen Freitag-Morgen
immer noch beisammen sitzen und reden und reden, kommt ein herzoglicher
Bote, der von Ulrich als Lohn großzügig
ein Stück von den zuhauf liegenden abendlichen Bratenresten erhält,
eine fette Gänsekeule. Der Bote denkt sich sein
Teil („Gänsebraten am Freitag, am Todestag des Herrn, an
dem die Christen doch zu fasten haben!?”) und bringt das „Corpus
Delicti” seinem weltlichen Herrn. Doch siehe da: Als
der falsche Postillon d'Amour vor dem Herzog seine - mittlerweile wohl
stark duftende - Tasche öffnet, um das verräterische Bratenstück
ans Licht zu bringen, hat sich das brave Gänsebein
von selbst in einen für Freitag gebotenen Fisch
verwandelt! Oh Wunder! Der Bote ward blamiert und Ulrich, der angebliche
Fastenbrecher, erhielt sein bis heute auffälligstes Attribut,
besagten Fisch!

Hll. Ulrich & Dorothea, Gefährtin der 3 Madln (Bethen), und
Fisch, Fresko c.1400, St.Martin/Lg., Bild: ©
burgenseiten.com
Ja und? Was weiter? Ganz einfach: Hier haben wir es mit keiner
Ammen-Mär zu tun, sondern mit bedeutungsvollen, aber auflösbaren,
Chiffren! Die Ver-Wandlung von oder zu Nahrungsmitteln
(als sublimiertes Lebendopfer bis hin zum Sakral-König,
Herrn und Erlöser) ist nicht nur zentraler Bestandteil der christlichen
Eucharistie („Abendmahl” aus Fleisch und
Blut zu Brot und Wein), sondern kultischer
Mittelpunkt vieler, weit älterer, Religionen - z.B. der Mysterien
des Dionysos (dt. Gottessohn!) oder der Isis-Mysterien
im Römischen Reich. Und auch der Fisch, und gerade der Fisch
am Freitag, ist beileibe keine christliche Erfindung. Auch
wenn viele Katholiken in den Ostalpen – von wegen ICHTYS
(Iesous CHristos, Theou
YioS, dt. Jesus Christus, Gottes Sohn)
– ihr Auto mit einem stilisierten Pickerl-Fisch
(gr. ichty..., fisch...) schmücken, dass das erste Erkennungs-zeichen
der Christen in der Römischen Kaiserzeit gewesen
sein soll: Der Fisch ist ein uraltes Sexual-Symbol,
eines der ersten – „kinderleicht” deutbaren –
Zeichen der Großen Ur-Mütter, Fruchtbarkeits-
und Liebes- Göttinnen!
| Der
Fisch, der aus der göttlichen Vagina kam |
|
Und
tatsächlich: Den auf die typischen Umrisslinien
reduzierten „Fisch” und die „Mandorla”
(ein Hoheitszeichen der Römischen Kaiserzeit
- als Zeichen, von der Großen Göttin eingesetzt, legitimiert zu sein), wissen schon eifrig kritzelnde Volksschüler richtig zu
deuten – ohne die „vesica piscis”
als solche zu kennen, die wohl auch deshalb in die Ausbildung
der Volksschul-Lehrerinnen eingebaut gehörte. (Es muss ja nicht
gerade Geometrie sein!)
Das oval zugespitzte Zeichen, eben auch vesica piscis (lat.
vesica = cunnus
= weibliche Scham; lat. piscis = Fisch) genannt
(oder Yoni, nach der tantrischen Version, der „Himmelspforte”
der Großen Göttin), ist ein weltweit verbreitetes Symbol
für die Große Mutter bzw. (pars pro toto)
für ihren lebenspendenden Schoß, ihre Vulva
(dt. Gebärmutter) bzw. Vagina (dt. Scheide). Und
die alten Griechen hatten für Schoß und Fisch
z.B. ein synonym verwendetes Wort, delphos,
das übrigens sowohl in Delphi, dem ehemaligen
Orakelort der fruchtbaren Fischgöttin Themis, als auch im Delphin
steckt, der zwar (wie Jonas Wal oder Lindwurm) streng genommen kein Fisch ist, aber
uralter mediterraner Seelen-begleiter bis zur Wiedergeburt.
Da sind wir endlich wieder bei Aphrodite, der griechisch-römischen
Variante der keltischen Noreia-Isis und der „christianisierten”
Afra der nördlichen Voralpen,
zu deren Seite unser Ulrich an ihrem ehemaligen Kultplatz in Augsburg
liegen soll. Venus-Aphrodite war im Römischen
Reich auch als Fisch-Göttin Aphrodite Salacia
(= „Schoß voller Fische”) bekannt. Ihr heiliger Wochentag war der
Freitag (im Lateinischen dies veneris,
Tag der Venus und der Liebe), und
an diesem Tag, an dem „orgienartige Fisch-Essen”
veranstaltet wurden, schenkte sie – auch in Augusta Vindelicorum
zwischen Uinda und Lika – Wollust im Übermaß.
Fisch gilt ja (trotz christlicher Entsexualisierungs-Versuche)
bis heute als aphrodisierend, „den Geschlechtstrieb
anregend”!

Meerjungfrau
(Isis) im Kreuzgang von Stift-Ardagger (NÖ) |
Nicht
nur rund ums Mittelmeer war die Zuordnung eindeutig. Auch die
Kelten brachten den Fisch in
engsten Zusam-menhang mit Fruchtbarkeit, mit
Sexu-alität und Gebärfähigkeit.
So war z.B. auch sein Verzehr wichtiges „Hilfsmittel”
für Frauen mit Kinderwunsch. Und wie z.B. Isis
den Osiris bzw. seinen Penis rituell verschlingt und zum Großen
Fisch der Meerestiefe wird, um ihren Heros zyklisch neu
hervorzubringen, so kannte die keltische Mythologie
ebensolche, dem Jahreslauf folgende Verwandlungen mit ganz ähnlicher
Symbolik, die natürlich im „Reich” der Noreia-Isis
bis weit nach „Christi Geburt” Gültigkeit hatte,
und noch heute in durchschaubarer Form - bis zur Meer-Jungfrau
(Isis) - ostalpine Kirchen ziert. |
Um auch hier den Bogen zu den Heiligen Ulrich
und (dahinterstehend) Afra
zu schließen: An Aphrodites ehemaligem Hauptkultplatz auf Zypern
wird bis heute die christliche Gottesmutter Maria
als „Panhagia Aphroditessa”,
als „Allheilige Aphrodite” verehrt! Da
können doch Afra und Ulrich in Augsburg...! Ulrichs Fisch
ist jedenfalls eindeutig Afras/Aphrodites Fisch!
| Mit
Ulrichs Hilfe vom Fisch zur Minne |
|
Ja.
Ja!
Keine Angst! Wir haben noch mehr Indizien für die Ulrichs-Mission,
den Frauen-Kult der keltischen Ostalpen zu entschärfen
bzw. umzuleiten, zu subli-mieren: Die so genannte Ulrichs-Minne
z.B.! Die Minne, jene eigenartige Personifikation
der Liebe, die eine Art „Aphrodite des Mittelalters”
war, wurde gerne als fischartige Meerjungfrau dargestellt,
ähnlich der heute noch auf gotischen Christophorus-Fresken
zu bewundernden Isis (-Noreia), die dort als Fischweib
oder Meerjungfrau zwischen den Beinen des Christusträgers
die Verbindung zu den keltischen Muttergöttinnen der Ostalpen aufrecht
erhält - bis hin zum Klosterwappen von Lambach,
das auch die Gemeinde verwendet.
|
Die
göttliche Minne war ambivalent und kannte
zwei Seiten: Die Liebe als lust-volle körperliche
Vereinigung und die „Höhere Minne”,
den „sublimierten” Sex, der auch den offiziellen christlichen
Vorstellungen von Liebe als „caritas”
entsprach. Im konkreten Fall soll Ulrich selbst „enthaltsam
wie ein Mönch” ge-lebt haben, während er „freigiebig
ge-genüber den Armen” gewesen sei. De facto hat Ulrich
zwar häufig an die reich gedeckte bischöfliche
Tafel geladen und soll dafür schon zu Lebzeiten
be-rühmt gewesen sein. Doch seine Caritas- Gäste
waren ausschließlich Mitglieder des Hochadels und des hohen
Klerus, reiche Feudal-Herren wie er. |

Minne, die zur Sache kommt, Französische Buchmalerei |
Bei der so genannten Ulrichs-Minne geht es aber zuletzt
doch weniger um den „fleischlichen” Teil, um das „Hineinbraten”
(österr. für „Anbandln”) oder den Braten für
die Schäfchen, als um den von Arm und Reich begehrten Wein
– und das in einer Form, die in der römisch-katholischen
Kirche eigentlich höchst suspekt sein müsste!
Das nicht deshalb, weil der Wein trunken macht, was im Laufe der Geschichte
das Kultpersonal vieler Religionen für seine „Inspiration”
nutzte. Sondern mehr deshalb, als in der römisch-katholischen
Liturgie der rituelle Genuss von Wein
(als verwandeltes Blut des Gottes) allein den Klerikern vorbehalten
ist. - Nur das „Brot” (als verwandeltes
Fleisch) wurde und wird in Form von geweihten Hostien
mit dem gewöhnlichen Volk geteilt.
Ulrich wird nun nachgesagt, er hätte
im geweihten speziellen Kelch tatsächlich auch geweihten
Wein herumgereicht, was eine Art „Kommunion in
beiderlei Gestalt” darstellte, deretwegen u.a. der Protestantismus
entstand, der gerade auch in Augsburg großen Zulauf fand. Und
in Ulrichs Namen geschieht dieser ei-genartige „Minne-Brauch”
an vielen „seiner” katholisierten ostalpinen Wallfahrts-orte
heute noch! Ja der Brauch wird nicht nur an Ulrichs
Festtagen geübt, sondern gerade auch zu Ostern
– also im überwiegenden Fall justament im Monat der
Aphrodite, im April (Aphrilis),
der bei den Römern der Monat der Venus war. Ein
Prosit dem Afra-Onkel Dionysius, der jenem Dionysos
(Gottes-Sohn) geweihte, der sein phallisches Zepter mit so einem Fruchtbarkeit verheißenden
Pinien-Zapfen krönte, wie ihn Augsburg
noch heute im Wappen führt!
| Ulrichs-Brot,
Ulrichs-Bock, Ulrichs-Erde und andere Unterlagen |
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Sollen
wir jetzt zu allem Überfluss noch das Ulrichs-Brot
nachschieben – in der Original-Variante mit dreierlei
Belag (Oboatzter, Leberwurst
und Brat-wurst-Hack) und einen kräftigen
Ul-richs-Bock dazu? Dann können wir si-cher
stilgerecht selbst „den Heiligen Ulrich anrufen”,
eine Umschreibung für die weniger stilvolle Art, sich nach
geübter Völlerei, der vielleicht auch der echte Ulrich
zuneigte, endlich zu er-brechen. Dabei sind wir
noch gar nicht der Gans zu Leibe gerückt,
einem der Mutter-Göttin heiligen Wasser-Vogel, und nicht
der fruchtbaren, angeblich Mäuse und Ratten vertreibenden,
Ul-richs-Erde. Ganz zu schweigen vom Unheil (=
Krankheit) abwehrenden Ul-richs-Kreuz,
das Partikel vom „echten Kreuz” enthalten
soll. |
Das
„echte”, das Kreuz Jesu,
hatte einst - neben den Resten der Drei-Könige
und anderen wertvollen Trophäen - angeblich Helena
gefunden, die Mutter des ersten „Christen-Kaisers”
Konstantin, die in ihrer Jugend in England den Beruf einer Lupa
(Wölfin im Sinn von Dirne - vgl. volva,
altlat. für Vulva - keine Schande angesichts der kapitolinischen
Amme von Romulus und Remus) ausgeübt haben soll. Und wissen Sie,
wo die Lupa a.D. und Ehren-Kaiserin bei ihrem Senioren-Studium in Sachen
Kreuz justament fündig wurde? Unter dem Tempel der Aphrodite(!)
in Jerusalem!
Da waren – bei Noreia-Isis, Uinda,
Lika, Ambeth, Borbeth
und Wilbeth und wie die Kelten-Göttinnen alle
hießen – schließlich wohl auch die Ex-Kelten der Ostalpen
platt! Sonst hätten sie ja nicht zugelassen, dass sich mit der,
über tausend Jahre nach Christi Geburt hierzulande langsam greifenden,
neuen Religion, ein feudaler Ulrich auf viele ihrer
altvertrauten Quell- und Mutter-Kultplätze setzte,
und dort der alte Kessel der Inspiration, der Fülle,
des ewigen Lebens und der Wiedergeburt zum Ulrichs-Kelch
wurde.
Wären die mittelalterlichen Schäfchen des Lateins kundig gewesen,
hätte der Ulrichs-Kelch, der in den Quellen als „poculum
caritatis” bezeichnet wird, allerdings doch bekannt
und vertraut gewirkt. Caritas, ursprünglich
ein Wort für „hohen Preis”, wurde zwar im Spätlatein
ein Begriff für asexuelle „Nächstenliebe”. Doch
das lat. Hauptwort poculum stand nicht nur
für das Gefäß, den Kelch, sondern auch für seinen
Inhalt im Sinn von Zauber- oder Liebes-Trank
- in seiner ursprünglichen sexuellen Bedeutung!
Aber vielleicht haben die alten Wallfahrer bei alledem Ulrich halt einfach
Ulrich sein lassen und bei seiner Minne in den Tiefen ihrer Seelen (und
in den vier Wänden ihrer Häuser) der alten Mutter-
und Frauen-Liebe, und in alten Weingegenden - als geübte
Bacchus-Jünger - halt auch dem gebotenen süffigen Wein,
gefrönt?! Prost, Ulrich!

Weihestein
für Noreia-Isis in der Kirchen-Ruine von St. Ulrich auf dem Ulrichsberg
bei Klagenfurt, Bild: Johann Jaritz
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Kurzsteckbrief:
Hl. Ulrich |
^ |
| Namenvarianten:
|
|
Odalrich, Udalrich,
Urech, Urle, Uhl, Ule, Ulli, Oury |
| Festtermin: |
|
4.
Juni / 4. Juli |
| Namensdeutung: |
|
Herrscher
über das Erbgut |
| Symbole: |
|
Fisch,
Bischofsornat, Kelch, Afra |
| Mythol.
Funktion: |
|
Wasserpatron, Geburtshelfer, Heiler, Pilgerpatron & Seelenbegleiter,
Fischer-, Winzer- & Weberpatron, Mäuse- und Rattenvertreiber |
| Parallelen
zu: |
|
Afra,
Belenus, Christophorus, Florian,
Hermes, Merkur, |
| Zugeh.
Bethe(n): |
|
Wilbeth/Katharina,
Ambeth/Margaretha,
Borbeth/Barbara |
|
Verehrungsorte: |
|
Augsburg,
Chur, Dorfstetten, Eichstätt, Lavant, Möggers, Paderborn,
Platt, Regensburg, St.Gallen, St.Ulrich, Scheffau, Stanz,
Ulrichsberg |
|
Alpine Verbreitg.: |
|
Ende
des 13. Jh. |
| >
Buchtipps: |
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Gustav
Gugitz
Fest- und Brauchtumskalender
Für Österreich, Süddeutschland
und die Schweiz
Wien (Hollinek) 1955 |
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Hanns
Bächtold-Stäubli (Hg.)
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens
Band 8, Silber - Vulkan
(Reprint der Originalausgabe 1937)
Augsburg (Weltbild) 2005 |
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|
Barbara
G. Walker
Das geheime Wissen der Frauen
Ein Lexikon
Engerda (Arun) 2003 |
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Marion
Giebel
Das Geheimnis der Mysterien
Antike Kulte in Griechenland, Rom
und Ägypten
Düsseldorf (Patmos) 2003. |
|
©
Georg Rohrecker
Update:
11.09.2009
