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Ulrich
Kanonisierter Erbgutverwalter von Afra & Isis-Noreia – 4. Juni/Juli

Bischof Ulrich träumt von Afra
Gotisches Tafelbild,
1480
St. Ulrich und Afra, Augsburg
 

Ulrich war kein Kelte, sondern zwischen 923 und 973 römisch-katholischer Bi-schof von Augsburg und mächtiger Feudalherr. Und doch ist Ulrich in einer Zeit groß geworden, in welcher der „Endkampfgegen keltische Glaubensvor-stellungen und Mythen in unseren Breiten noch immer nicht entschieden war. Und folgerichtig schaut hinter dem Heiligen Ulrich an allen Ecken und Enden keltisches Glaubensgut hervor. Hatte ihn doch schon sein Glaubensbruder Wolfgang, Bischof von Regensburg (und Heiliger nach ganz ähnlichem Muster), unter Zuhilfenahme vorchristlichen Erbguts zu einer vielseitig verwendbaren mythologischen und ideologischen Waffe in diesem zähen Kampf um den rechten Glauben für einen siegreichen feudalen Zentralstaat umgeschmiedet.

Als Ulrich oder Uodalrih um das Jahr 890 in Wittislingen nahe Augsburg oder in Augsburg selbst – das damals noch nicht zu Bayern, sondern zu Alemannien gehörte – als Sohn eines angeblichen Gaugrafen Hupald von Dillingen geboren wurde, war das riesige Frankenreich der Karolinger durch deren Erbrecht zu Gunsten regionaler Adelsherrschaft relativ destabilisiert und zersplittert. Der Hochadel des ostfränkischen Teil-Reiches hatte 887 König Karl III., den Dicken, auf dem Reichstag von Tribur (heute Trebur) abgesetzt und seinen Neffen Arnulf von Kärnten zum König erhoben. Arnulf, der vorletzte Karolinger, wurde in der Folge zur ersten Galionsfigur des Feudalisierungsprozesses, der gerade im Osten des Reiches besonders zäh verlief, wo die Bevölkerung auf dem Land noch zu einem großen Teil aus freien, nicht feudalabhängigen Bauern bestand, die sich der Unterwerfung unter die Lehnsherrschaft von Adel und Klerus noch immer hartnäckig widersetzten - und wohl noch in großem Umfang den Religionsvorstel-lungen ihrer keltischen Ahnen anhingen. (Katholizismus war Herren-Religion!)

Die Feudalisierung (Unterwerfung und Dienstbarmachung) konnte einerseits nur mittels straff organisierter militärischer Gewalt durchgesetzt werden, andererseits führten die damals fast jährlich stattfindenden Raubzüge der Magyaren (Ungarn) dazu, dass sich die Bauern früher oder später doch gezwungen sahen, sich dem „Schutzder Feudalherren zu unterstellen und als „Gegenleistung” lehensabhängig, tribut- und robotpflichtig zu werden. So ein „Lehnsherr” war unter vielen wohl auch Ulrichs Vater Hupald von Dillingen - Eine (Grafen-) Burg Dillingen ist allerdings erstmals 973 genannt! - gewesen, der seinen Sohn im Jahr 900 der kirchlichen Laufbahn verschreibt, die damals in Form von Bischöfen und Äbten ebenfalls durch einträgliche Feudalherrschaft gekrönt wurde.

Blütezeit des frühfeudalen ostfränkischen Episkopats
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Überhaupt war das 10. Jahrhundert eine Hochzeit des ostfränkischen Epis-kopats. Da König Arnulf nach einem Schlaganfall weitgehend regierungsunfähig geworden war, hatte er schon 897 seinen damals vierjährigen Sohn Ludwig zum Nachfolger bestimmt. Und nach Arnulfs Tod im Dezember 899 erhoben die Ostfränkischen Bischöfe und „weltliche Große” den nun Sechsjährigen zu Beginn des Jahres 900 nominell zu ihrem König Ludwig IV., genannt das Kind. Die eigentliche Herrschaft übten jedoch die beiden Kleriker und Ämterkumulierer Hatto I., Erzbischof von Mainz, Abt von Reichenau und anderer Klöster, und Salomo III., Graf von Ramschwag, Bischof von Konstanz und gleichzeitig Abt des mächtigen und reich begüterten Klosters St. Gallen, aus.


Klosterplan von St. Gallen (Ideal-Plan) aus dem 9. Jh.

Im selben Jahr 900 trat der damals zehnjährige Ulrich, der spätere Heilige, in die Abtei von St. Gallen ein. Nach acht Jahren war Ulrichs nächster Karriereschritt das Amt des Kämmerers bei seinem Onkel Adalbero, Bischof von Augsburg, auf dessen Nachfolge der adelige Teenager spitzte. An sich befand sich Ulrich in guter Position, war doch Onkel Adalbero neben den genannten Bischöfen Hatto I. und Salomo III. als „ErzieherKönig Ludwigs sozusagen der Dritte im Bunde, ja vielleicht sogar der eigentliche Regent des ostfränkischen Reiches. Doch als der Onkel im April 909 stirbt, ist sein Neffe noch etwas zu jung für das Bischofsamt. Und so wird ihm in Augsburg ein gewisser Hiltine vorgezogen.

Vierzehn Jahre lang muss Ulrich warten. Eine Zeit, die er sich mit der Verwaltung der Familiengüter vertreibt. Als mit dem Tode Bischof Hiltines im November 923 endlich eine neue Chance winkt, wird von den Dillingern rasch zugeschlagen. Die Interventionen bei König Heinrich I. (911-936), zuvor mächtiger Herzog von Sachsen, sind erfolgreich und Ulrich von Dillingen wird am 28. Dezember 923 doch noch zum Bischof von Augsburg geweiht. - Im Hintergrund wirkte dabei wohl auch die von Heinrich zuvor den Herzögen von Schwaben (919) und Bayern (921) zugestandene Verfügungsgewalt über die Kirche.

Im Gegenzug scheint sich Bischof Ulrich – nicht zuletzt zur Sicherung des eigenen Besitzstandes – wie viele seiner Amtskollegen bald eifrig an den Rüstungs-Maßnahmen König Heinrichs (Aufbau einer Panzer-Reiterei, Ausbau der Bur-gen, Ummauerung der Städte) beteiligt zu haben, die dieser nach den verheer-enden Ungarneinfällen von 924 bis 926 in die Tat umsetzte.

Als es König Heinrich – der sich nach seiner Wahl durch die fränkischen und säch-sischen Adeligen in Fritzlar demonstrativ einer geistlichen Salbung widersetzt hatte – gelungen war, sich eine starke Zentralgewalt aufzubauen, entzog er den zuvor hofierten Herzögen wieder schrittweise die zugebilligten Rechte und setzte zur weiteren Konsolidierung seiner Macht mehr und mehr auf die Kirchenfürsten und die kleineren Feudalherren, die sozusagen natürlich Feinde der Herzöge waren. - Eine Linie, die Heinrichs Sohn und Nachfolger Otto I. (936-973), genannt der Große, erfolgreich fortsetzte.

Mit König Otto I. auf der Siegerstraße gegen Herzöge und Ungarn
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Bischof Ulrich von Augsburg gehörte auch zu den engsten Parteigängern König Otto I., der die Herzogtümer des sich herausbildenden frühfeudalen deutschen Staates nach der Reihe mit Angehörigen seiner Familie besetzt, ohne damit aber die Herzogs-Opposition unterbinden zu können. Ottos Bruder Heinrich bekam auf diese Weise 947 das Herzogtum Baiern und Ottos Sohn und designierter Nachfolger Liudolf im Jahre 950 das Herzogtum Schwaben, in dem damals auch das Bistum Augsburg lag. Doch Ottos wichtigste Stütze waren die geistlichen Feudalherren, die sehr reich dotiert und begütert wurden, aber auch zusehends die Hauptlast des Heeresaufgebotes zu tragen hatten.

 

Eng verflochten mit Ottos „Reichskir-chensystem” war auch unser Heiliger Ulrich. Während Herzog Liudolfs Auf-stand in den Jahren 953/54 schlug sich der Bischof von Augsburg mit „seiner” wohlgerüsteten Stadt auf die Seite von König Otto und vermittelte mit Bischof Hartbert von Chur (auch Abt von Ellwangen) einen Waffenstillstand zwischen Vater und Sohn. Und als im Jahr darauf die Ungarn wieder in Süddeutschland einfielen, fand die letzte Entscheidungs-Schlacht zwi-schen dem hochgerüsteten Heer König Ottos und den beutehungrigen Ungarn der Legende nach am 10. August 955 just vor den Toren Augsburgs statt.

Abb. links: Schlacht auf dem Lechfeld
Buchmalerei von Hektor Muelich, 1457
Meisterlinchronik Staatsbibliothek Augsburg

Der endgültige Sieg über die Ungarn trug König Otto den Beinamen „der Große” ein und Bischof Ulrich den Ruf, „schon zu Lebzeiten der wohl beliebteste deut-sche Kleriker” gewesen zu sein. (Ob das allerdings damals schwierig war, wollen wir an dieser Stelle dahingestellt sein lassen.) Der geistliche Feudalherr von Augsburg soll jedenfalls das damals außerhalb der Stadtmauern gelegene Heilig-tum der Stadt-Patronin Afra, das die Hunnen angeblich zerstört hatten, neu aufbauen haben und gleich so anlegen lassen, dass er sich später wirkungsvoll selbst neben Afra legen konnte. Damit schuf sich Ulrich eine höchst geeignete „Startrampe”, nach seinem Tode raketenschnell in den Heiligenhimmel aufzusteigen und dort in vielen Belangen Afras (keltisches) Erbe anzutreten.

Keltische Sehnsüchte hinter kanonisiertem Feudalherrn
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Damit wenden wir uns endlich ab, von dem „geistlichen” Feudalherren aus Fleisch und Blut und jenen Mythen zu, die vom frischgebackenen Regensburger Bischof Wolfgang angefangen, über den zeitgenössischen Biografen Gerhard, Domprobst zu Augsburg, bis zu den folgenden deutschen Kaisern aus vielfältigen - aber durchschaubaren - Gründen im Laufe der Zeit in den bald Heiligen Ulrich hineinprojiziert und von den Schäfchen der diversen Hirten mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurden.

Bei allem Respekt vor den Leistungen des Feudalherren Ulrich von Augsburg, für den in der „Schlacht auf dem Lech-feld” übrigens ganz prosaisch sein Bru-der Diepald von Dillingen das Augs-burger Aufgebot anführte: Besondere Zeichen von Heiligkeit hat die histori-sche Person Ulrich zu Lebzeit keine ge-setzt – außer den Reliquien-Schatz seiner Kirche zu mehren (damals eine Art von Fonds, heute eine „Heiltums-Kammer”). Und selbst das mit seiner amtlichen Heiligsprechung durch Papst Johannes XV., angeblich der ersten Kanonisation durch einen Papst, ist das so eine Sache! Überhaupt wenn dieser Papst sich „durch Nepotismus schlimmster Art und krankhafte Geld-gier” auszeichnete (Hans Kühner). Die auf den Februar des Jahres 993 ausge-stellte Urkunde soll aber ohnehin eine Fälschung sein!

Abb. re.: Eingang zur Heiltumskammer
in der Basilika St. Ulrich & Afra in Augsburg

 

Der tote Ulrich scheint jedoch mit seiner unübersehbaren Nähe zur alten (vor-christlichen?) Stadtpatronin Afra, eine willkommene Projektionsfläche für diverse Legenden abgegeben haben, die mithelfen sollten, die alten Mythen und Rituale der noch immer spürbaren keltischen (und kelto-romanischen) Religion weiter zu entschärfen, sie zu „reinigen” (entsexualisieren) und auf katholische Mühlen umzulenken. Ein Ansinnen, dem Ulrich sogar noch im Gefolge der Reformation – die gerade in Augsburg große Erfolge verzeichnen konnte – zu entsprechen hatte.

Der Freitags-Fisch als verwandeltes Gänsebein
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Der zum zentralen Attribut Ulrichs avancierte Fisch ist dabei der „Haupt-Schlüssel”, um die vorchristlichen Wurzeln und Zusammenhänge aufzuspüren, die der kanonisierte Feudalherr bis an die ungarische Grenze im „christlichen” Sinn zu interpretieren hatte. Die zugehörige Fisch-Legende ist auf den ersten Blick reichlich banal und wie ein „klassisches Ammen-Märchen” gestrickt. Demnach soll Bischof Ulrich einst an einem nicht näher bestimmten Donnerstag in seiner Augsburger Residenz mit seinem Freund und Kollegen Konrad, Bischof von Konstanz, ein umfangreiches Abendmahl nach Art der mittelalterlichen Feudalherren genossen haben, das sich mit üppigen Speisen, süffigen Weinen und anregenden Gesprächen bis weit nach Mitternacht hinauszog.

Während die gesättigten Bischöfe am frühen Freitag-Morgen immer noch beisammen sitzen und reden und reden, kommt ein herzoglicher Bote, der von Ulrich als Lohn großzügig ein Stück von den zuhauf liegenden abendlichen Bratenresten erhält, eine fette Gänsekeule. Der Bote denkt sich sein Teil („Gänsebraten am Freitag, am Todestag des Herrn, an dem die Christen doch zu fasten haben!?”) und bringt das „Corpus Delicti” seinem weltlichen Herrn. Doch siehe da: Als der falsche Postillon d'Amour vor dem Herzog seine - mittlerweile wohl stark duftende - Tasche öffnet, um das verräterische Bratenstück ans Licht zu bringen, hat sich das brave Gänsebein von selbst in einen für Freitag gebotenen Fisch verwandelt! Oh Wunder! Der Bote ward blamiert und Ulrich, der angebliche Fastenbrecher, erhielt sein bis heute auffälligstes Attribut, besagten Fisch!


Hll. Ulrich & Dorothea, Gefährtin der 3 Madln (Bethen), und Fisch, Fresko c.1400, St.Martin/Lg., Bild: © burgenseiten.com

Ja und? Was weiter? Ganz einfach: Hier haben wir es mit keiner Ammen-Mär zu tun, sondern mit bedeutungsvollen, aber auflösbaren, Chiffren! Die Ver-Wandlung von oder zu Nahrungsmitteln (als sublimiertes Lebendopfer bis hin zum Sakral-König, Herrn und Erlöser) ist nicht nur zentraler Bestandteil der christlichen Eucharistie („Abendmahl” aus Fleisch und Blut zu Brot und Wein), sondern kultischer Mittelpunkt vieler, weit älterer, Religionen - z.B. der Mysterien des Dionysos (dt. Gottessohn!) oder der Isis-Mysterien im Römischen Reich. Und auch der Fisch, und gerade der Fisch am Freitag, ist beileibe keine christliche Erfindung. Auch wenn viele Katholiken in den Ostalpen – von wegen ICHTYS (Iesous CHristos, Theou YioS, dt. Jesus Christus, Gottes Sohn) – ihr Auto mit einem stilisierten Pickerl-Fisch (gr. ichty..., fisch...) schmücken, dass das erste Erkennungs-zeichen der Christen in der Römischen Kaiserzeit gewesen sein soll: Der Fisch ist ein uraltes Sexual-Symbol, eines der ersten – „kinderleicht” deutbaren – Zeichen der Großen Ur-Mütter, Fruchtbarkeits- und Liebes- Göttinnen!

Der Fisch, der aus der göttlichen Vagina kam
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Und tatsächlich: Den auf die typischen Umrisslinien reduzierten „Fisch” und die „Mandorla (ein Hoheitszeichen der Römischen Kaiserzeit - als Zeichen, von der Großen Göttin eingesetzt, legitimiert zu sein), wissen schon eifrig kritzelnde Volksschüler richtig zu deuten – ohne die „vesica piscis” als solche zu kennen, die wohl auch deshalb in die Ausbildung der Volksschul-Lehrerinnen eingebaut gehörte. (Es muss ja nicht gerade Geometrie sein!)

   

Das oval zugespitzte Zeichen, eben auch vesica piscis (lat. vesica = cunnus = weibliche Scham; lat. piscis = Fisch) genannt (oder Yoni, nach der tantrischen Version, der „Himmelspforteder Großen Göttin), ist ein weltweit verbreitetes Symbol für die Große Mutter bzw. (pars pro toto) für ihren lebenspendenden Schoß, ihre Vulva (dt. Gebärmutter) bzw. Vagina (dt. Scheide). Und die alten Griechen hatten für Schoß und Fisch z.B. ein synonym verwendetes Wort, delphos, das übrigens sowohl in Delphi, dem ehemaligen Orakelort der fruchtbaren Fischgöttin Themis, als auch im Delphin steckt, der zwar (wie Jonas Wal oder Lindwurm) streng genommen kein Fisch ist, aber uralter mediterraner Seelen-begleiter bis zur Wiedergeburt.

Da sind wir endlich wieder bei Aphrodite, der griechisch-römischen Variante der keltischen Noreia-Isis und der „christianisierten” Afra der nördlichen Voralpen, zu deren Seite unser Ulrich an ihrem ehemaligen Kultplatz in Augsburg liegen soll. Venus-Aphrodite war im Römischen Reich auch als Fisch-Göttin Aphrodite Salacia (= „Schoß voller Fische”) bekannt. Ihr heiliger Wochentag war der Freitag (im Lateinischen dies veneris, Tag der Venus und der Liebe), und an diesem Tag, an dem „orgienartige Fisch-Essen” veranstaltet wurden, schenkte sie – auch in Augusta Vindelicorum zwischen Uinda und LikaWollust im Übermaß. Fisch gilt ja (trotz christlicher Entsexualisierungs-Versuche) bis heute als aphrodisierend, „den Geschlechtstrieb anregend”!


Meerjungfrau (Isis) im Kreuzgang von Stift-Ardagger (NÖ)
Nicht nur rund ums Mittelmeer war die Zuordnung eindeutig. Auch die Kelten brachten den Fisch in engsten Zusam-menhang mit Fruchtbarkeit, mit Sexu-alität und Gebärfähigkeit. So war z.B. auch sein Verzehr wichtiges „Hilfsmittel” für Frauen mit Kinderwunsch. Und wie z.B. Isis den Osiris bzw. seinen Penis rituell verschlingt und zum Großen Fisch der Meerestiefe wird, um ihren Heros zyklisch neu hervorzubringen, so kannte die keltische Mythologie ebensolche, dem Jahreslauf folgende Verwandlungen mit ganz ähnlicher Symbolik, die natürlich im „Reich” der Noreia-Isis bis weit nach „Christi Geburt” Gültigkeit hatte, und noch heute in durchschaubarer Form - bis zur Meer-Jungfrau (Isis) - ostalpine Kirchen ziert.

Um auch hier den Bogen zu den Heiligen Ulrich und (dahinterstehend) Afra zu schließen: An Aphrodites ehemaligem Hauptkultplatz auf Zypern wird bis heute die christliche Gottesmutter Maria als „Panhagia Aphroditessa”, als „Allheilige Aphrodite” verehrt! Da können doch Afra und Ulrich in Augsburg...! Ulrichs Fisch ist jedenfalls eindeutig Afras/Aphrodites Fisch!

Mit Ulrichs Hilfe vom Fisch zur Minne
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Ja. Ja! Keine Angst! Wir haben noch mehr Indizien für die Ulrichs-Mission, den Frauen-Kult der keltischen Ostalpen zu entschärfen bzw. umzuleiten, zu subli-mieren: Die so genannte Ulrichs-Minne z.B.! Die Minne, jene eigenartige Personifikation der Liebe, die eine Art „Aphrodite des Mittelalters” war, wurde gerne als fischartige Meerjungfrau dargestellt, ähnlich der heute noch auf gotischen Christophorus-Fresken zu bewundernden Isis (-Noreia), die dort als Fischweib oder Meerjungfrau zwischen den Beinen des Christusträgers die Verbindung zu den keltischen Muttergöttinnen der Ostalpen aufrecht erhält - bis hin zum Klosterwappen von Lambach, das auch die Gemeinde verwendet.

Die göttliche Minne war ambivalent und kannte zwei Seiten: Die Liebe als lust-volle körperliche Vereinigung und die „Höhere Minne”, den „sublimierten” Sex, der auch den offiziellen christlichen Vorstellungen von Liebe als „caritas” entsprach. Im konkreten Fall soll Ulrich selbst „enthaltsam wie ein Mönch” ge-lebt haben, während er „freigiebig ge-genüber den Armen” gewesen sei. De facto hat Ulrich zwar häufig an die reich gedeckte bischöfliche Tafel geladen und soll dafür schon zu Lebzeiten be-rühmt gewesen sein. Doch seine Caritas- Gäste waren ausschließlich Mitglieder des Hochadels und des hohen Klerus, reiche Feudal-Herren wie er.

Minne, die zur Sache kommt, Französische Buchmalerei

Bei der so genannten Ulrichs-Minne geht es aber zuletzt doch weniger um den „fleischlichen” Teil, um das „Hineinbraten” (österr. für „Anbandln”) oder den Braten für die Schäfchen, als um den von Arm und Reich begehrten Wein – und das in einer Form, die in der römisch-katholischen Kirche eigentlich höchst suspekt sein müsste! Das nicht deshalb, weil der Wein trunken macht, was im Laufe der Geschichte das Kultpersonal vieler Religionen für seine „Inspiration” nutzte. Sondern mehr deshalb, als in der römisch-katholischen Liturgie der rituelle Genuss von Wein (als verwandeltes Blut des Gottes) allein den Klerikern vorbehalten ist. - Nur das „Brot” (als verwandeltes Fleisch) wurde und wird in Form von geweihten Hostien mit dem gewöhnlichen Volk geteilt.

Ulrich wird nun nachgesagt, er hätte im geweihten speziellen Kelch tatsächlich auch geweihten Wein herumgereicht, was eine Art „Kommunion in beiderlei Gestalt” darstellte, deretwegen u.a. der Protestantismus entstand, der gerade auch in Augsburg großen Zulauf fand. Und in Ulrichs Namen geschieht dieser ei-genartige „Minne-Brauch” an vielen „seiner” katholisierten ostalpinen Wallfahrts-orte heute noch! Ja der Brauch wird nicht nur an Ulrichs Festtagen geübt, sondern gerade auch zu Ostern – also im überwiegenden Fall justament im Monat der Aphrodite, im April (Aphrilis), der bei den Römern der Monat der Venus war. Ein Prosit dem Afra-Onkel Dionysius, der jenem Dionysos (Gottes-Sohn) geweihte, der sein phallisches Zepter mit so einem Fruchtbarkeit verheißenden Pinien-Zapfen krönte, wie ihn Augsburg noch heute im Wappen führt!

Ulrichs-Brot, Ulrichs-Bock, Ulrichs-Erde und andere Unterlagen
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Sollen wir jetzt zu allem Überfluss noch das Ulrichs-Brot nachschieben – in der Original-Variante mit dreierlei Belag (Oboatzter, Leberwurst und Brat-wurst-Hack) und einen kräftigen Ul-richs-Bock dazu? Dann können wir si-cher stilgerecht selbst „den Heiligen Ulrich anrufen”, eine Umschreibung für die weniger stilvolle Art, sich nach geübter Völlerei, der vielleicht auch der echte Ulrich zuneigte, endlich zu er-brechen. Dabei sind wir noch gar nicht der Gans zu Leibe gerückt, einem der Mutter-Göttin heiligen Wasser-Vogel, und nicht der fruchtbaren, angeblich Mäuse und Ratten vertreibenden, Ul-richs-Erde. Ganz zu schweigen vom Unheil (= Krankheit) abwehrenden Ul-richs-Kreuz, das Partikel vom „echten Kreuz” enthalten soll.

Das „echte”, das Kreuz Jesu, hatte einst - neben den Resten der Drei-Könige und anderen wertvollen Trophäen - angeblich Helena gefunden, die Mutter des ersten „Christen-Kaisers” Konstantin, die in ihrer Jugend in England den Beruf einer Lupa (Wölfin im Sinn von Dirne - vgl. volva, altlat. für Vulva - keine Schande angesichts der kapitolinischen Amme von Romulus und Remus) ausgeübt haben soll. Und wissen Sie, wo die Lupa a.D. und Ehren-Kaiserin bei ihrem Senioren-Studium in Sachen Kreuz justament fündig wurde? Unter dem Tempel der Aphrodite(!) in Jerusalem!

Da waren – bei Noreia-Isis, Uinda, Lika, Ambeth, Borbeth und Wilbeth und wie die Kelten-Göttinnen alle hießen – schließlich wohl auch die Ex-Kelten der Ostalpen platt! Sonst hätten sie ja nicht zugelassen, dass sich mit der, über tausend Jahre nach Christi Geburt hierzulande langsam greifenden, neuen Religion, ein feudaler Ulrich auf viele ihrer altvertrauten Quell- und Mutter-Kultplätze setzte, und dort der alte Kessel der Inspiration, der Fülle, des ewigen Lebens und der Wiedergeburt zum Ulrichs-Kelch wurde.

Wären die mittelalterlichen Schäfchen des Lateins kundig gewesen, hätte der Ulrichs-Kelch, der in den Quellen als „poculum caritatis” bezeichnet wird, allerdings doch bekannt und vertraut gewirkt. Caritas, ursprünglich ein Wort für „hohen Preis”, wurde zwar im Spätlatein ein Begriff für asexuelle „Nächstenliebe”. Doch das lat. Hauptwort poculum stand nicht nur für das Gefäß, den Kelch, sondern auch für seinen Inhalt im Sinn von Zauber- oder Liebes-Trank - in seiner ursprünglichen sexuellen Bedeutung! Aber vielleicht haben die alten Wallfahrer bei alledem Ulrich halt einfach Ulrich sein lassen und bei seiner Minne in den Tiefen ihrer Seelen (und in den vier Wänden ihrer Häuser) der alten Mutter- und Frauen-Liebe, und in alten Weingegenden - als geübte Bacchus-Jünger - halt auch dem gebotenen süffigen Wein, gefrönt?! Prost, Ulrich!


Weihestein für Noreia-Isis in der Kirchen-Ruine von St. Ulrich auf dem Ulrichsberg bei Klagenfurt, Bild: Johann Jaritz


  Kurzsteckbrief: Hl. Ulrich ^
Namenvarianten:   Odalrich, Udalrich, Urech, Urle, Uhl, Ule, Ulli, Oury
Festtermin:   4. Juni / 4. Juli
Namensdeutung:   Herrscher über das Erbgut
Symbole:   Fisch, Bischofsornat, Kelch, Afra
Mythol. Funktion:   Wasserpatron, Geburtshelfer, Heiler, Pilgerpatron & Seelenbegleiter, Fischer-, Winzer- & Weberpatron, Mäuse- und Rattenvertreiber
Parallelen zu:   Afra, Belenus, Christophorus, Florian, Hermes, Merkur,
Zugeh. Bethe(n):   Wilbeth/Katharina, Ambeth/Margaretha, Borbeth/Barbara
Verehrungsorte:   Augsburg, Chur, Dorfstetten, Eichstätt, Lavant, Möggers, Paderborn, Platt, Regensburg, St.Gallen, St.Ulrich, Scheffau, Stanz, Ulrichsberg
Alpine Verbreitg.:   Ende des 13. Jh.

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Augsburg (Weltbild) 2005
 
       
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Engerda (Arun) 2003
 
       
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© Georg Rohrecker

Update: 11.09.2009

 

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