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Bergnamen mit keltischem Hintergrund


Untersberg
Hoch begehrter und umstrittener Hort der Anderswelt

Allein das Wort Berg enthält eigentlich schon, worum es beim Untersberg, dem sagenhaften „Wunderberg” der Ostalpen vor allem geht. Berg kommt von (ver-) bergen, schützen und ist eng verwandt mit gebären! Kein Wunder, dass sich die Kelten ihre Ur-Muttergöttin auch wörtlich als Bergmutter vorstellten, die auf und in ihren Bergen wohnte! Die Höhlen der Berge waren ihr Bauch, ihr „Uterus” (dt. Gebärmutter) in dem sie seit der Steinzeit den Menschen Schutz und Gebor-genheit bot. Unsere keltischen Ahnen vermuteten schließlich dort drinnen ihre bergende, heilmachende, paradiesische Anderswelt, aus der heraus die Seelen als Menschenkinder wieder geboren würden.


Untersberg bei Salzburg (li. Hoher Göll), Johann M. Sattler, 1829 (Sattler-Panorama), Salzburger Museum C.A.

Der Salzburger Untersberg ist ein sagenhaft schönes Exemplar eines besonders berühmten Anderswelt-Berges. Und diese keltische Anderswelt ist – entgegen dümmlichen Erklärungen – auch bestimmender Bestandteil seines Namens. Der Untersberg ist der Anders-(Welt-) Berg schlechthin! Davon zeugen nicht nur in aller Offenheit die zugehörigen Sagen, sondern auch historische Personen – wie z.B. der irokeltische Abt und Bischof Virgil, der einst vom engstirnigen Germanen-Missionar Bonifatius beim Papst in Rom angezeigt worden war, weil er es seinen Schäfchen in Salzburg offensichtlich gestattet hatte, angesichts des Untersbergs (siehe Bild oben) noch im 8. Jahrhundert („nach Christus”) an eine „andere” Welt „unter” dieser sichtbaren zu glauben, die sich seit weit über einem Jahrtausend im Süden von Salzburg unter dem Untersberg befand!

Der Untersberg, der seinen Namen unmittelbar von seiner Rolle als Andersweltberg hat, war wegen seiner Position nahe dem überregionalen keltischen Kultzentrum in Juvavum derart beliebt und berühmt, dass sich auch noch in christlicher Zeit Kaiser und Könige bzw. deren eifrige Chronisten, Kleriker und Propagandaschreiber um die Vorsitzführung in seinem Inneren rauften. Kaiser Karl – nicht der Selige, der Giftgas-Oberbefehlshaber der Isonzo-Front, sondern der große Heilige und Sachsenschlächter – und Kaiser Friedrich Barba-rossa sind nur zwei der zahlreichen kaiserlichen, königlichen und fürstlichen Konkurrenten um den Ehrenplatz auf dem Salzburger Andersweltthron im so genannten Wunderberg.

Historiker mit angelernten Kelten-Abwehr-Reflexen haben daraus die in diesem Zusammenhang leider sehr banale Theorie abgeleitet, es wäre zwischen Virgil und Bonifatius um einen Streit zur Kugelgestalt der Erde statt um die Anderswelt im Untersberg gegangen! Eine willkommene Erklärung für jene, die mit ihr die unheimlich unkatholischen Anderswelt-Bewohner zu braven Antipoden werden lassen können. Besonders einfältige Kapazitäten erklärten den Bergnamen gar mit noch viel dümmeren Zusammenhängen: mit einer Anzeigefunktion zur Bauern-Jausen, zum nachmittäglichen „untern”! Rülps! Ich habe gesprochen! „Ihr Bier!” hätte der schlaue Ire Virgil dazu vermutlich lakonisch angemerkt!

Mehr zum Salzburger „Wunderberg” erfahren Sie bei den Kelten-Orten des Bundeslandes Salzburg im Beitrag > Untersberg!


Buchtipp:     ^
  Christian F. Uhlir
Im Schattenreich des Untersberges

Von Kaisern, Zwergen, Riesen und Wildfrauen
Norderstedt (Books on Demand) 2004
 


© Georg Rohrecker

Update: 30.12.2007

 

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