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Weihnachten
(24./25. Dez.)
Verdrehtes Teilstück vorchristlicher Jahreswechsel-Rituale

Das Weihnachts-Brauchtum in Europa geht in seinen tiefen Wurzeln, seinem Sinn und den zum Teil bis heute (trotz aller Vereinnahmung) sicht- und spürbaren Bestandteilen bis auf die Jungsteinzeit zurück, auf die Folgen der „Neolithischen Revolution”, die Einführung der Landwirtschaft als zentrale Lebensgrundlage unserer Vorfahren. Das Schicksal der Menschen war seit der Zeit der notwendig gewordenen Sesshaftwerdung besonders eng verbunden mit dem zyklischen Vegetations-Kreislauf, mit den gerade in den Alpen sicht- und spürbaren Veränderungen der Natur im Laufe eines Jahres. Und diese spiegelten sich - weit vor der plumpen Kommerzialisierung! - wieder in den parallel gepflogenen Ritualen und Festen der davon abhängigen Menschen!


Weihnachten - Fest des Lichtes und der Sättigung?

Zu einem bestimmten Zeitpunkt geht der jährliche Kreislauf des Lebens immer wieder von vorne los. Bis hin zur heute obligat „zeitgemäßen” Schaufenster-Dekoration beginnt ein neuer Jahreszyklus. Der wurde allerdings ursprünglich weniger mit astronomischen Kategorien, einem Sonnen- oder Mond-Jahr verbunden (auch nicht mit dem „Weihnachts-Geschäft”). Im Mittelpunkt stand der jährlich sich wiederholende Kreislauf der Vegetation, ohne dessen Beachtung Landwirtschaft natürlich nicht lebenserhaltend erfolgreich sein könnte. Der Blick der Menschen war daher zuerst auf den Boden gerichtet, auf Mutter Erde als Basis – und nicht auf den Himmel, an dem in eigenen Zyklen die (notwendigen, lichtbringenden) „Leuchtkörper” ihre Kreise ziehen. Seit der Jungsteinzeit waren die Gestirne zwar Maß für Zeit (Kalender) und Raum (Vermessung). Der Mittelpunkt des Lebens war aber die Fruchtbarkeit von Mutter Erde.

Aus dieser Denkweise leitete sich auch die Jahreseinteilung der Kelten ab, die eben schon zu Samhain (1. November) den Jahreswechsel ausgelassen und mit vielen Ritualen und einem großen Fest für Körper, Geist und Seele feierten. Die Spuren davon schimmern noch heute ab Anfang November, aber insbesondere zu Weihnachten selbst und zum Jahreswechsel durch unser vernebeltes Brauchtum – vermengt mit zahlreichen Relikten aus anderen Kulturkreisen, von denen die römisch-katholische Kirche (quasi „naturgemäß”) an die spätantiken Rituale des Römischen Reiches anknüpfte, während Deutschnationalismus und Nazi-Faschismus ihre Weihnachtsgaben - bei uns mit Hilfe der in Salzburg etablierten Außenstelle Süd-Ost des SS-Ahnenerbes (Richard Wolfram, Kuno Brandauer, Tobi Reiser usw.) - aus (in großen Teilen plump erfundenem oder an den Haaren herbei gezogenem) „Nordisch-Germanischem” speisten.

Besondere Ironie der zwanghaften „Aufnordung”: In machen Teilen griff man peinlich daneben. So soll z.B. das mit Weihnachten in Zusammenhang gebrachte skandinavische „Jul-Fest” just aus Finnland(!) stammen, deren Bewohner von den eingeschworenen Indo-Ariern eigentlich gar nicht der „indogermanischen Rasse” zugezählt werden!

 
Es ist aufgrund der angedeuteten, nach Art der „Wilden Jagd” wütenden, weit über tausendjährigen „Vorarbeiten” - wie immer wir die Sonn- und Jahres-Wendereien auch wenden – gar nicht so leicht, aus dem bis heute entstandenen Weihnachts-Brauch-Gemisch, mit seinen mehr oder weniger attraktiven bis skurilen und üblen Bestandteilen und Versatzstücken, die genuin „keltischen Fäden” herauszuziehen.

Dass dabei div. Quellen aus der Nazi-Zeit – z.B. das „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens” – oder aber ähnliche Nachschlagewerke römisch-katholischer Provenienz nur bedingt bis gar nicht helfen können, liegt sicher auf der Hand!

Jul-Brauch oder nicht Jul-Brauch?
- Das stört doch keinen großen Geist!

('Nordischer' Zitaten-Mix)

Wurzeln ziehen im Weihnachtsbrauch
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Was das WortWeihnacht” betrifft, können wir dem Duden unbeschadet Recht geben, der die deutsche Silbe „Weih” auf den „untergegangenen Adjektiv weich 'heilig'” zurückführt. Auch das Datum ist schnell entschlüsselt. Es ist (dank der Unschärfe der Kalender-Reform unter Cäsar) das spätantike Datum der Winter-Sonnenwende, „Geburtstag” des indoiranischen Licht- und Erlösergottes Mithras bzw. des im Kaiser personifizierten unbesiegbaren Sonnengottes („natalis solis invicti”) des Römischen Imperiums, auf das die römisch-katholische Kirche auf dem Weg zur Staatsreligion im 4. Jh. aufsprang, um ihren Christus an prominentester Stelle zu etablieren. – Zuvor taten es der 28. März (nahe Attis) oder der 20. Mai. Doch uns geht es ohnehin nicht um „Alleinvertretung”, sondern vor allem um die vorchristlichen Bestandteile in den alpinen Bräuchen selbst.

Was die Spuren der römischen Antike in den ostalpinen Jahreswechsel-Ritualen angeht, ist der Nachhall aus rund einem halben Jahrtausend römischer Besatzungszeit zwar durchaus verständlich, doch weit weniger gewichtig, als das „keltische” Erbe, das deutsche Romantik und die Wegbereiter faschistischer Großraumpolitik mit ihren pseudo-germanischen Versatzstücken schließlich zu einem teilweise ungenießbaren Brei vermengten. - Zu diesen „Sünden” der „Aufnordung” durch Etablierung zuvor nicht vorhandenen Brauchtums gehören insbesondere Horror-Beiträge wie die „Wilde Jagd” des göttlichen Germanen-Wüterichs Wotan/Odin und ähnlich sagenhafter Umzugs-Unfug, mit dem unsere keltischen Ahnen ebenso wenig „am Hut” hatten, wie mit Schiach-Perchten und Krampus-Läufen!

Übrigens, trotz der Krücke Nikolaus für Santa Klaus und ähnliche Helden:

Rentiere waren einst im heimischen Brauchtum weder in aktiven noch in passiven Rollen zu finden - nicht einmal auf den üppigsten Speisezetteln zum Fest. Heute sieht das anders aus! Da können Sie sich ganz unkompliziert geschmackvolle Rezepte für Rentier-Steaks per Internet runterladen.

Wir setzen an dieser Stelle einen Link zu

kirchenweb.at

Welche Absichten ev. dahinter stecken, überlassen wir Ihrer Fantasie! Wir wen-den uns lieber wieder älteren Seiten des Weihnachts-Geschäftes zu.

 

Einerseits gewährte zwar das im Laufe der Christianisierung und „Germanisierung” mehr und mehr entstellte und pervertierte „Brauchtum” der keltischen Jahres-wechsel-Rituale seit „Samhain” unzählige Anknüpfungspunkte für Schwindel und Betrug. Andererseits sind die ursprünglichen Verbindungen der „Bräuche”, die sich nun je nach Ansatz von „Allerheiligen” über „Weihnachten” bis nach „Drei König” ziehen, bei allem Missbrauch durch christliche Verteufelung und nordische Horror-Visionen jenseits von Halloween, Krampus, Wotan und Co. relativ leicht wieder zu rekonstruieren. - Aufgrund der Bandbreite kommen die Details auf unseren Kelten-Seiten auch an anderen Stellen ausführlich zur Sprache.

Bestandteile mit „keltischen” Verbindungen und Parallelen
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Bethen und Perchten: Die Weihnacht (Die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember) war bis tief ins Mittelalter die „Nacht der Mütter” (Modra-niht), der Muttergöttin in dreifacher Gestalt bzw. in ihren differenzierten, Licht, Fruchtbarkeit und Schutz spendenden Aspekten – bei den Kelten die Bethen-Trinität (aus der die „Feind-Propaganda” gruselige „Schiach-Perchten” machte.). Mit den Mutter-Göttinnen beantwortet sich aber andererseits auch die Frage, warum justament die (sündig-erotische) Urmutter der Christenheit, Eva, am 24. Dezember in aller Unschuld ihren katholischen Festtag hat. Ist sie doch auch Christi Ahnfrau!

Licht und Weisheit: Seit es den Menschen gelungen war, das Feuer zu beherrschen, waren sie nicht nur in der Lage, ihren Speiseplan über „Rohkost” hinaus zu erweitern und die Kochkunst (s.u.) zu begründen. Sie mussten aber fortan auch nicht mehr im Dunkeln tappen. Mit dem Feuer gewannen sie die Quelle des Lichts, das gerade im Winter an Bedeutung gewinnt, wenn das immer kürzere Tageslicht der Sonne durch „künstliche” Beleuchtung verlängert wird. Konsequent weitergedacht, ging es beim Lichtaspekt schließlich um „Erleuchtung” im weiteren Sinn, um Inspiration, aus der das keltische Kultpersonal Orakel (Weissagungen) zur rituellen Jahresvorschau ableitete. (Vgl. Samhain)

Fruchtbarkeit und Sättigung: Weil die göttliche Mutter mittels Fruchtbarkeit bei Vegetation und Getier für die Sättigung ihrer Familie und ihrer Menschenkinder sorgte, war das heimische Herdfeuer der erste Mittelpunkt ihrer Verehrung, der Herd ihr ursprünglicher „Altar”. Beim großen Gemeinschafts-Fest zur Feier des keltischen Jahresbeginns, zum Start in eine neue Runde im ewigen Kreislauf des Lebens, verlagerte sich das üppige Mahl auf einen eigenen gemeinsamen Festplatz, der dazu Schauplatz von Feuerritualen mit anschließendem Gelage wurde. Zuvor war das häusliche Feuer rituell gelöscht worden, um es später mit einem „Ableger” des gemeinsamen Festfeuers neu zu entzünden.

Bethen und Seelen-Besuch: Während alle Mitglieder der keltischen Dorf-/Dörfer-Gemeinschaft am Festplatz an den vom Kultpersonal inszenierten Ritualen zum Jahreswechsel teilnahmen, hatten die Seelen der Verstorbenen, die dabei nicht beobachtet werden sollten, Gelegenheit zu Glück bringenden Haus-Besuchen in ihren ehemaligen Wohn- und Wirkstätten. Die lebenden Verwandten unterstützten dies rituell durch den Seelen dargebotene Speisen, mit denen Dank und Verbundenheit ausgedrückt wurde. Führerinnen der Seelen waren die, vom Christentum verteufelten, göttlichen Bethen, insbesondere die „Winter-MutterBorbeth. (Vgl. Die Percht bestraft Zweifler, Frau Beri in Haigermoos u.a. Sagen)

Schutz und Heilung: Die keltische Borbeth war „Fachfrau” für Schutz und Heilung in der Trinität. Einerseits garantierte sie den Seelen der Verstorbenen, die im Bauch von Mutter Erde, in der paradiesischen Anderswelt, Erholung und Genesung fanden, nach der Kur eine irdische (!) Wiedergeburt zu erleben (die u.a. durch grünende oder blühende Zweige symbolisch vorweggenommen wurde). Andererseits war Borbeth auch Beschützerin und Heilerin der lebenden Menschen und Tiere in Haus und Hof. Dies wurde zu jedem Jahresbeginn rituell bekräftigt, indem das magische Zeichen der Bethen-Trinität über der Haustür erneuert wurde: X X X

Die Schrift unterlag in keltischer Zeit einem Tabu. Erst mit der „Christianisierung” bürgerte sich die Schreibweise K+M+B über den Türen ein, mit dem dritten Kreuz über dem M. Dahinter stehen weder Drei Könige namens Kaspar, Melchior und Balthasar, noch der latinisierte Wunsch, dass Christus diese Haus segnen möge. Es geht auch bei den Initialen um die ursprüngliche Bethen-Trinität, nun in christlicher Verkleidung als Nothelferinnen und „Heilige Drei Madl”: Katharina (Wilbeth), Margaretha (Ambeth), Barbara (Borbeth).

Reinigung: Das Feuer wurde auch von den Kelten nicht zuletzt als Element der Verwandlung angesehen und u.a. mit Reinigungs-Kraft verbunden. So diente das vom Fest heimgetragene Feuer nicht nur dazu, das Herd-Feuer neu zu entfachen und dem Haus wieder Licht zu geben. Ein wenig davon wurde in eine Art „Räucherpfanne” gegeben, die anschließend durch Haus und Hof getragen wurde, um mit dem Rauch vom Heiligen Feuer das ganze Anwesen an der Schwelle zu einem neuen Jahr rituell zu reinigen. (Das ist der Kern der Rauhnächte!) Derart vorbereitet konnte der Kreislauf des Lebens in die nächste Runde gehen!


© Georg Rohrecker

Update: 24.12.2008

 

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