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Hl. Wilgefortis (Kümmernis)
Standhafte und doch fruchtbare Jungfrau – 20. Juli

Hl. Wilgefortis (li.) und
Hl. Maria v. Ägypten
(re.)

Hans Memling, 1480

Memlingmuseum
Sint-Janshospitaal Brügge
 

Wilgefortis ist eigentlich weniger ein Personenname als ein Titel. Er kommt vermutlich vom lat. virgo fortis (starke/standhafte Jungfrau), ein Prädikat, das ihren Legenden nach allerdings auf dutzende katholische Heiligengestalten weiblichen Geschlechts zutrifft. Die Geschichte ist fast immer nahezu ident: Es war einmal - zumeist in der zweiten Hälfte des 3. oder der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts eine Jungfrau, jung, schön (und reich). Die sollte verheiratet werden. Doch die Schöne weigerte sich, weil sie - als Christin - schon mit dem Sohn des wahren und einzigen Gottes verlobt sei, dem sie deshalb die Treue halten wolle bis in den Tod.

Dieser Tod, der sie ja dem himmlischen Bräutigam zuführt, kommt dann prompt über die stand- und beispielhafte Jungfrau nach längerem, von diversen
Wieder-auferstehungen unterbrochenem, (blutrünstig beschriebenem) Martyrium durch heidnische Folterknechte. Zuletzt folgt die wohl verdiente Himmelfahrt der Blutzeugin und die (offizielle oder inoffizielle) Aufnahme in die Gemeinschaft der Heiligen - und ins Martyrologium Romanum, das Märtyrer- und Heiligen-Verzeichnis der römisch-katholischen Kirche, das bei seiner Neuauflage Ende 2004 biografische und liturgische Angaben zu rund 6.650 Seligen und Heiligen mit sowie rund 7.400 ohne Namen enthielt.

Das angeführte Grundmuster der Märtyrerinnen-Biografien, dessen Marter-Kapitel direkt aus der Praxis mittelalterlicher Rechtspflege stammt bzw. daraus drastisch schauriges Anschauungsmaterial beziehen konnte, gilt schließlich auch für Wilgefortis, die jedoch in den Ost-Alpen mehr Bekanntheit unter dem
deutschen Namen Kümmernis erreichte, auf deren Seite wir Sie zum Studium ihrer Legende und zu sonstigen Details verweisen.


  Kurzsteckbrief: Hl. Wilgefortis ^
Namenvarianten:   Kümmernis, Ontkommer, Uncumber, Comeria, Hülpe, Liberata, Eutropia, Gwer, Wilifortis
Festtermin:   20. Juli (analog Margaretha) (26. Jänner - Notburga))
Namensdeutung:   Die Entkümmerin (Wilgefortis = Starke Jungfrau)
Symbole:   (An Bäumen) Gekreuzigte (zumeist mit Bart), Fiedler, Schuh
Mythol. Funktion:   Vegetations- und Fruchtbarkeitsgöttin, Beschützerin der Frauen
Parallelen zu:   Aphrodite, Artemis, Bona Dea, Diana, Notburga, Sophia, Koloman
Zugeh. Bethe(n):   Wilbeth/Katharina, Ambeth/Margaretha, Borbeth/Barbara
Verehrungsorte:   Axams, Bregenz, Dorf/Pinzgau, Eisenstadt, Erlangen, Frauenwörth /Chiemsee, Hechenberg/Burghausen, Meransen (I), Neufahrn/Freising, Rankweil, Uderns, Telfs, Weissenburg
Alpine Einführg.:   Beginn des 14. Jh.

> Buchtipps:     ^
  Erni Kutter
Der Kult der Drei Jungfrauen

Eine Kraftquelle weiblicher Spiritualität neu entdeckt
Norderstedt (Books on Demand) 2003
 
       
  Ilse E. Friesen
The Female Crucifix

Images of St. Wilgefortis since the Middle Ages
Waterloo, Ontario (Wilfrid Laurier University Press) 2001
 
       
Georg Rohrecker, Kelten - Götter - Heilige   Georg Rohrecker
Kelten - Götter - Heilige

Mythologie der Ostalpen
Wien (Pichler) 2007
 

© Georg Rohrecker

Update: 01.05.2009

 

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