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Häufige Fragen > Wissenschaftlichkeit
Was ist (un-)wissenschaftlich?
Wissenschaft(lichkeit)
zwischen Anspruch und Realität
Gerne neigen
durch Kritik aufgescheuchte oder „gestörte” Wissenschafter
dazu, solcher „Störung” reflexartig mit dem Totschlag-Argument
„Das ist ja völlig unwissenschaftlich!”
zu begegnen - so als hätten sie selbst die Wissenschaft (gleich
einem/ihrem Schrebergarten) für sich allein „gepachtet”,
schon von Klein auf mit dem berühmten „Großen Löffel”
gefressen oder sonst (samt Deutungshoheit) für sich monopolisiert.
Der Streit um den „Besitz der Wahrheit”
ist zwar ein uralter Kampf - in der Regel um Macht,
Ruhm, Ressourcen und Profit -, doch streng genommen leider selbst kaum
„wissenschaftlich”!
Weder gibt es nämlich „absolute Wahrheit”,
noch „objektive” oder gar „reine
Wissenschaft”. Auf einen kurzen Nenner gebracht ist Wissenschaft
zwar rational begründetes Wissen, doch steht das
Wissen selbst - wie seine Verwalter - nicht beziehungslos
im leeren Raum, sondern ist gesellschaftlich bedingt. In jeder Wissenschaft
lautet daher die erste Frage aller Beteiligten und
Betroffenen: Cui bono? Wem nützt es? (Wer das
zu leugnen sucht, „Neutralität” vorgibt, oder sich
gar in nicht nur „hatscherte” sondern echt haarsträubende
Pseudo-Vergleiche [z.B. Chirurgen-Masche] flüchtet, hat garantiert
etwas zu verbergen!)
In den Natur-Wissenschaften (Biologie, Chemie, Geologie,
Medizin usw.) ist der, an ökonomischen Kriterien
orientierte, gesellschaftliche Zusammenhang („Wer profitiert?”)
mehr als ein, auch in €uro ausdrückbares, „Offenes
Geheimnis”. In den so genannten Gesellschafts-Wissenschaften
(wie z.B. Geschichte) geht es zwar genauso um Nutzen.
Da sich die Ergebnisse hier allerdings nicht so unmittelbar
in klingende Münze bzw. höhere Dividenden
umsetzen lassen, sind die Mehrzahl der wissenschaftlichen Einrichtungen
staatlich oder halbstaatlich, quasi Infrastruktur-Einrichtungen
des Öffentlichen Dienstes - und die darin Bediensteten schlicht
beamtet.
Vom Anspruch und Sinn her müsste es nun zwar in solchen, den unmittelabren
Marktmechanismen entzogenen, Fächern wie Geschichte,
Archäologie u.ä. um gesellschaftlichen, für
die Gemeinschaft anwendbaren Nutzen (z.B. Identitäts- und
Bewußtseinsbildung für stärkeren Durchblick
und mehr soziale Kompetenz) gehen. De facto geht es jedoch in sehr vielen
Fällen neben der eigenen Rolle als Kapazität um Interpretation
und (Fehl-) Deutung im Sinne der Aufrechterhaltung
von affirmativen Geschichtsbildern, die der massiven
ideologischen Unterstützung bzw. Rechtfertigung
bestehender oder vergangener Gesellschafts- und Herrschaftsformen -
bis hin zu (völker-) mörderischen Herrschafts- und Kriegszielen
(„Serbien muss sterbien!” Volk / Herrenrasse ohne
Raum! usw.) - und den jeweiligen Nutznießern dienten
und noch immer dienen.
Den fatalen Gipfel hatte diese Entwicklung der Wissenschaft
als Herrschafts-Instrument konsequent im Faschismus
erreicht, der mit seiner brachialen Ausrichtung gerade auch in Österreich
zu einer fatalen Vertreibung und Ausrottung qualifizierter Wissenschafter
geführt hat. Aus dieser bedenklichen Entwicklung nun justament
abzuleiten, man könne sich heute in einer selbst gewählten,
geschützten Nische mit Pensionsberechtigung der gesellschaftlichen
Realität entziehen und „reiner Wissenschaft”
frönen, ist leider nicht einfach nur als naiv zu bezeichnen, sondern
höchst bedenklicher bis gefährlicher Etikettenschwindel!
Die Geschichte hat gerade im 20. Jahrhundert mit mörderischer Deutlichkeit
gezeigt: Es gibt keine (bezahlte) Wissenschaft um ihrer selbst willen.
Auch für sie gilt eindeutig die alte Formel: „Wes'
Brot ich ess, des' Lied ich sing!” (Und die alten Lieder
kursieren!)
Behaupten wir also nicht, das nach 1945 angestimmte Lied sei nun das
Lied der hehren Wissenschaftlichkeit!
- Seien wir wachsam und lenken wir nicht ab! - Nicht in exotische Gefilde
und nicht in Streitereien um die Interpretationshoheit oder den Besitz
der „Wahrheit” - Und nennen wir deshalb
z.B. auf unser engeres Thema bezogen unsere keltischen Ahnen doch endlich
bei, von Germanismen und hypnotischen Chortexten des 19. und 20. Jahrhundert
befreiten, verständlichen und zuordenbaren Namen, statt im sattsam
bekannten Übereifer „Spät-Hallstatt-”, „Eisen-”
und „La-Tène-zeitliche” Eiertänze
(mit A-B-C-D- und I-II-III-IV-Konstruktionen) aufzuführen! So ein
konsequent aufgeklärter Dienst an der Wissenschaftlichkeit anstelle
verwirrtem Buchstaben- und Zahlen-Hacks wäre im Sinne der Identitätsfindung
gerade auch ein Dienst an der Gesellschaft und am einzelnen
Individuum der Geschichte - an jener Gemeinschaft, die die beamtete
Wissenschaft - vom fleißigen „Buddler” vor Ort bis
zum abgehobenen „Lehrstuhl-Inhaber” am Schrebergarten-Olymp
- letztendlich finanziert!
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Wissenschaftlicher
Merksatz zur verqueren Eiertanzerei:
Hallstattzeit ist - wie La-Tène-Zeit
- nur ein so genannter Verabredungsbegriff! Keltisch
ist die zugehörige Realität!
- Und die wuchs nicht nach Eier-Klassen à la A-B-C und
I-II-III! |
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Buchtipp: |
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John Desmond Bernal
Wissenschaft
Science in History
Band 1 bis 4
Reinbek/Hamburg (Rowohlt) 1978
(vergriffen - antiquarisch fast geschenkt erhältlich) |
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©
Georg Rohrecker
Update:
19.07.2009
