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Wolfgang
Patron lukrativer Besitzansprüche – 31. Oktober

Wolfgang und der Teufel
Michael Pacher, um 1483
Kichenväteraltar

Alte Pinakothek München
 

Den im Jahr 1052 von Papst Leo IX. zum „Heiligen erklärten Wolfgang hat es wirklich gegeben. Er lebte im 10. Jahrhundert und war von 972 bis zu seinem Tod im Jahr 994 Bischof von Regensburg. An seiner gewinnträchtigen Verbindung zu tausenden keltischen Kultplätzen im Ostalpenraum – vom kleinsten „Spur-Stein” (Schalenstein) bis zum größten Kultzentrum (z.B. dem am Falkenstein bei St. Gilgen) – war er selbst relativ unschuldig. Das besorgten später geschäftstüchtige Kleriker seiner Klöster, die in ihrem Wolfgang ein ideales Instrument erkannten, unter Zuhilfenahme haarsträubender und steinerweichender Legenden in seinem Namen – der sich übrigens aus Wolf und Gankerl, einer Umschreibung für Teufel (dem Christen-Krampus), zusammensetzt – abenteuerliche Besitzansprüche zu stellen und auf ehemals keltischen Kultplätzen profitabelste Wallfahrts-Industrien europäischer Dimensionen zu errichten.

Vielleicht war es eine Art „Rache” für Wolfgangs Klosterreformen? Mit einer solchen hatte er nämlich die Kleriker der großen Domklöster seiner Diözese „beglückt”, die ursprünglich bis ins ehemals keltische Böhmen reichte. Und in diesen Genuss kamen schließlich auch kleinere Klöster wie das von Mondsee, in das sich Bischof Wolfgang schnurstracks verkrümelt hatte, als im Jahr 976 Kaiser Otto II. auf einem Reichstag in Regensburg, der Residenzstadt Baierns, Herzog Heinrich absetzte, und das mächtige Herzogtum zerstückelte. (Aus einem Teil Baierns, mit dem der Babenberger Liutpold belehnt wurde, entstand übrigens später Österreich.)

Wie auch Wolfgangs „Heiligkeit” zum Geschäft wurde
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Auf Teufel komm raus stellte gerade das Kloster Mondsee abenteuerliche Gebiets-ansprüche gegenüber dem Erzbistum Salzburg, und nicht nur die uralten, schon den Kelten heiligen, Schalen- und Spursteine, sondern auch viele Heilige Quellen sollten nun dreist die wunderbare Anwesenheit und Missionstätigkeit „ihres” Hl. Wolfgang an diesen Stellen, und damit die unverschämten Eigentumsrechte, „beweisen”. Der ehemalige „Chef” hätte es schließlich selbst vorgemacht, und auf den später nach ihm benannten Ort St. Wolfgang – auf „germanische” Art: mit symbolischem Beilwurf – Besitzanspruch erhoben!

 
Ja, die unheilabwehrenden „Wolfgangi-Hackln” im Miniformat verkauften sich ironischerweise fast so gut wie das in St. Wolfgang massenhaft feilgebotene „Augenheilwasser” in den dafür kreierten „Wolfgangi-Flascherln” - Für das mittelalterliche Kloster Mondsee ein Zubrot von jährlich 15 bis 20 Tausend Dukaten! Auch im Windschatten der keltischen Mythologie galt: Pecunia non olet! („Geld stinkt nicht!”) Ob seiner „gewinnbringenden Eigenschaften” landete der Heilige Wolfgang schließlich im 16. Jh. selbst auf klingenden Regensburger Batzen (Abb. links).

  Kurzsteckbrief: Hl. Wolfgang ^
Namenvarianten:   Wolfl, Lupambulus, Werregängel
Festtermin:   31. Oktober
Namensdeutung:   Als Wolf Verkleideter, Zu den Wölfen (Heiden) Gehender, Werwolf
Symbole:   Wolf, Teufel, Beil, Kichenmodell
Mythol. Funktion:   Krankenpatron (Unterleib, Augen), Viehpatron,
Parallelen zu:   Belenus, Cernunnos, Dagda
Zugeh. Bethe(n):   Wilbeth/Katharina, Ambeth/Margaretha, Borbeth/Barbara
Verehrungsorte:   Regensburg, St. Wolfgang ...
Alpine Verbreitg.:   Ende des 11. Jh.

> Buchtipp:     ^
Georg Rohrecker, Kelten - Götter - Heilige   Georg Rohrecker
Kelten - Götter - Heilige

Mythologie der Ostalpen
Wien (Pichler) 2007 - Erscheint im September
 

© Georg Rohrecker

Update: 07.06.2009

 

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